II

«Jetzt bringen wir den Fastnachtsschwarm

Bei Tag und Nacht ohn Gleichen

An Lustbarkeit und tollen Streichen!

Die Maske hüllet unsre Wang, und wer sich noch erkühnt

Zu fragen nach Geburt und Rang, hei! dem als Antwort dient

Gelächter und Alarm.

Ein herzlicher Freudenchor

Eröffnet des Hauses Tor;

Da stürmen hinein dann in Paaren die schmucken Krakuserinnen,

Der Pilger, ergrauet an Jahren, und Juden, Zigeunerinnen,

Wahrsager, Teufel, — doch ehrlich all —

Um Becher zu minnen.

Wir fliegen zu Schlitten,

Und zwischen uns mitten

Lärm und Gelächterschwall.

Kennst du der Polen Karneval?»

«Ihr könnt hier einmal nicht herein, jetzt ists nicht Faschingssaus,

Der Herr zog gegen den Tatar, und leer steht Hof und Haus.»

So wies der alte Diener ab die Fremdlinge verwegen

Und stemmt sich fort und fort am Tor unbeugsam starr entgegen.

Als gleichwohl nun die Larven alle huben an zu singen,

Als nun begann ein Musizieren, Quieken, Klappern, Springen,

Als feur’gen Blicks die toten Züge, die papiernen Wangen,

Die fremden Trachten sich zu flimmernd bunten Kreisen schlangen;

Als Farben, Glanz und Schatten sich im Fluge nun entwirrten

Und hüpfend, rauschend, flink sich windend auf und niederschwirrten:

Da tanzten selber ihm im wüsten Kopfe die Gedanken,

Er schaut’ und wußt nicht Rat noch Maß, zu bändigen sein Schwanken.

Zigeuner, Juden freuten, Wahrsager, Teufel schreckten ihn,

Und gierig blinzt er nach den kreisenden Gestalten hin

Die Masken sprangen hin und her vor ihm so hitzig wild,

Doch schon beschlich ein Grauen ihn; die Neugier war gestillt.

Da blies mit einem Mal in Hörner der Vermummten Mund,

Es ließ die Hand von Hand, die Füße standen ruhig und

Von rauhen Stimmen, sanft gemildert durch der Flöte Klang,

Erscholl in wenig kunstgerechtem Chore dieser Sang:

«Ach diese ganze Welt ist Todes Erntefeld,

Der Wurm heckt selbst die Brut im üpp’gen Knospenzelt.»

«Und wenn der Gram sich in die Seele schleicht

Und schwarze Wolken brausend ballt,

Und wenn gehäuftes Unglück wen erreicht,

Daß in Betrübnis sich zur Erde neigt

Die hohe edele Gestalt;

O! reize dann der Bosheit Dolch nicht mehr die Wunde,

Er berg sich einen Augenblick ...

Und sei’s im Sterben schon, noch tön das Wort vom Munde:

Der Friede kehrt zurück, zurück!

Denn diese ganze Welt ist Todes Erntefeld,

Der Wurm heckt selbst die Brut im üpp’gen Knospenzelt.

Wen vor der Krankheit flieht des Himmels Kraft,

Der Taube gleich vom Fluch gejagt,

Und alle Lebensmächte40 mit sich rafft,

Daß Wangen hohl aufdunsen totenhaft,

Noch eh die Weihekerze ragt41:

Mög niemand, um den Kampf der Schmerzen einzuwiegen,

Siegslieder singen voller Glück ...

Er wollte denn am Ende noch die Worte fügen:

Dein Engel kehrt zurück, zurück!

Denn diese ganze Welt ist Todes Erntefeld,

Der Wurm heckt selbst die Brut im üpp’gen Knospenzelt.»

«So jemand, andre schirmend voller Lust,

Selbst in des Abgrunds Tiefe bricht,

Kurz währt die Freud drob in der Mißgunst Brust. —

Hüllt hier auch Bös und Gut ein trüber Duft,

Im Himmel ist ein letzt Gericht!

Es kann ja auch ein starkes Haupt zuweilen ringen

In Düsterkeit mit Mißgeschick ...

Mög dann von holden Lippen laut das Wort erklingen:

Die Freude kehrt zurück, zurück!

Denn diese ganze Welt ist Todes Erntefeld,

Der Wurm heckt selbst die Brut im üppigen Knospenzelt.

Wohl mancher eilt von Wegen fern daher,

Tritt hoffend unter Freundesdach,

Daß schon der Gruß ertränk der Sorgen Heer;

Er stiegt durchs Haus, doch find’t er’s wüst und leer,

Und kein geliebtes Antlitz — ach!

Da bebt er wie vor einer nahen Unglückskunde,

Er senkt den tiefbetrübten Blick ...

Dann spreche Gastfreundschaft mit tröstend süßem Munde:

Es kehrt der Wirt zurück, zurück!

Denn diese ganze Welt ist Todes Erntefeld

Der Wurm heckt selbst die Brut im üpp’gen Knospenzelt.»

«Ha! Gott der Heil’ge sei mit euch! Wenn ihr nicht Geister seid,

So deutet euer bunter Mummenschanz auf frohe Zeit.

Ihr bringt uns Neues nicht! Ei, sprang doch hier so manches Mal

Als wie ein Kreisel mondenlang herum der Karneval.

Herein! der Herr kehrt heim! Obwohl er nicht zu Hause eben,

Solls keinem doch an Flaum gebrechen, noch am Saft der Reben!»

Sie treten ein, sie neigen sich, sie führen sich in Paaren,

Sie schauen rings umher, bis zur Beratung sie sich schaaren.