Erster Gesang
Es webt sich alles seltsam bunt
Auf diesem armen Erdenrund;
Und wer mit Menschenwitz es alles zu durchdringen dächte,
Der stirbt dahin und nimmer lernt er treffen doch das Rechte.
Jan Kochanowski3
1.
He, du Kosak, wo jagst du hin auf deines Rosses Schwingen?
Sahst etwa einen Hasen du auf jener Steppe springen?
Willst schlürfen im Gedankenspiel der Freiheit süß Behagen
Und mit ukrain’scher4 Windesbraut5 den kühnen Wettlauf wagen?
Fliegst du vielleicht zum Liebchen dein, das auf den Fluten harrt,
Und summst vor Ungeduld ein Klagelied6 dir in den Bart?
Denn auch die Mütze zogst du tief und lässt die Zügel schießen,
Staubwolken ziehn des Weges nach — lang hingestreckte Riesen;
Dein braunes Antlitz strahlt, als wärs entbrannt von feur’gem Flimmer,
Und, wie im Moor ein Irrlicht, blitzt auf ihm der Freude Schimmer,
Wenn dein gehorsam Pferd, gleich dir der Wildnis7 rauhes Kind,
Durchschneidet mit gestrecktem Hals den lauten Wirbelwind.
Weich aus, du Czernomorer8, mit dem knarr’nden Wagen, hei!
Denn diese Steppensöhne9 schmettern dir dein Salz10 entzwei.
Du schwarzer Vogel11 auch, der du dem Wand’rers grüßend nickst
Und kreisend ihn umschwebst und fragend ihm ins Auge blickst,
Ei, sput’ dich und enthülle dem Kosaken dein Geheimnis: —
Eh du den Kreis vollendet hast, sind fort sie ohne Säumnis!
2.
Sie jagen — in der Sonne Strahlen, die sich niederwendet,
Erscheinen sie wohl Boten gleich, von Himmlischen gesendet —
Und lang und weit vernimmt das Ohr der Hufe lautes Dröhnen;
Denn tiefes Schweigen deckt die Felder, die sich ringsum dehnen.
Nicht frohen Adels, noch der Ritter Stimmen tönen hie —
Der Wind nur, Ähren beugend, rauscht die Trauermelodie;
Aus Hügeln12 seufzt es, unter Rasen klingts wie Grabgestöhne,
Auf welken Kränzen schlafen da des alten Ruhmes Söhne.
Musik so wild — der Text13 dazu, er ist noch wildrer Art,
Den alter Polengeist den späten Enkeln aufbewahrt.
Doch ist ein Sträuchlein Ackerrosen alles, was sie ehrt,
Ach! wessen Herz, ja wessen fühlt von Gram sich nicht verzehrt?