Leben des Anton Malczewski
Die Flut der Leidenschaft, sie stürmt vergebens
Ans unbezwungne feste Land:
Sie wirft poetische Perlen an den Strand,
Und das ist schon Gewinn des Lebens.
Goethe
Malczewski hat bisher noch keinen Biographen gefunden, der die zahlreichen in den verschiedenen Ausgaben der Maria und in Zeitschriften zerstreuten Materialien gesammelt, durch mündliche Nachforschungen ergänzt und berichtigt und auf Grund dieser Vorarbeiten eine Lebensgeschichte geliefert hätte, deren Angaben vollständig wären, deren Tatsächliches unbestritten erschiene. Was den Landsleuten des Dichters noch nicht glückte, kann von dem entfernt vom Schauplatz seines Lebens wohnenden deutschen Übersetzer füglich nicht gefordert werden. Ich glaube genug getan zu haben, wenn ich alle mir zu Gebote stehenden Quellen sorgfältig benützte und auch die kleinste Notiz über Malczewski nicht unberücksichtigt ließ, falls sie mir nach gewissenhafter Prüfung geeignet schien eine Lücke auszufüllen, eine Dunkelheit zu lichten. Das Meiste verdanke ich der Arbeit Bielowski’s; nächst dieser sind mir Goszczyński und K. G.’s Mitteilungen (Czas, Nr. 68, 21. März 1856) wesentliche Beihilfen gewesen.
Anton Malczewski, um das Jahr 1792 in Volhynien geboren, war der ältere Sohn Johann Malczewski’s, Generals im polnischen und später im russischen Heere, und dessen Gattin Konstancja von Błeszyński. Beide stammten aus angesehenem Geschlechte, dem die Besitzungen Radziwill, Miropol, Kniahinin, Chodzcza und noch andere gehörten, die aber später in fremde Hände übergingen, so daß schon Anton nur im Besitze eines kleinen Vermögens war. Seine Kinderjahre verlebte er in Dubno, wo seine Eltern wohnten oder sich doch am häufigsten aufhielten, und hier genoß er unter Leitung von Hauslehrern die erste Erziehung in fremdländischem Geiste, dem Seitens der höheren Stände in übertriebener Weise gehuldigt wurde; woher es auch kam, daß er fertig Französisch sprach und schrieb, während er das Polnische erst später erlernte. Damals war durch die Pflege des berühmten Tadeusz Czacki, eines um das Schulwesen Polens hochverdienten Mannes, die Schule zu Krzemieniec im Aufblühen. Ob nun aus dem Grunde, weil Czacki mit der Familie Malczewski in freundschaftlichem Verhältnisse lebte, oder aus irgend einem andern, genug, Anton empfing seine weitere Ausbildung bis zur Beendigung seiner Studien in Krzemieniec, wo er bei Józef Czech die Mathematik hörte und in ihr, so wie im Zeichnen, bedeutende Fortschritte machte. Er leuchtete durch hohe Geistesfähigkeit und rastlose Lernbegierde unter allen Andern hervor, und Czacki erkor ihn zu seinem Liebling. Die besondere Liebe dieses Mannes zum Vaterlande und zu den Wissenschaften, so wie die religiöse Schwärmerei, welche vorzüglich gegen Ende seines Lebens hervortrat, spiegelten sich — letztere allerdings erst in späteren Jahren — lebhaft in Malczewski ab.
Die Ereignisse des Jahres 1811 riefen Malczewski unter die Fahnen des Vaterlandes. Der aufbrausende Jüngling, welcher Schule und Eltern unbedenklich verließ, mußte sich zwar gleichzeitig auch von Anna, der Tochter seines Oheims, der ersten schwärmerischen Liebe seines Herzens, trennen; allein er schmeichelte sich mit der Hoffnung, die Schwierigkeiten, die aus der Ungleichheit der Vermögensumstände entsprangen, zu beseitigen und aus dem Wege des Verdienstes die Hand Anna’s zu erhalten. Wie viele Gründe hatte er nicht, sich der neuen Laufbahn mit ganzer Seele hinzugeben! Die mathematischen Kenntnisse, die er sich in Krzemieniec erworben, waren ihm jetzt von wesentlichem Nutzen, und es ist leicht glaublich, daß er im Verlauf dieser Jahre sich als ein fähiger Ingenieur-Offizier unter dem Obersten Malet, dem späteren General Malecki, hervortat; es scheint sogar, daß er in den betreffenden Fachwissenschaften sich als Schriftsteller versucht habe. Sehr anziehend schildert Graf Roman Załuski, Malczewski’s Kriegsgefährte und Freund, des Dichters Leben und Persönlichkeit in dieser Periode: „Malczewski kam im Jahre 1812 nach Warschau. Bei einem ungemeinen Fonds von Kenntnissen — denn er tat sich ebenso in den strengen Wissenschaften, wie in literarischen Studien hervor — besaß Malczewski einen scharfen Verstand, lebhaften Witz, fröhlichen und geselligen Humor; und da er überdies, wie man zu sagen pflegt, ein hübscher Junge war, so nahmen die Warschauer Salons den jungen Offizier mit offenen Armen auf. Malczewski war von mittlerer Statur, aber von wunderbarem Ebenmaß des Körpers. Er hatte ein längliches Gesicht, eine leicht gebogene Adlernase, einen lächelnden Mund, eine hohe Stirn, weiße Gesichtsfarbe, dunkelblonde Haare und fast saphirblaue Augen von eigentümlich magnetischer Anziehungskraft. Der Verfasser der Maria besaß Alles, worauf die Welt Wert legt, Verstand, Witz, Jugend, Schönheit und Vermögen; denn obwohl sein Vater nicht eben reich war, so versorgte doch sein kinderloser Onkel, der General Malczewski — wohl ein anderer, als Anna’s Vater — den vielgeliebten Neffen reichlich mit Geld. Ein wahrhaftes Glückskind, warf sich Anton mit dem ganzen Feuer jugendlichen Leichtsinns in den verführerischen Wirbel der hohen Kreise der Hauptstadt. Von da an ist das Leben Malczewski’s ein fortwährender Roman: die Liebe weicht nicht mehr von ihm, bis sich über ihm der Sargesdeckel schließt.” — Im Jahre 1813 war er Adjutant bei dem General Kossecki und stand zu Modlin in Garnison, welche Festung vom russischen General Paskiewicz belagert wurde. Nach erfolgter Kapitulation kehrte er nach Warschau zurück. Darauf trat er in die neu errichtete polnische Armee, und wir finden ihn im Gefolge des Kaisers Alexander I. In diese Periode fällt das Duell mit seinem Freunde Błędowski, zu welchem ein Scherz desselben über die Liebschaften des Freundes Veranlassung gab. Dieses Duell machte damals viel Aufsehen. Malczewski, am Fuße verwundet und für den Augenblick dienstunfähig, zudem mißvergnügt über die rigoristische Strenge des Dienstes, bat um unbestimmten Urlaub, verkaufte, als er ihn erhalten, sein Erbgut, bezahlte seine Schulden und begab sich mit dem Rest seines Vermögens auf die Rundreise durch Europa.
Hiermit beginnt die dritte Periode seines Lebens vom Jahre 1816-21. Sein Gemüt, erschüttert durch die Täuschungen in Bezug auf den Ausgang sowohl der persönlichen schwärmerischen Erwartungen — Anna hatte einem Andern die Hand gereicht — als auch der Hoffnungen des Volkes, suchte Zerstreuung. Die Schweiz, Italien, Frankreich fesselten ihn; am längsten verweilte er, und zwar über ein Jahr, in Neapel im Hause des Fürsten Jabłonowski, der damals östreichischer Gesandter war. All die Orte und Ereignisse aber, die jetzt seine Bewunderung in Anspruch nahmen, konnten aus seiner Seele einen zaubervollen Gegenstand nicht verdrängen — die Geschichte und das Land der Heimat, die er in jüngeren und glücklicheren Jahren kennen gelernt hatte. Zu der wilden Erhabenheit der Alpengipfel, zu dem stillen Frieden ihrer Täler trat das ausgedehnte Steppenland der Ukraine, das der Wind dem Steppenrosse gleich durchtanzt, in einen wunderbaren Gegensatz. Natur wie Geschichte bedürfen ja stets, um ihre Reize zu offenbaren, einer verhältnismäßigen Entfernung, einer Perspektive. Die Empfindungen, deren er im Verlaufe dieser Zeit inne wurde, waren die Fruchtkeime der Schönheiten, die in der Maria ihre Blüte entfalteten. Ein schätzenswertes Andenken dieser Periode ist der Brief an den Professor Pictet in Genf über seine Ersteigung des Montblanc; derselbe war in der Bibliothèque universelle in französischer Sprache erschienen. Auch fallen in diese Zeit seine ersten schriftstellerischen Versuche: kleine — Erzählungen in Prosa, desgleichen Gedichte, poetische Episteln nach dem Muster Krasicki’s, der Warschauer Carneval (eine Satyre) und einige Akte einer unvollendeten Tragödie Helena, die indes an poetischem Werte alle hinter der Maria zurückstehen. Die lange Trennung von seinem Vaterlande weckte in ihm eine leidenschaftliche Sehnsucht nach demselben und, des schwelgerischen, geräuschvollen Lebens der großen Welt, dem er allzusehr gehuldigt hatte, überdrüssig, hoffte er in ländlicher Zurückgezogenheit Befriedigung und Muße zu poetischem Schaffen zu finden. So kehrte Malczewski um das Jahr 1821 in mehr als einer Beziehung verändert nach Warschau zurück. Sein Oheim, der General Malczewski, war unterdessen gestorben und hatte ihn zum Erben eingesetzt; aber statt der gehofften Million bekam er kaum einige Tausend Gulden. Er ergab sich mit Resignation in seine neue Lage und übernahm eine Pachtung in Volhynien, wo er sich mit Landwirtschaft und literarischen Arbeiten beschäftigte. Hier schuf er zum größten Teil die Maria und hier beginnt die letzte Episode seines Lebens, jene Liebe voll Fatalismus und Mystizismus, die ein der Feder eines Hoffmann würdiger Vorwurf wäre. Während er nämlich an der Maria arbeitete, besuchte er einen Verwandten, den Unter-Richter Ruciński. Er trifft den Wirt ganz in Bestürzung und hört im Nebenzimmer krampfhaftes Schreien. Ruciński bittet ihn um Entschuldigung seiner gepreßten Stimmung und erzählt ihm in wenigen Worten, daß seine Frau an einer jeder Kunst des Arztes Hohn sprechenden Nervenkrankheit darniederliege. Als das Stöhnen heftiger wird, verläßt der Gemahl den Gast und eilt der Kranken zu Hilfe. Malczewski, wie von einem fatalistischen Zuge hingerissen, geht ihm nach, aber kaum hat er die Türschwelle überschritten, als plötzlich das Schreien verstummt und das leidende Weib geschlossenen Auges mit süßer Stimme ruft: „Ach, wie wohl ist mir! mein Engel ist zu mir gekommen!” Diese Worte erschütterten Malczewski’s ganze Seele und — entschieden über sein künftiges Geschick. Malczewski glaubte fest an Mesmerismus und Magnetismus. Mit Hilfe jener unerklärlichen, oft geleugneten und doch durch den Erfolg bewährten Mittel heilte er in einigen Wochen seine Verwandte, welche sich bis zum Wahnsinn in ihn verliebte. Malczewski, um den ehelichen Frieden nicht zu stören, entfernte sich nächtlicher Weile und kehrte nach Hause zurück. Die Unglückselige aber verließ Mann und Kinder, erschien plötzlich während eines kalten Winters unter seinem Dache und wollte trotz Bitten und Vorstellungen nicht zurückreisen. Malczewski gab zuletzt nach. Sie blieben vereint und übersiedelten später nach Warschau, um die Scheidung der Entflohenen, welche sie in Volhynien nicht erlangen konnten, hier zu bewirken. Als Graf R. Załuski nach achtjähriger Trennung Malczewski zu jener Zeit in Warschau traf, erkannte er ihn kaum; so hatte er sich verändert! Krankheit und vielleicht auch Kummer hatten den Glanz des einst so schönen Gesichts verdunkelt, und Mangel, an Elend grenzend, war selbst in der Kleidung des ehemaligen Elegant der Warschauer Salons zu bemerken. Dieser Anblick ergriff das Herz des Freundes: er reichte dem armen Kameraden die helfende Hand, und auf seine Verwendung gab General Kossecki, damals Staatsministerial-Sekretär, dem Graf Załuski die Lage seines früheren Adjutanten schilderte, sogleich eine Stelle im Ministerium des Innern mit dem Gehalte von 6000 polnischen Gulden. Malczewski fing an sich seinen Berufspflichten zu widmen; leider nicht für lange. Seine Gefährtin konnte die tägliche mehrstündige Abwesenheit des Geliebten nicht ertragen; sie quälte ihn dergestalt mit Klagen und verfiel in so schreckliche Krämpfe, so oft er von Hause ins Bureau ging, daß der unglückliche Mann seinen Broterwerb aufgab, um — für sie im Elend zu leben und zu sterben! Für all’ die heißblutigen Jugendstreiche, zu denen ihn die Liebe getrieben hatte, büßte Malczewski bitter und schwer in und mit dieser letzten Liebe. Was für Szenen sich dort in der ärmlichen Wohnung eines Paares, das von einer Seite wohl nur krampfhafte Leidenschaft, von der andern vielleicht nur Abspannung oder Mitleid zusammenhielt, ist Geheimnis geblieben. Man kann indes, besonders im zweiten Gesange der Maria — die Malczewski in Warschau beendigte und einige Monate vor seinem Tode drucken ließ — einen Widerhall jenes schweren Grames finden (Vers 927 oder in der Klage des Knäbleins V. 665 ff). O, wie oft wollte vielleicht der arme Malczewski in jenen Augenblicken des Leidens der Verzweiflung entfliehen, und mußte doch den herben Kelch bis auf den Boden leeren! — Er starb den 2. Mai 1826. Ein schmerzvolles, krebsartiges Lungenübel hatte seinen Tod herbeigeführt.
Polen, sagt Goszczyński, heute voll von seinem Ruhm, sah dieses Licht nicht verlöschen! Kann man ihm deshalb zürnen? — Unter allen Warschauer Tagesblättern fand sich kaum ein Organ zur Veröffentlichung dieses Ereignisses. Der einzige Denkstein ist folgende Bekanntmachung im Warschauer Kurier v. 5. Mai 1826:
„Die hier anwesenden Freunde des Herrn Anton Malczewski seligen Andenkens waren bei der Beerdigung seiner sterblichen Überreste auf dem Powązki’schen Friedhofe versammelt, um ihm den letzten christlichen Liebesdienst zu erweisen.”
Przypisy:
1. Maria — Es dürfte für die Leser in manchem Betracht wünschenswert sein, die geschichtliche Tatsache, die gegenwärtiger Erzählung zu Grunde liegt, kennen zu lernen. Schon als stoffliche Unterlage eines Gedichtes, das der Pole zu den schönsten Zierden seiner Literatur zählt, wird die Kenntnis derselben für Alle von Interesse sein, welche das gestaltende und schaffende Talent des Dichters beurteilen wollen. Um hiebei einen falschen Standpunkt von vornherein abzuweisen, bemerke ich nur, daß Malczewski sowohl den Schauplatz, als auch die Zeit der Handlung, und zwar letztere wohl mindestens um ein Jahrhundert zurück, verlegt hat. Er bemächtigte sich der Erzählung von dem tragischen Schicksal der Gertruda Komorowska, wie sie im ganzen Polenland von Mund zu Mund ging und wie er sie als Knabe oft gehört hatte, mit dichterischer Freiheit und gestaltete sie nach seiner Intention zu dem um, was sie geworden. Sodann läßt uns die nackte Tatsache, an und für sich betrachtet, einen Blick in die damaligen Verhältnisse Polens tun, wenn auch jeder Verständige die Gräueltaten Einzelner nicht zu Merkmalen der ganzen Nation stempeln wird. Jch teile demnach die wahre Begebenheit, wie ich dieselbe den Klage-Acten des Grafen Komorowski gegen den Grafen Potocki (s. A. Malczewski, jego żywot i pisma, wydał A. Bielowski, Lwów 1843) entnommen habe, in Folgendem mit. Graf Jakob Komorowski, Castellan [Castellan, ursprünglich Festungskommandant, mit denselben Rechten, wie die Wojwoden; später bloßer Titel. — Starost: Schloßamtmann, Aufseher der königlichen Schlösser, mit richterlicher Gewalt. — Wojwode: Feldherr und Statthalter der einzelnen Landschaften.] von Santok, Starost von Nowesiolo, hatte eine Tochter, Gräfin Gertruda Komorowska, die, mit großer Sorgfalt erzogen, als aufblühende Jungfrau mit allen ihrem hohen Stande angemessenen Eigenschaften in seltenem Maße ausgerüstet erschien. Nachbarliche jahrelange Freundschaft mit dem Hause des Grafen Franz Potocki, Wojwoden von Kiew, gab dem Sohne des letztern, Grafen Stanislaus Potocki, Starosten von Belz, Gelegenheit, Gertruda näher kennen zu lernen. Beide entbrannten für einander in heftiger Liebe, und der junge Graf hielt bald förmlich um die Hand der Auserwählten an. Graf Komorowski lehnte zwar seine Bewerbung nicht ab, ersuchte ihn aber zunächst seine Eltern von der getroffenen Wahl zu verständigen. Stanislaus tat dies nicht; im Gegenteil, er erklärte mit Entschiedenheit, daß er bei aller Pietät gegen seine Eltern gerade in dieser Angelegenheit ganz allein seiner Neigung, seinem freien Entschlusse folgen werde, versicherte aber zugleich auf das bündigste, daß aus diesem Schritte weder für ihn, noch für die Familie Komorowski irgendwelches Unheil erwachsen solle. Graf Komorowski, der den finstern hochmütigen Charakter des Wojwoden von Kiew kannte, zog indes das Verhältnis absichtlich in die Länge, teils um die Standhaftigkeit der Liebenden zu prüfen, teils um sich die Gewißheit zu verschaffen, ob der Wojwode die Absicht seines Sohnes kenne und seine Wahl billige. Vermittelnde Schritte zu tun, um ein Verständnis anzubahnen, fand er sich um so weniger veranlaßt, als seine Tochter dem jungen Grafen vollkommen ebenbürtig war. Unmerklich trat zwischen beiden Familen eine Spannung ein, ja, der freundschaftliche Verkehr wurde endlich geradezu abgebrochen. So verging ein halbes Jahr: die Liebe bestand die Feuerprobe der Geduld, und da Graf Komorowski während der Zeit die verbürgtesten Nachrichten erhalten hatte, daß der Wojwode vom Stand der Dinge genaue Kunde, eine Abneigung gegen die beabsichtigte Verbindung aber nicht gezeigt habe, so gab er endlich den Bitten der Liebenden nach, die Verlobung fand am 28. Dezember d. J. 1770 statt und nach einigen Wochen wurde die feierliche, öffentliche Trauung vollzogen. So gemessen und ehrenwert das Verhalten des Grafen Komorowski in der ganzen Sache auch gewesen, so unheilschwanger war doch dieser letzte Schritt für ihn und seine Tochter. Kaum hatte nämlich der Wojwode die wirklich erfolgte Vermählung seines Sohnes in Erfahrung gebracht, als er wider alles Erwarten in den heftigsten Zorn geriet und diesen an seinem Sohne sowohl wie an dessen Freunden ausließ. Um aber den Plan, welchen die Rache ihm eingegeben, nicht zu verraten, änderte der hochmütige Schlaukopf sofort sein Betragen, er nahm die Miene des Versöhnten an und gab sich alle Mühe, seinen Sohn über das Vorgefallene zu beruhigen. Um jedem Verdacht vorzubeugen, zeigte er dem Grafen Stanislaus, der übrigens wie ein Gefangener gehalten wurde, einen eigenhändigen Brief, in welchem er die Familie des Castellans zu sich lud, und befahl ihm zugleich einen ähnlichen Brief an seine Frau zu schreiben, mit der dringenden Bitte zu ihm zu kommen. Darauf schickte er einen seiner Hofdiener, Namens Wilczek, in einem sechsspännigen Wagen mit dem Briefe des jungen Grafen ab. Der Castellan, insgeheim durch seinen Schwiegersohn gewarnt, schöpfte aber Verdacht und hielt seine Tochter zurück. Da auf diese Art dem Wojwoden der listige Plan, seine Schwiegertochter in eine Falle zu locken, mißlungen war, so entsandte er einen zweiten Boten mit dem andern von seiner eignen Hand geschriebenen Briefe, worin er den Castellan sammt Familie auf das freundlichste ersuchte, die letzten Faschingstage bei ihm zuzubringen. (Damit beginnt unsere Erzählung. In Nr. 1, 2 und 3 wird der Ritt des Kosaken durch die Steppe, in Nr. 13 die Ankunft desselben und in Nr. 14 die Wirkung seiner Botschaft geschildert.) Nun erst entschloß sich der Castellan der Einladung Folge zu leisten, und er tat es um so lieber, als er zuversichtlich hoffte, seine freundschaftliche Zuvorkommenheit und die mündliche Auseinandersetzung seines bisherigen Verhaltens werde auch den heftigsten Zorn besänftigen. Nachdem er nämlich zuvor seine kranke Frau auf sein Gut Nowesiolo bei Lemberg begleitet, hatte er sich auf den Weg zum Wojwoden gemacht, gleichzeitig aber einen seiner Hofdiener vorausgeschickt um sich anmelden zu lassen. Dieser, kaum zu Christianopol, dem damaligen Anfenthaltsorte des Wojwoden angekommen, wurde von dessen Dienern überfallen; es gelang ihm jedoch zu entkommen, und er kehrte eiligst zurück, seinem Herrn das Geschehene mitzuteilen. Daraufhin hielt der Castellan es nicht für geraten seinen Weg fortzusetzen, sondern kam nach Nowesiolo zu seiner Familie zurück. Am zweiten Tage nach seiner Rückkehr — es war am 13. Februar 1771 Abends 10 Uhr — überfiel ein Haufe bewaffneter Männer sein Haus, überwältigte die Wache und umzingelte seine Wohnung derart, daß kein Weg zur Flucht übrigblieb. Einige von ihnen, die sich vermummt und ihre Gesichter geschwärzt hatten, stürzten mit durchdringendem Geschrei ins Schlafgemach, wo der Castellan mit Frau und Tochter am Tische saß, und schossen ihre Gewehre auf die Anwesenden ab, trafen jedoch niemand. Hierauf bemächtigten sie sich gewaltsam Gertrudas, schleppten sie hinaus, luden sie auf einen Schlitten und fuhren in größter Eile davon, ohne von den nachsetzenden Verfolgern eingeholt zu werden. Kurz darauf gab der junge Graf vor einem Geistlichen die Erklärung ab, daß er den ehelichen Bund mit Gertrude zu lösen wünsche und um Scheidung bitte. Unterdessen lebte Graf Komorowski in der größten Besorgnis um seine Tochter, da alle Nachforschungen nach ihr vergebens waren, bis endlich die grauenvolle Gewißheit sich herausstellte, daß Gertruda das Opfer der Rache des Wojwoden geworden sei. Jene Sendlinge hatten ihr den Mund so fest zugeknebelt, daß sie erstickte, worauf sie den Leichnam in der Gegend von Jastrzębica in einen Arm des Bug warfen. [przypis tłumacza]
2. Julian Ursyn Niemcewicz — einer der ausgezeichnetsten polnischen Gelehrten und Staatsmänner, geboren 1757 zu Skoki in Litauen, diente anfangs im litauischen Heere, das er im J. 1788 mit dem Range eines Majors verließ, und wurde zum Landboten für den Reichstag v. J. 1788-92 gewählt. Bei dieser Gelegenheit redigirte er die Gazeta narodowa. Die Anhänger Rußlands erwirkten seine Verbannung, aus der ihn die Insurrection von 1794 zurückrief. Er wurde Adjutant des Kościuszko und kam mit diesem nach der Schlacht von Maciejowice in die russische Gefangenschaft nach Petersburg, wo ihm Kaiser Paul die Freiheit wiedergab. Er ging nun mit Kościuszko nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, lebte dort in dem Hause Washingtons und heiratete eine Amerikanerin. 1807 kehrte er nach Polen zurück, wurde da Senatssekretär und Castellan, beschäftigte sich aber meist mit den Wissenschaften. Im J. 1830 war er Mitglied des Administrationsrates, und als die Insurrection unglücklich endete, ging er nach Paris. Auch hier war er literarisch tätig. Er starb daselbst am 21. Mai 1841 und wurde in dem Dorfe Montmorenci neben dem General Knieczewicz begraben. — Er schrieb viele ausgezeichnete Werke, die gesammelt in 12 Bänden (Leipzig 1840) erschienen sind. [przypis tłumacza]
3. Johann Kochanowski — studierte zu Padua und kehrte, nachdem er die mittäglichen Länder von Europa besucht hatte, mit einem Schatze von Kenntnissen bereichert, in sein Vaterland zurück. Hier widmete er sich in ländlicher Muße der Dichtkunst. Er starb 1584. Er gilt allgemein als Vater der polnischen Poesie. [przypis tłumacza]
4. ukrain’scher — Die Ukraine erstreckt sich im weiteren Sinne zu beiden Seiten des Dniepr von SW nach NO in einer Länge von 70 und einer Breite von 20-30 Meilen. Sie war vom 16.-18. Jahrhundert der Zankapfel zwischen Polen, Russen und Türken. Nachdem sich ein Teil ihrer Bewohner an Rußland angeschlossen, wurden diese nun Grenzwächter der Moskowiter gegen das polnische Klein-Rußland wie gegen die Türkei, und in Moskau nannte man sie deshalb u kraina, d. i. die an der Grenze. Die Ukraine erstreckt sich im weiteren Sinne zu beiden Seiten des Dniepr von SW nach NO in einer Länge von 70 und einer Breite von 20-30 Meilen. Sie war vom 16.-18. Jahrhundert der Zankapfel zwischen Polen, Russen und Türken. Nachdem sich ein Teil ihrer Bewohner an Rußland angeschlossen, wurden diese nun Grenzwächter der Moskowiter gegen das polnische Klein-Rußland wie gegen die Türkei, und in Moskau nannte man sie deshalb u kraina, d. i. die an der Grenze. [przypis tłumacza]
5. Windesbraut — Gebirgsketten dienen dem flachen Lande als schützender Mantel, solche hat aber die pontische Steppe nicht, daher braust hier der N– und NO-Wind mit seiner ganzen entfesselten Macht. Gebirgsketten dienen dem flachen Lande als schützender Mantel, solche hat aber die pontische Steppe nicht, daher braust hier der N– und NO-Wind mit seiner ganzen entfesselten Macht. [przypis tłumacza]
6. Klagelied — Die Kosaken haben eine ungemeine Vorliebe für Gesang; berühmt sind ihre dumki, Klagelieder, die mit ihren Mollklängen das Herz erweichen. [przypis tłumacza]
7. Wildnis — Nirgends in Europa wächst das Pferd wohl in einem natürlicheren Zustand auf, als auf der Steppe. Jeder große Steppenbesitzer hält eine Zuchtherde von Pferden, die auf seinem Gebiete nomadisieren. Eine solche Herde heißt Tabun und zählt oft gegen tausend Köpfe. Es ist eine Lust diese Kinder der Natur auf der unermeßlichen grauen Fläche ihr soziales Leben führen zu sehen, das fast ganz ihrer Selbstbestimmung überlassen bleibt. (Kohl.) [przypis tłumacza]
8. Czernomorer — Die czernomorischen oder czernomorslischen, d. i. Schwarzmeer-Kosaken hielten sich sonst an den Wasserfällen des Dniepr auf, bewohnen jetzt die Kubanische Steppe und dienen gegen die Czerkessen. [przypis tłumacza]
9. Steppensöhne — D. i. Kosak und sein Pferd. Ebenso Vers 18 und 19. D. i. Kosak und sein Pferd. Ebenso Vers 18 und 19. [przypis tłumacza]
10. Salz — Rußland bezieht sein eigenes Salz aus den großen Salzseen der Wolga-Steppen, aus den Limans Beßarabiens und der Krim. Das pontische Salz wird in großen Fässern auf mit Ochsen bespannten Wagen (maża) in das Innere des Landes verführt. Die Kosaken pflegen ihre Wagen nicht zu schmieren, u. z. aus dem eigentümlichen Grunde, um, wie sie sagen, nicht für Diebe gehalten zu werden. (S. M. Czaykowski powieści kosackie.) [przypis tłumacza]
11. Vogel — Zahllose Tiere, besonders Vögel, beleben die unermeßliche, einförmige Steppe. Geier und Adler schweben hoch in den Lüften und umkreisen den Wanderer. (Kohl.) [przypis tłumacza]
12. Grabhügel. — Dieselben, mogiły, Kurgane, sind von der Donau an durch die weiten Steppen bis nach China verbreitet. Sie bilden die Grabstätten der früheren nomadischen Bewohner des Landes und zeichnen sich durch die große Regelmäßigkeit ihrer Kegelform ans. Die Basis eines solchen Mongolenhügels, wie er auch genannt wird, bildet einen Kreis von 180 Schritt, die Höhe beträgt 18 Fuß. Czaykowski sagt, daß die feindlichen Tatarenhorden auch solche Hügel am Wege aufzuwerfen pflegten, um bei der Rückkehr durch die endlose Steppe sichere Merkzeichen zu haben. [przypis tłumacza]
13. Text — Noch heute hört der Kleinrusse, der sich vom Großrussen wesentlich unterscheidet, nichts lieber, als die Gesänge von den Taten und der Freiheit seiner Väter. (Kohl.) [przypis tłumacza]
14. Schlünden — In Rußland finden sich fast in jedem kleinen Dorfe des Steppengebiets Quellen oder Brunnen, die für bodenlos tief gehalten werden, zugleich ist jeder dieser Abgründe durch irgend eine anßerordentliche Sage berühmt und wird nach dem Glauben der Leute zu Zeiten von Geistern bewacht. (Malczewski) [przypis tłumacza]
15. Jar — Regenschlucht, Hohlweg, siehe Anmerkung zu V. 157. [przypis tłumacza]
16. Vampir — poln. upior, Blut- oder Menschensauger, ein gespenstisches Gebilde des Volksaberglaubens, wonach ein Verstorbener aus dem Grabe aufsteht, die Menschen im Schlafe überfällt und ihnen das Blut aussaugt. Schon bei den Alten findet sich dieser Glaube und ist noch heute in vielen europäischen Ländern, wie in Serbien, Ungarn, Schottland u. a. verbreitet. Vor ganz kurzer Zeit kam in einem Dorfe Galiziens ein Fall vor, welcher beweist, wie tief derselbe noch im Volke wurzelt. Auch wurde er von Byron zu einem Gedicht, von Marschner zu einer Oper benützt. poln. upior, Blut- oder Menschensauger, ein gespenstisches Gebilde des Volksaberglaubens, wonach ein Verstorbener aus dem Grabe aufsteht, die Menschen im Schlafe überfällt und ihnen das Blut aussaugt. Schon bei den Alten findet sich dieser Glaube und ist noch heute in vielen europäischen Ländern, wie in Serbien, Ungarn, Schottland u. a. verbreitet. Vor ganz kurzer Zeit kam in einem Dorfe Galiziens ein Fall vor, welcher beweist, wie tief derselbe noch im Volke wurzelt. Auch wurde er von Byron zu einem Gedicht, von Marschner zu einer Oper benützt. [przypis tłumacza]
17. Granit — Süd-Rußland ruht zum größten Teil auf der mächtigen Granitplatte, welche das schwarze Meer umgürtet. Dieselbe zwingt den Dniepr und Bug (Boh), sich eine Strecke weit an ihrem Rande zu halten und drängt ihnen immer neue Riffe entgegen. Auf diese Weise entstehen die berühmten Wasserfälle (Porogen), deren der Dniepr sieben zählt. — Naturschilderung (V. 39 u. 41) und Erzählung (V. 40 u. 42) laufen parallel neben einander fort ohne gegenseitige Beziehung. [przypis tłumacza]
18. bodiaki od. budiaki — eine Art Disteln, bedecken ungeheure Strecken der Ukraine. Sie blühen dunkel-rosarot. [przypis tłumacza]
19. sumak — eine Gattung außerordentlich schneller und leichtfüßiger Gazellen, findet sich bloß auf den großen Steppen der Ukraine (Czayk. pow. kos.). Es kann dies wohl keine andere sein, als Antilope Saiga, die vom östlichen Polen bis nach Asien herdenweise oft zu Tausenden die Steppe bewohnt. [przypis tłumacza]
20. Sattelsitz — Der Kosakensattel (kula, eigentl. Sattelknopf) besteht aus einem weichen, runden Kissen sammt Steigbügeln, das hoch empor gepolstert ist, weil der Kosak alle seine Beute, Kleider etc. darunter verwahrt, daher wird der Sitz des Kosaken zu Pferde viel höher als im gewöhnlichen Sattel. [przypis tłumacza]
21. alter Ungarwein —Alter Ungarwein war von jeher ein Lieblingsgetränk der Polen. Czaykowski erzählt, selbst Flaschen solchen Weines gesehen zu haben, die über 150 Jahr alt, ganz mit Moos bewachsen waren und eine viereckige Gestalt angenommen hatten. [przypis tłumacza]
22. Musik — Die Kosaken haben wie die Zigeuner eine hervorstechende Neigung und ein eigentümlich ausgeprägtes Talent für Instrumental-Musik. Wie in Thüringen versteht auch an den Ufern des mittlern Dniepr jeder Bauer Musik, und die Geige ist in aller Händen. (Kohl.) [przypis tłumacza]
23. Schrein — jaszczur, Schuppentier, Eidechse, steht wohl hier statt jaszczurowy pokrowiec also ein Futteral mit jaszczur-Haut überzogen. Eines solchen erwähnt Czaykowski (pow. kos. pag. 183), das als Überzug eines goldenen Bechers diente. [przypis tłumacza]
24. Berauschen — Der Ausdruck der Verzückung, welcher nur vielleicht darum in einem schönen Antlitz so hinreißend erscheint, weil er noch etwas schöneres ahnen läßt, ist über jede Beschreibung, die den Reiz des Sich-selbst-Vergessens fixieren wollte, erhaben, u. nur der Pinsel eines Raphael hat es vermocht ihn im Bilde der h. Cäcilia mit all jenem Zauber festzubannen, wie ihn wohl Niemand, außer in der Phantasie, erschaut hat. Auf diesem Gemälde ist die h. Cäcilia, welche die Musik über alles liebte, umgeben von musikalischen Instrumenten in dem Momente dargestellt, da die fernen Klänge der Harmonie der Sphären zu ihr gelangen, und es gebricht an Worten, welche dem Gefühl, von dem ihre ganze Gestalt ergriffen ist, zu entsprechen vermöchten. Es scheint, als ob ihre Seele auseinander- und wieder zusammenfließe bei jedem dieser süßen Töne, während die anmutigste Bescheidenheit störend mit dem Gedanken dazwischentritt, sie sei solch eines unnennbaren Glückes nicht wert, und inmitten der Seeligkeit, wie sie ihr Herz noch nicht gekannt, sich die Trauer einschleicht, daß die Freude an irdischer Musik nun für sie nicht mehr vorhanden sei. In der ganzen Komposition des Bildes herrscht die größte Einfachheit, ja, das Gesicht der Cäcilia ist sogar weniger schön, als die Frauengesichter aus anderen Bildern dieses Malers, nur der Gedanke des Genius leuchtet seit Jahrhunderten von dieser kostbaren Leinwand und fesselt mit unbeschreiblichem Reize an sich. Dieses Gemälde befindet sich in Bologna und wird von Kennern in die Reihe der berühmtesten von Raphael gesetzt; was aber seinen Ausdruck anbelangt, so ist es, auch nach meiner Ansicht, das schönste, das die Malerei hervorgebracht hat. (Malczewski) — Vergl. Goethe, Ital. Reise. Bologna.) [przypis tłumacza]
25. Schluchten — Eine eigentümliche Erscheinung der Steppe sind die Regenschluchten, die das Regenwasser im Laufe der Zeiten auf seinem Wege zu irgend einem Flusse ausgehöhlt hat. (Siehe V. 31.) Kohl. [przypis tłumacza]
26. Burzan — hochgewachsene Kräuter. [przypis tłumacza]
27. ranken — Die ukrainische Landschaft ist von dem Dichter durchgehends mit großer Naturwahrheit und mit meisterhaftem Pinsel gezeichnet. Um dem Schein von Widersprüchen zu begegnen (vgl. Anm. zu V. 861), bemerke ich hier ein für allemal, daß der Charakter des weiten Steppenlandes, das sich vom Fuße der Karpaten bis in das Innere von Asien erstreckt, ein sehr wechselnder ist. Die Strecke vom Don bis zu den Donaumündungen wird die gute Steppe genannt. Hier bedeckt die schwarze Ackerkrume den größten Teil des Bodens; aber Sträucher und Gebüsche kommen auch hier nur an den Ufern der Flüsse vor, weil dicht unter der Humusdecke eine Schicht Muschelkalk lagert, die jeden Baum, sobald seine Wurzeln dorthin gelangen, absterben macht. [przypis tłumacza]
28. Kronschwertträger — Hohe Beamte, welche den Fürsten das Reichsschwert vortrugen. [przypis tłumacza]
29. Früchte — Man kann bei englischen Dichtern viele schöne Vergleichungen mit diesen eigentümlichen Früchten lesen, welche an den Ufern des Asphalt-Sees (bekannt unter dem Namen des toten Meeres) wachsen sollen, z. B. «Like to the apples on the Dead Sea’s shore,/ All ashes to the taste.» Byron, Harold, Cant. III. «Like Dead Sea fruits, that tempt the eye,/ But turn to ashes on the lips.» Th. Moore, Lalla Rookh, 1.222. (Malczewski) [przypis autorski]
30. Reine — Vers 231 bis 232 Und weil (...) Reine — Dieser dem Geiste der christlichen Religion entsprechende Ausdruck ist vielleicht selbst in Bezug auf die Art und Weise nicht figürlich, in welcher sich dem Auge in einer bedeutenden Höhe die Schöpfungen des menschlichen Stolzes und Scharfsinnes, ja selbst die Schönheit der Natur, die zu schauen ihm vergönnt ist, darstellen. Als ich den Gipfel des Montblanc bestiegen, wo sich mir während zweistündigen Aufenthalts Gefühle erschlossen, wie ich sie gewiß nie wieder in meinem Leben erfahren werde, entschwand auf dem Wege dahin bei lebendigen Leibe meinen Augen und Sinnen das Stück Erde, über welches der Mensch gebietet, und erst von der Spitze aus konnte man die weißfarbigen Gegenstände und gerade diejenigen unterscheiden, welche er durch seinen Einfluß nicht zu verändern vermochte. So sahen die Seen von Genf, Neuenburg, Murten, Biel etc. aus, als wären es über Dämmerung ausgespannte Segel, während die an ihren Ufern stehenden Häuser, Städte, die Farben und der Schimmer, einen dunklen Nebel bildeten. Auf ähnliche Weise konnte man die Gletscher unterscheiden, während Wiesen, Wälder, ja selbst Berge von bedeutender Höhe, wenn auch niedern Ranges, in ihrem Umkreis in grauem Dunst ineinanderliefen. Gleichwohl gibt es nichts Prachtvolleres, Wilderes, als die Aussicht vom Montblanc; aber da sie durchaus verschieden ist von den bekannten Fernsichten, so kann man sich dieselbe nicht anders ausmalen, als indem man sich vorstellt, sie sei von irgend einem bösen oder guten Geist im Augenblick, als Gott das Chaos schuf, entführt worden. Alles Menschenwerk verschwindet durch seine Kleinheit; Tausende von Bergwiesen mit Granitgipfeln oder Schneeschilden, der fast schwarz gefärbte Himmel, die umdunkelte Sonne, der blendende Schneeglanz, die dünne Luft und, in Folge dessen, der kurze Atem und der schnelle Pulsschlag erfassen den Sterblichen mit übermenschlichen Gefühlen, und ich bin gewiß, daß, außer andern Ursachen, namentlich wegen des unermeßlichen Unterschiedes dieser wunderbaren Höhensicht von andern und wegen der Schwäche unserer Sinne, kein Mensch diesen Anblick lange zu ertragen im Stande wäre. Möge diese Erinnerung eines ungewöhnlichen Interesse, wie ich es auf jenem ungeheuern, abgesonderten Berggipfel empfunden, keinem unserer jungen Reiselustigen ein Anlaß, diese Reise zu unternehmen, sein. Der sehr großen Gefahren und Beschwerden nicht zu gedenken, die mit diesem Vorhaben notwendigerweise verbunden sind, hängt der glückliche Ausgang desselben auch noch von vielen Umständen ab, die nicht in unserer Macht liegen. Drei Tage schönes Wetter ohne die geringste Wolke und ohne allzu weichen Schnee sind hier fast eine nötigere Hilfe, als die geduldigste Ausdauer und die stärksten Lungen; ohne diese Bedingungen jedoch kann es nur zum Unheil ausschlagen, und es wäre der verderblichste Starrsinn nicht auf die Warnungen der Führer zu hören, welche überall in der Schweiz, und besonders in Chamouni, voll Mutes und gesunden Urteils sind. (Malczewski) [przypis autorski]
31. Speis — Wem das Bild nicht richtig scheint, der möge mit dem Dichter hadern! [przypis tłumacza]
32. Flut — Ich habe das Bild in der Übersetzung teils ergänzt, weil es sonst nicht verständlich wäre, teils gemildert, um den im Originaltext damit verbundenen widrigen Nebenbegriff zu beseitigen. [przypis tłumacza]
33. Heiligenbilde — Ich hatte Gelegenheit, eine in dieser Art eigentümliche Reliquie zu sehen. Auf einem türkischen Säbel, dessen Klinge der Länge nach mit Koransprüchen beschrieben war, war an dem Griffe das Bildnis der h. Jungfrau sammt einer poln. Inschrift in gotischen Buchstaben eingraviert. Dieser Säbel gehörte einem Engländer, der ihn in Italien käuflich an sich gebracht hatte; er hatte auf diese Art weite, und gewiß auch oft blutige Reisen vollendet. Schade nur, daß in der Inschrift weder das Jahr, noch der Name dessen, der ihn erbeutet, angegeben war. (Malczewski) [przypis autorski]
34. Freiheit — Kosak bezeichnet in Klein-Rußland eigentlich jeden Freigebornen, der nicht zum Adel gehört, und dieser Stand ist noch heutigen Tages im Gegensatz zum Moskowiterlande unter den Kleinrussen zahlreich vertreten. Während der Polenherrschaft, die besonders durch religiösen Druck sich verhaßt machte, verließen viele Kosaken die Heimat und gründeten in den Steppen zahlreiche kleine Freistaaten, an deren Spitze ein Hetmann stand. (Kohl.) Kosak bezeichnet in Klein-Rußland eigentlich jeden Freigebornen, der nicht zum Adel gehört, und dieser Stand ist noch heutigen Tages im Gegensatz zum Moskowiterlande unter den Kleinrussen zahlreich vertreten. Während der Polenherrschaft, die besonders durch religiösen Druck sich verhaßt machte, verließen viele Kosaken die Heimat und gründeten in den Steppen zahlreiche kleine Freistaaten, an deren Spitze ein Hetmann stand. (Kohl.) [przypis tłumacza]
35. czapka — die gewöhnliche Kopfbedeckung des Kosaken. Sie galt zugleich als Abzeichen (s. V. 387–8) [przypis tłumacza]
36. Würze — Über die Vorliebe unserer Vorfahren für gewürzhafte Zurichtung der Speisen kann man viele interessante Beschreibungen in der schätzenswerten und anziehenden Sammlung: Gedenkbücher über das alte Polen von Julian Niemcewicz, lesen. (Malczewski) [przypis autorski]
37. Wiara — (eigentlich: der Glaube, die christliche Religion) ist ein vielfach gebrauchter Anruf an eine Menge Volkes, besonders Soldaten, von derselben Kraft, wie der des Cäsar: Quirites! Er hat eine religiöse Färbung, und hängt mit dem Glauben zusammen, daß es Polens Bestimmung sei, das Christentum gegen das heidnische Morgenland zu verteidigen. (Vergl. V. 973, 1017, ferner den Pan Tadeusz von Mickiewicz zu Ende des dritten Buches). — Towarzystwo: schwer gerüstete, aus polnischem Adel bestehende, pancerni: leicht gerüstete Kürassiere. [przypis tłumacza]
38. Zweiter Gesang — Der zweite Gesang wird durch ein Zwiegespräch zwischen einem Knäblein und dem alten Diener des Kronschwertträgers eingeleitet. Dieses Knäblein, das hier plötzlich auftaucht und nachdem es seine Mission vollendet, mit Waclaw verschwindet (V. 1425), ist eines jener phantastisch-mystischen Wesen, wie sie bei phantasiereichen Dichtern nicht selten vorkommen. Es erinnert unwillkürlich an Goethes Mignon, und ist doch in den meisten Beziehungen ihre Kehrseite. Unverkennbar hat der Dichter ihm viele seiner eigenen Züge geliehen. [przypis tłumacza]
39. umzogen — eigentlich verdeckt, ich erinnere hiebei an das Goethe’sche Epigramm: «Diese Gondel vergleich ich der sanft einschaukelnden Wiege,/ Und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg.» [przypis tłumacza]
40. Lebensmächte — In der Posener Ausgabe steht władza, Macht, während in der neuesten von Turowski in der Poln. Bibliothek v. J. 1855 es wiedza, Wissen, Bewußtsein heißt. [przypis tłumacza]
41. ragt — eigentl. brennt. Nach dem Ritus der römisch-katholischen Kirche wird dem Sterbenden eine brennende geweihte Kerze in die Hand gegeben, die, sobald das Leben ausgehaucht worden, verlöscht wird. eigentl. brennt. Nach dem Ritus der römisch-katholischen Kirche wird dem Sterbenden eine brennende geweihte Kerze in die Hand gegeben, die, sobald das Leben ausgehaucht worden, verlöscht wird. [przypis tłumacza]
42. gąsior — eigentl. eine große, bauchige, lederne Flasche. [przypis tłumacza]
43. dzianet — ein Pferd edler Rasse. [przypis tłumacza]
44. Kriegessitte — Die Tataren hielten an der von Tamerlan eingeführten Kampfweise fest, und diese nannten unsre Voreltern den tatarischen Tanz. Czacki über lith. u. poln. Gesetze. (Malczewski) [przypis autorski]
45. Kohl — schreibt über die Ukraine: «Das ist in der Tat ein prächtiges Land! Reich bewässert, von schwarzer, tiefer und fetter Ackerkrume überzogen, trägt es die ergiebigsten Ackerfelder, die blumenreichsten Wiesen und die schönsten Laubwälder, in denen ehrwürdige Eichen mit Ulmen, besonders aber mit wilden Apfelbäumen abwechseln. Die Dörfer selbst liegen in einem dichten Kirschgebüsch. An und für sich eben und der Steppe ähnlich, erhält die Ukraine durch die zahlreichen fließenden Gewässer, die sich in dem tiefen Boden breite und unregelmäßige Betten gewühlt haben, das Ansehen eines mannigfach wechselnden Hügellandes.« [przypis tłumacza]
46. Wohl wissend — leiten. — Diese Steppen sind mit hohem Grase bedeckt, durch das man nicht reiten kann, ohne es niederzutreten. Um daher den Weg und die Spuren unkenntlich zu machen, bedienen sich die Tataren folgendes Auskunftsmittels. Angenommen, es wären ihrer vierhundert, so sondern sich diese in vier Teile zu je hundert ab. Der erste Teil geht gegen Abend, der zweite gegen Morgen, der dritte gegen Mittag, der vierte gegen Mitternacht zu. Nachdem jeder Trupp anderthalb Meilen zurückgelegt hat, teilt er sich wieder in vier Abteilungen, schreitet weiter vor und teilt sich abermals, so daß am Ende nur etwa zehn oder elf in einer Schaar sich befinden. Alle reiten in hurtigem Trabe; werden sie bemerkt, so flieht jeder Haufe nach seiner Richtung hin, und sie treffen dabei so genau den Weg durch die Steppe und gelangen so gewiß zu dem bestimmten Orte, daß der geschickteste Segler mit seinem Kompaß nicht besser steuern könnte. Wenn die ihnen nachsetzenden Kosaken auf das Labyrinth der von ihnen getretenen Pfade stoßen, wissen sie nicht, nach welcher Seite sie ihnen nachjagen sollen. J. Niemcewicz, Gedenkbücher Bd. 3. (Malczewski) [przypis autorski]
47. Disteln — S. Anm. zu V. 43. [przypis tłumacza]
48. Sind — durchzittert — Die Grenzen unserer geistigen Vermögen sind zweifels ohne außerordentlich enge im Verhältnis zu der Unendlichkeit, welche uns umgibt; aber wenn wir das, was wir nicht begreifen können für unmöglich halten und überhaupt nur schwer und nur wenig begreifen, so gleichen wir fast jenem Skeptiker der Komödie, der nur deshalb glaubte, daß er lebe, weil er sich jeden Augenblick betasten konnte. Ich will, um obige zwei Verse zu rechtfertigen, hier nicht des Langen und Breiten reden, wie es möglich sei, daß Leute zuweilen künftige und entfernte Ereignisse vorhergesehen haben oder ob eine unglückliche Ahnung nicht gerade deshalb in Erfüllung geht, weil wir daran glauben; ich will keine bekannten Beispiele aus alter oder neuer Geschichte anführen, ich will bloß eines besondern und uns nahe berührenden Falles gedenken, an den sich ein für das Land nicht genug zu bedauernder Verlust knüpft. Der berühmte Taddäus Czacki, ein Mann von ungewöhnlich reichem Wissen, seltener noch durch seine uneigennützige Aufopferung für das allgemeine Wohl, dessen Andenken in so vielen Herzen durch die tiefe Verehrung und den reinsten Dank gegen ihn fortlebt — erklärte oft seinen Freunden, daß er von den wichtigeren Ereignissen seines Lebens stets im Voraus durch eine Ahnung Kenntnis gehabt; sogar seinem Tode ging eine unerklärliche Warnung vorher. Einige Tage vor seiner kurzen Krankheit und vor seinem Verscheiden versicherte er seinen Hausbewohnern, daß es ihm scheine, als wenn er in seinem Schlafzimmer seinen Freund und Verwandten, den General Karwicki sähe, wie er sterbe und ihn zu sich rufe. Wie wunderbar und schrecklich gingen diese Worte in Erfüllung, als nach einigen Tagen die Nachricht von dem Tode des viele Meilen entfernt wohnenden Generals ankam und in Kurzem auch Czacki dem Rufe seines Freundes folgte. Aber wie kann man ähnliche Erzählungen glauben ohne dem Antlitz, das den Ausdruck kalter Überlegung hat, ein Lächeln zu entlocken? Man muß sich vom Physiker u. Metaphysiker erst die Erlaubnis dazu erbitten, denen man wohl mit Shakespeare zurufen könnte: «Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als eure Schulphilosophie sich träumen läßt.« (Malczewski) [przypis autorski]
49. Schleier — im Original: den Boden der Zukunft. Es schien mir dieser Ausdruck zu ungewöhnlich, weshalb ich ihn mit vorstehendem Bilde vertauscht habe. [przypis tłumacza]
50. Hügel — s. Anm. zu V. 861. [przypis tłumacza]
51. wiara — s. Anm. zu V. 620. [przypis tłumacza]
52. Halbkreis — Die Tataren treffen gern auf ebenem Felde zum Kampfe zusammen und stellen ihre Regimenter in bogenförmiger Schlachtordnung, von den Rittersleuten gewöhnlich der Marstanz genannt, auf, und beim ersten Zusammenstoß entsenden sie ihre Pfeile so dicht, wie den dichtesten Hagel. Kronika Gwagnina. — Die Tataren, die nach gewohntem Tanz in halbmondförmig gekrümmter Schlacht Ordnung standen, zerstreuten sich nach verschiedenen Seiten. Kronika Mac. Strykowskiego. (Malczewski) [przypis autorski]
53. Natterngifte — Die Tataren tränken ihre Pfeile mit Natterngift. Paszkowski dzieje tureckie. (Malczewski) [przypis autorski]
54. heißerkämpft — im Original: bestaubt. [przypis tłumacza]
55. kołpak — eine hohe Mütze,/ wie die der Haiduken und Husaren. [przypis tłumacza]
56. Drab, ein Fußsoldat. (Malczewski) [przypis autorski]
57. Weiber — Vermutlich sind hier alte Mütterchen, «kluge Frauen« gemeint, die sich mit Quaksalberei beschäftigten und deren Hilfe auch jetzt noch vom abergläubischen Volke mehr oder weniger in Anspruch genommen wird. [przypis tłumacza]