FÜNFTER AUFTRITT

Die ZWEITE MAGD tritt auf. Die VORIGEN.

ZWEITE MAGD

Gruß von Frau Küsterinn, Herr Richter Adam;

So gern sie die Perück’ euch auch —

ADAM

Wie? Nicht?

ZWEITE MAGD

Sie sagt, es wäre Morgenpredigt heute;

Der Küster hätte selbst die eine auf,

Und seine andre wäre unbrauchbar,

Sie sollte heut zu dem Perückenmacher.

ADAM

Verflucht!

ZWEITE MAGD

Sobald der Küster wieder kömmt,

Wird sie jedoch sogleich euch seine schicken.

ADAM

Auf meine Ehre, gnäd’ger Herr —

WALTER

Was giebt’s?

ADAM

Ein Zufall, ein verwünschter, hat um beide

Perücken mich gebracht. Und jetzt bleibt mir

Die dritte aus, die ich mir leihen wollte:

Ich muß kahlköpfig den Gerichtstag halten.

WALTER

Kahlköpfig!

ADAM

Ja, beim ewigen Gott! So sehr

Ich ohne der Perücke Beistand um

Mein Richteransehn auch verlegen bin.

— Ich müßt’ es auf dem Vorwerk noch versuchen,

Ob mir vielleicht der Pächter —?

WALTER

Auf dem Vorwerk!

Kann jemand anders hier im Orte nicht —?

ADAM

Nein, in der That —

WALTER

Der Prediger vielleicht.

ADAM

Der Prediger? Der —

WALTER

Oder Schulmeister.

ADAM

Seit der Sackzehnde abgeschafft, Ew. Gnaden,

Wozu ich hier im Amte mitgewirkt,

Kann ich auf beider Dienste nicht mehr rechnen.

WALTER

Nun, Herr Dorfrichter? Nun? Und der Gerichtstag?

Denkt ihr zu warten, bis die Haar’ euch wachsen?

ADAM

Ja, wenn ihr mir erlaubt, schick’ ich auf’s Vorwerk.

WALTER

— Wie weit ist’s auf das Vorwerk?

ADAM

Ei! Ein kleines

Halbstündchen.

WALTER

Eine halbe Stunde, was!

Und Eurer Sitzung Stunde schlug bereits.

Macht fort! Ich muß noch heut nach Hussahe.

ADAM

Macht fort! Ja —

WALTER

Ei, so pudert euch den Kopf ein!

Wo Teufel auch, wo ließt ihr die Perücken?

— Helft euch so gut ihr könnt. Ich habe Eile.

ADAM

Auch das.

DER BÜTTEL

tritt auf.

Hier ist der Büttel!

ADAM

Kann ich inzwischen

Mit einem guten Frühstück, Wurst aus Braunschweig,

Ein Gläschen Danziger etwa —

WALTER

Danke sehr.

ADAM

Ohn’ Umständ’!

WALTER

Dank’, ihr hört’s, hab’s schon genossen.

Geht ihr, und nutzt die Zeit, ich brauche sie,

In meinem Büchlein etwas mir zu merken.

ADAM

Nun, wenn ihr so befehlt — Komm, Margarethe!

WALTER

— Ihr seid ja bös’ verletzt, Herr Richter Adam.

Seid ihr gefallen?

ADAM

— Hab’ einen wahren Mordschlag

Heut früh, als ich dem Bett’ entstieg, gethan:

Seht, gnäd’ger Herr Gerichtsrath, einen Schlag

Ins Zimmer hin, ich glaubt’ es wär’ ins Grab.

WALTER

Das thut mir leid. — Es wird doch weiter nicht

Von Folgen sein?

ADAM

Ich denke nicht. Und auch

In meiner Pflicht soll’s weiter mich nicht stören. —

Erlaubt!

WALTER

Geht, geht!

ADAM

zum Büttel.

Die Kläger rufst du — Marsch!

Adam, die Magd und der Büttel ab.