SECHSTER AUFTRITT
FRAU MARTHE, EVE, VEIT und RUPRECHT treten auf. — WALTER und LICHT im Hintergrunde.
FRAU MARTHE
Ihr krugzertrümmerndes Gesindel, ihr!
Ihr sollt mir büßen, ihr!
VEIT
Sei sie nur ruhig,
Frau Marth’! Es wird sich Alles hier entscheiden.
FRAU MARTHE
O ja. Entscheiden. Seht doch. Den Klugschwätzer.
Den Krug mir, den zerbrochenen, entscheiden.
Wer wird mir den geschied’nen Krug entscheiden?
Hier wird entschieden werden, daß geschieden
Der Krug mir bleiben soll. Für so’n Schiedsurtheil
Geb’ ich noch die geschied’nen Scherben nicht.
VEIT
Wenn sie sich Recht erstreiten kann, sie hört’s,
Ersetz’ ich ihn.
FRAU MARTHE
Er mir den Krug ersetzen.
Wenn ich mir Recht erstreiten kann, ersetzen.
Setz’ er den Krug mal hin, versuch’ er’s mal,
Setz’ er’n mal hin auf das Gesims! Ersetzen!
Den Krug, der kein Gebein zum Stehen hat,
Zum Liegen oder Sitzen hat, ersetzen!
VEIT
Sie hört’s! Was geifert sie? Kann man mehr thun?
Wenn Einer ihr von uns den Krug zerbrochen,
Soll sie entschädigt werden.
FRAU MARTHE
Ich entschädigt!
Als ob ein Stück von meinem Hornvieh spräche.
Meint er, daß die Justiz ein Töpfer ist?
Und kämen die Hochmögenden und bänden
Die Schürze vor, und trügen ihn zum Ofen,
Die könnten sonst was in den Krug mir thun,
Als ihn entschädigen. Entschädigen!
RUPRECHT
Laß er sie, Vater. Folg’ er mir. Der Drache!
S’ ist der zerbrochne Krug nicht, der sie wurmt,
Die Hochzeit ist es, die ein Loch bekommen,
Und mit Gewalt hier denkt sie sie zu flicken.
Ich aber setze noch den Fuß Eins drauf:
Verflucht bin ich, wenn ich die Metze nehme.
FRAU MARTHE
Der eitle Flaps! Die Hochzeit ich hier flicken!
Die Hochzeit, nicht des Flickdrahts, unzerbrochen
Nicht Einen von des Kruges Scherben werth.
Und stünd’ die Hochzeit blankgescheuert vor mir,
Wie noch der Krug auf dem Gesimse gestern,
So faßt’ ich sie beim Griff jetzt mit den Händen,
Und schlüg’ sie gellend ihm am Kopf entzwei,
Nicht aber hier die Scherben möcht’ ich flicken!
Sie flicken!
EVE
Ruprecht!
RUPRECHT
Fort du —!
EVE
Liebster Ruprecht!
RUPRECHT
Mir aus den Augen!
EVE
Ich beschwöre dich.
RUPRECHT
Die Lüderliche —! Ich mag nicht sagen, was.
EVE
Laß mich ein einz’ges Wort dir heimlich —
RUPRECHT
Nichts!
EVE
— Du gehst zum Regimente jetzt, o Ruprecht,
Wer weiß, wenn du erst die Muskete trägst,
Ob ich dich je im Leben wieder sehe.
Krieg ist’s, bedenke, Krieg, in den du ziehst:
Willst du mit solchem Grolle von mir scheiden?
RUPRECHT
Groll? Nein, bewahr’ mich Gott, das will ich nicht.
Gott schenk’ dir so viel Wohlergehn, als er
Erübrigen kann. Doch kehrt ich aus dem Kriege
Gesund, mit erzgegoßnem Leib zurück,
Und würd’ in Huisum achtzig Jahre alt,
So sagt ich noch im Tode zu dir: Metze!
Du willst’s ja selber vor Gericht beschwören.
FRAU MARTHE
zu Eve.
Hinweg! Was sagt’ ich dir? Willst du dich noch
Beschimpfen lassen? Der Herr Corporal
Ist was für dich, der würd’ge Holzgebein,
Der seinen Stock im Militair geführt,
Und nicht dort der Maulaffe, der dem Stock
Jetzt seinen Rücken bieten wird. Heut ist
Verlobung, Hochzeit, wäre Taufe heute,
Es wär’ mir recht, und mein Begräbniß leid’ ich,
Wenn ich dem Hochmuth erst den Kamm zertreten,
Der mir bis an die Krüge schwillet.
EVE
Mutter!
Laßt doch den Krug! Laßt mich doch in der Stadt versuchen,
Ob ein geschickter Handwerksmann die Scherben,
Nicht wieder euch zur Lust zusammenfügt.
Und wär’s um ihn geschehn, nehmt meine ganze
Sparbüchse hin, und kauft euch einen neuen.
Wer wollte doch um einen irdnen Krug,
Und stammt er von Herodes Zeiten her,
Solch einen Aufruhr, so viel Unheil stiften.
FRAU MARTHE
Du sprichst, wie du’s verstehst. Willst du etwa
Die Fiedel tragen, Evchen, in der Kirche
Am nächsten Sonntag reuig Buße thun?
Dein guter Name lag in diesem Topfe,
Und vor der Welt mit ihm ward er zerstoßen,
Wenn auch vor Gott nicht, und vor mir und dir.
Der Richter ist mein Handwerksmann, der Schergen,
Der Block ist’s, Peitschenhiebe, die es braucht,
Und auf den Scheiterhaufen das Gesindel,
Wenn’s unsre Ehre weiß zu brennen gilt,
Und diesen Krug hier wieder zu glasiren.