SIEBENTER AUFTRITT

ADAM im Ornat, doch ohne Perücke, tritt auf. Die VORIGEN.

ADAM

für sich.

Ei, Evchen. Sieh! Und der vierschröt’ge Schlingel,

Der Ruprecht! Ei, was Teufel, sieh! die ganze Sippschaft!

— Die werden mich doch nicht bei mir verklagen?

EVE

O liebste Mutter, folgt mir, ich beschwör’ euch,

Laßt diesem Unglückszimmer uns entfliehen!

ADAM

Gevatter! Sagt mir doch, was bringen die?

LICHT

Was weiß ich? Lärm um nichts; Lappalien.

Es ist ein Krug zerbrochen worden, hör’ ich.

ADAM

Ein Krug! So! Ei! — Ei, wer zerbrach den Krug?

LICHT

Wer ihn zerbrochen?

ADAM

Ja, Gevatterchen.

LICHT

Mein Seel, setzt euch: so werdet ihr’s erfahren.

ADAM

heimlich.

Evchen!

EVE

gleichfalls.

Geh er.

ADAM

Ein Wort.

EVE

Ich will nichts wissen.

ADAM

Was bringt ihr mir?

EVE

Ich sag’ ihm, er soll gehn.

ADAM

Evchen! Ich bitte dich! Was soll mir das bedeuten?

EVE

Wenn er nicht gleich —! Ich sag’s ihm, laß er mich.

ADAM

zu Licht.

Gevatter, hört, mein Seel, ich halt’s nicht aus.

Die Wund’ am Schienbein macht mir Übelkeiten;

Führt ihr die Sach’, ich will zu Bette gehn.

LICHT

Zu Bett —? Ihr wollt —? Ich glaub’, ihr seid verrückt.

ADAM

Der Henker hol’s. Ich muß mich übergeben.

LICHT

Ich glaub, ihr ras’t, im Ernst. So eben kommt ihr —?

— Meinethalben. Sagt’s dem Herrn Gerichtsrath dort.

Vielleicht erlaubt er’s. — Ich weiß nicht, was euch fehlt?

ADAM

wieder zu Even.

Evchen! Ich flehe dich! Um alle Wunden!

Was ist’s, das ihr mir bringt?

EVE

Er wird’s schon hören.

ADAM

Ist’s nur der Krug dort, den die Mutter hält,

Den ich so viel —?

EVE

Ja, der zerbrochne Krug nur.

ADAM

Und weiter nichts?

EVE

Nichts weiter.

ADAM

Nichts? Gewiß nichts?

EVE

Ich sag’ ihm, geh er. Laß er mich zufrieden.

ADAM

Hör du, bei Gott, sei klug, ich rath’ es dir.

EVE

Er, Unverschämter!

ADAM

In dem Attest steht

Der Nahme jetzt, Fracturschrift, Ruprecht Tümpel.

Hier trag’ ich’s fix und fertig in der Tasche;

Hörst du es knackern, Evchen? Sieh, das kannst du,

Auf meine Ehr’, heut übers Jahr dir holen.

Dir Trauerschürz’ und Mieder zuzuschneiden,

Wenn’s heißt: der Ruprecht in Batavia

Krepirt’ — ich weiß, an welchem Fieber nicht,

War’s gelb, war’s scharlach, oder war es faul.

WALTER

Sprecht nicht mit den Parthei’n, Herr Richter Adam,

Vor der Session! Hier setzt euch, und befragt sie.

ADAM

Was sagt er? — Was befehlen Ew. Gnaden?

WALTER

Was ich befehl’? — Ich sagte deutlich euch,

Daß ihr nicht heimlich vor der Sitzung sollt

Mit den Parthein zweideut’ge Sprache führen.

Hier ist der Platz, der eurem Amt gebührt,

Und öffentlich Verhör, was ich erwarte.

ADAM

für sich.

Verflucht! Ich kann mich nicht dazu entschließen —!

— Es klirrte etwas, da ich Abschied nahm —

LICHT

ihn aufschreckend.

Herr Richter! Seid ihr —?

ADAM

Ich? Auf Ehre nicht!

Ich hatte sie behutsam drauf gehängt,

Und müßt’ ein Ochs gewesen sein —

LICHT

Was?

ADAM

Was?

LICHT

Ich fragte —?

ADAM

Ihr fragtet, ob ich —?

LICHT

Ob ihr taub seid, fragt’ ich.

Dort Sr. Gnaden haben euch gerufen.

ADAM

Ich glaubte —? Wer ruft?

LICHT

Der Herr Gerichtsrath dort.

ADAM

für sich.

Ei! Hol’s der Henker auch! Zwei Fälle giebt’s,

Mein Seel, nicht mehr, und wenn’s nicht biegt, so bricht’s.

— Gleich! Gleich! Gleich! Was befehlen Ew. Gnaden?

Soll jetzt die Procedur beginnen?

WALTER

Ihr seid ja sonderbar zerstreut. Was fehlt euch?

ADAM

— Auf Ehr’! Verzeiht. Es hat ein Perlhuhn mir,

Das ich von einem Indienfahrer kaufte,

Den Pips: ich soll es nudeln, und versteh’s nicht,

Und fragte dort die Jungfer bloß um Rath.

Ich bin ein Narr in solchen Dingen, seht,

Und meine Hühner nenn’ ich meine Kinder.

WALTER

Hier. Setzt euch. Ruft den Kläger und vernehmt ihn.

Und ihr, Herr Schreiber, führt das Protokoll.

ADAM

Befehlen Ew. Gnaden den Proceß

Nach den Formalitäten, oder so,

Wie er in Huisum üblich ist, zu halten?

WALTER

Nach den gesetzlichen Formalitäten,

Wie er in Huisum üblich ist, nicht anders.

ADAM

Gut, gut. Ich werd’ euch zu bedienen wissen.

Seid ihr bereit, Herr Schreiber?

LICHT

Zu euren Diensten.

ADAM

— So nimm, Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!

Klägere trete vor.

FRAU MARTHE

Hier, Herr Dorfrichter!

ADAM

Wer seyd ihr?

FRAU MARTHE

Wer —?

ADAM

Ihr.

FRAU MARTHE

Wer ich —?

ADAM

Wer ihr seid!

Wes Namens, Standes, Wohnorts, und so weiter.

FRAU MARTHE

Ich glaub’, er spaßt, Herr Richter.

ADAM

Spaßen, was!

Ich sitz’ im Namen der Justiz, Frau Marthe,

Und die Justiz muß wissen, wer ihr seid.

LICHT

halb laut.

Laßt doch die sonderbare Frag’ —

FRAU MARTHE

Ihr guckt

Mir alle Sonntag in die Fenster ja,

Wenn ihr auf’s Vorwerk geht!

WALTER

Kennt ihr die Frau?

ADAM

Sie wohnt hier um die Ecke, Ew. Gnaden,

Wenn man den Fußsteig durch die Hecken geht;

Wittw’ eines Kastellans, Hebamme jetzt,

Sonst eine ehrliche Frau, von gutem Rufe.

WALTER

Wenn ihr so unterrichtet seid, Herr Richter,

So sind dergleichen Fragen überflüßig.

Setzt ihren Namen in das Protokoll,

Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt.

ADAM

Auch das. Ihr seid nicht für Formalitäten.

Thut so, wie Sr. Gnaden anbefohlen.

WALTER

Fragt nach dem Gegenstand der Klage jetzt.

ADAM

Jetzt soll ich —?

WALTER

Ja, den Gegenstand ermitteln!

ADAM

Das ist gleichfalls ein Krug, verzeiht.

WALTER

Wie? Gleichfalls!

ADAM

Ein Krug. Ein bloßer Krug. Setzt einen Krug,

Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt.

LICHT

Auf meine hingeworfene Vermuthung

Wollt ihr, Herr Richter —?

ADAM

Mein Seel, wenn ich’s euch sage,

So schreibt ihrs hin. Ist’s nicht ein Krug, Frau Marthe?

FRAU MARTHE

Ja, hier der Krug —

ADAM

Da habt ihr’s.

FRAU MARTHE

Der zerbrochne —

ADAM

Pedantische Bedenklichkeit.

LICHT

Ich bitt’ euch —

ADAM

Und wer zerbrach den Krug? Gewiß der Schlingel —?

FRAU MARTHE

Ja, er, der Schlingel dort —

ADAM

für sich.

Mehr brauch ich nicht.

RUPRECHT

Das ist nicht wahr, Herr Richter.

ADAM

für sich.

Auf, aufgelebt, du alter Adam!

RUPRECHT

Das lügt sie in den Hals hinein —

ADAM

Schweig, Maulaffe!

Du steckst den Hals noch früh genug in’s Eisen.

— Setzt einen Krug, Herr Schreiber, wie gesagt,

Zusammt dem Namen dess’, der ihn zerschlagen.

Jetzt wird die Sache gleich ermittelt sein.

WALTER

Herr Richter! Ei! Welch’ ein gewaltsames Verfahren.

ADAM

Wie so?

LICHT

Wollt ihr nicht förmlich —?

ADAM

Nein! sag’ ich;

Ihr Gnaden lieben Förmlichkeiten nicht.

WALTER

Wenn ihr die Instruction, Herr Richter Adam,

Nicht des Prozesses einzuleiten wißt,

Ist hier der Ort jetzt nicht, es euch zu lehren.

Wenn ihr Recht anders nicht, als so, könnt geben,

So tretet ab: vielleicht kann’s euer Schreiber.

ADAM

Erlaubt! Ich gab’s, wie’s hier in Huisum üblich;

Ew. Gnaden haben’s also mir befohlen.

WALTER

Ich hätt’ —?

ADAM

Auf meine Ehre!

WALTER

Ich befahl euch,

Recht hier nach den Gesetzen zu ertheilen;

Und hier in Huisum glaubt’ ich die Gesetze,

Wie anderswo in den vereinten Staaten.

ADAM

Da muß submiß ich um Verzeihung bitten!

Wir haben hier, mit Ew. Erlaubniß,

Statuten, eigenthümliche, in Huisum,

Nicht aufgeschriebene, muß ich gestehn, doch durch

Bewährte Tradition uns überliefert.

Von dieser Form, getrau ich mir zu hoffen,

Bin ich noch heut kein Jota abgewichen.

Doch auch in eurer andern Form bin ich,

Wie sie im Reich mag üblich sein, zu Hause.

Verlangt ihr den Beweis? Wohlan, befehlt!

Ich kann Recht so jetzt, jetzo so ertheilen.

WALTER

Ihr gebt mir schlechte Meinungen, Herr Richter.

Es sei. Ihr fangt von vorn die Sache an. —

ADAM

Auf Ehr’! Gebt Acht, ihr sollt zufrieden sein.

— Frau Marthe Rull! Bringt eure Klage vor.

FRAU MARTHE

Ich klag’, ihr wißt’s, hier wegen dieses Krugs;

Jedoch vergönnt, daß ich, bevor ich melde

Was diesem Krug geschehen, auch beschreibe

Was er vorher mir war.

ADAM

Das Reden ist an euch.

FRAU MARTHE

Seht ihr den Krug, ihr werthgeschätzten Herren?

Seht ihr den Krug?

ADAM

O ja, wir sehen ihn.

FRAU MARTHE

Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr;

Der Krüge schönster ist entzwei geschlagen.

Hier grade auf dem Loch, wo jetzo nichts,

Sind die gesammten niederländischen Provinzen

Dem span’schen Philipp übergeben worden.

Hier im Ornat stand Kaiser Carl der fünfte:

Von dem seht ihr nur noch die Beine stehn.

Hier kniete Philipp, und empfing die Krone:

Der liegt im Topf, bis auf den Hintertheil,

Und auch noch der hat einen Stoß empfangen.

Dort wischten seine beiden Muhmen sich,

Der Franzen und der Ungarn Königinnen,

Gerührt die Augen aus; wenn man die Eine

Die Hand noch mit dem Tuch empor sieht heben,

So ist’s, als weinete sie über sich.

Hier im Gefolge stützt sich Philibert,

Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen,

Noch auf das Schwerdt; doch jetzo müßt’ er fallen,

So gut wie Maximilian: der Schlingel!

Die Schwerdter unten jetzt sind weggeschlagen.

Hier in der Mitte, mit der heil’gen Mütze,

Sah man den Erzbischof von Arras stehn;

Den hat der Teufel ganz und gar geholt,

Sein Schatten nur fällt lang noch übers Pflaster.

Hier standen rings, im Grunde, Leibtrabanten,

Mit Hellebarden, dicht gedrängt, und Spießen,

Hier Häuser, seht, vom großen Markt zu Brüssel,

Hier guckt noch ein Neugier’ger aus dem Fenster:

Doch was er jetzo sieht, das weiß ich nicht.

ADAM

Frau Marth! Erlaßt uns das zerscherbte Pactum,

Wenn es zur Sache nicht gehört.

Uns geht das Loch — nichts die Provinzen an,

Die darauf übergeben worden sind.

FRAU MARTHE

Erlaubt! Wie schön der Krug, gehört zur Sache! —

Den Krug erbeutete sich Childerich,

Der Kesselflicker, als Oranien

Briel mit den Wassergeusen überrumpelte.

Ihn hatt’ ein Spanier, gefüllt mit Wein,

Just an den Mund gesetzt, als Childerich

Den Spanier von hinten niederwarf,

Den Krug ergriff, ihn leert’, und weiter ging.

ADAM

Ein würd’ger Wassergeuse.

FRAU MARTHE

Hierauf vererbte

Der Krug auf Fürchtegott, den Todtengräber;

Der trank zu dreimal nur, der Nüchterne,

Und stets vermischt mit Wasser aus dem Krug.

Das erstemal, als er im Sechzigsten

Ein junges Weib sich nahm; drei Jahre drauf,

Als sie noch glücklich ihn zum Vater machte;

Und als sie jetzt noch funfzehn Kinder zeugte,

Trank er zum drittenmale, als sie starb.

ADAM

Gut. Das ist auch nicht übel.

FRAU MARTHE

Drauf fiel der Krug

An den Zachäus, Schneider in Tirlemont,

Der meinem seel’gen Mann, was ich euch jetzt

Berichten will, mit eignem Mund erzählt.

Der warf, als die Franzosen plünderten,

Den Krug, samt allem Hausrath, aus dem Fenster,

Sprang selbst, und brach den Hals, der Ungeschickte,

Und dieser irdne Krug, der Krug von Thon,

Auf’s Bein kam er zu stehen, und blieb ganz.

ADAM

Zur Sache, wenn’s beliebt, Frau Marthe Rull! Zur Sache!

FRAU MARTHE

Drauf in der Feuersbrunst von Sechs und sechszig,

Da hatt’ ihn schon mein Mann, Gott hab’ ihn selig —

ADAM

Zum Teufel! Weib! So seid ihr noch nicht fertig?

FRAU MARTHE

— Wenn ich nicht reden soll, Herr Richter Adam,

So bin ich unnütz hier, so will ich gehn,

Und ein Gericht mir suchen, das mich hört.

WALTER

Ihr sollt hier reden: doch von Dingen nicht,

Die eurer Klage fremd. Wenn ihr uns sagt,

Daß jener Krug euch werth, so wissen wir

So viel, als wir zum Richten hier gebrauchen.

FRAU MARTHE

Wie viel ihr brauchen möget, hier zu richten,

Das weiß ich nicht, und untersuch’ es nicht;

Das aber weiß ich, daß ich, um zu klagen,

Muß vor euch sagen dürfen, über was.

WALTER

Gut denn. Zum Schluß jetzt. Was geschah dem Krug?

Was? — Was geschah dem Krug im Feuer

Von Anno sechs und sechszig? Wird man’s hören?

Was ist dem Krug geschehn?

FRAU MARTHE

Was ihm geschehen?

Nichts ist dem Krug, ich bitt’ euch sehr, ihr Herren,

Nichts Anno sechs und sechszig ihm geschehen.

Ganz blieb der Krug, ganz in der Flammen Mitte,

Und aus des Hauses Asche zog ich ihn

Hervor, glasirt, am andern Morgen, glänzend,

Als käm’ er eben aus dem Töpferofen.

WALTER

Nun gut. Nun kennen wir den Krug. Nun wissen

Wir Alles, was dem Krug geschehn, was nicht.

Was giebt’s jetzt weiter?

FRAU MARTHE

Nun diesen Krug jetzt seht — den Krug,

Zertrümmert einen Krug noch werth, den Krug

Für eines Fräuleins Mund, die Lippe selbst,

Nicht der Frau Erbstatthalterin zu schlecht,

Den Krug, ihr hohen Herren Richter beide,

Den Krug hat jener Schlingel mir zerbrochen.

ADAM

Wer?

FRAU MARTHE

Er, der Ruprecht dort.

RUPRECHT

Das ist gelogen,

Herr Richter.

ADAM

Schweig’ er, bis man ihn fragen wird.

Auch heut an ihn noch wird die Reihe kommen.

— Habt ihr’s im Protocoll bemerkt?

LICHT

O ja.

ADAM

Erzählt den Hergang, würdige Frau Marthe.

FRAU MARTHE

Es war Uhr eilfe gestern —

ADAM

Wann, sagt ihr?

FRAU MARTHE

Uhr eilf.

ADAM

Am Morgen!

FRAU MARTHE

Nein, verzeiht am Abend,

Und schon die Lamp’ im Bette wollt’ ich löschen,

Als laute Männerstimmen, ein Tumult,

In meiner Tochter abgelegnen Kammer,

Als ob der Feind einbräche, mich erschreckt.

Geschwind’ die Trepp’ eil’ ich hinab, ich finde

Die Kammerthür gewaltsam eingesprengt,

Schimpfreden schallen wüthend mir entgegen,

Und da ich mir den Auftritt jetzt beleuchte,

Was find’ ich jetzt, Herr Richter, was jetzt find’ ich?

Den Krug find’ ich zerscherbt im Zimmer liegen,

In jedem Winkel liegt ein Stück,

Das Mädchen ringt die Händ’, und er der Flaps dort,

Der trotzt, wie toll, euch in des Zimmers Mitte.

ADAM

Ei, Wetter!

FRAU MARTHE

Was?

ADAM

Sieh da, Frau Marthe!

FRAU MARTHE

Ja! —

Drauf ist’s, als ob in so gerechtem Zorn,

Mir noch zehn Arme wüchsen, jeglichen

Fühl’ ich mir wie ein Geier ausgerüstet.

Ihn stell’ ich dort zu Rede, was er hier

In später Nacht zu suchen, mir die Krüge

Des Hauses tobend einzuschlagen habe:

Und er, zur Antwort giebt er mir, jetzt rathet?

Der Unverschämte! Der Halunke, der!

Aufs Rad will ich ihn sehen, oder mich

Nicht mehr geduldig auf den Rücken legen:

Er spricht, es hab’ ein Anderer den Krug

Vom Sims’ gestürzt — ein Anderer, ich bitt’ euch,

Der vor ihm aus der Kammer nur entwichen;

— Und überhäuft mit Schimpf mir da das Mädchen.

ADAM

O! faule Fische — Hierauf?

FRAU MARTHE

Auf dies Wort

Seh’ ich das Mädchen fragend an; die steht

Gleich einer Leiche da, ich sage: Eve! —

Sie setzt sich; ist’s ein Anderer gewesen,

Frag’ ich? Und Joseph und Marie, ruft sie,

Was denkt ihr Mutter auch? — So sprich! Wer war’s?

Wer sonst, sagt sie, — und wer auch konnt’ es anders?

Und schwört mir zu, daß er’s gewesen ist.

EVE

Was schwor ich euch? Was hab’ ich euch geschworen?

Nichts schwor ich, nichts euch —

FRAU MARTHE

Eve!

EVE

Nein! Dies lügt ihr. —

RUPRECHT

Da hört ihr’s.

ADAM

Hund, jetzt, verfluchter, schweig,

Soll hier die Faust den Rachen dir noch stopfen!

Nachher ist Zeit für dich, nicht jetzt.

FRAU MARTHE

Du hättest nicht —?

EVE

Nein, Mutter! Dies verfälscht ihr.

Seht, leid thut’s in der That mir tief zur Seele,

Daß ich es öffentlich erklären muß:

Doch nichts schwor ich, nichts, nichts hab’ ich geschworen.

ADAM

Seid doch vernünftig, Kinder.

LICHT

Das ist ja seltsam.

FRAU MARTHE

Du hättest mir, o Eve, nicht versichert?

Nicht Joseph und Marie angerufen?

EVE

Beim Schwur nicht! Schwörend nicht! Seht dies jetzt schwör’ ich,

Und Joseph und Maria ruf ich an.

ADAM

Ei, Leutchen! Ei, Frau Marthe! Was auch macht sie?

Wie schüchtert sie das gute Kind auch ein.

Wenn sich die Jungfer wird besonnen haben,

Erinnert ruhig dessen, was geschehen,

— Ich sage, was geschehen ist, und was,

Spricht sie nicht, wie sie soll, geschehn noch kann:

Gebt Acht, so sagt sie heut uns aus, wie gestern,

Gleichviel, ob sie’s beschwören kann ob nicht.

Laßt Joseph und Maria aus dem Spiele.

WALTER

Nicht doch, Herr Richter, nicht! Wer wollte den

Partheien so zweideut’ge Lehren geben.

FRAU MARTHE

Wenn sie in’s Angesicht mir sagen kann,

Schamlos, die liederliche Dirne, die,

Daß es ein Andrer, als der Ruprecht war,

So mag meinetwegen sie — ich mag nicht sagen, was.

Ich aber, ich versichr’ es euch, Herr Richter,

Und kann ich gleich nicht, daß sie’s schwor, behaupten,

Daß sie’s gesagt hat gestern, das beschwör’ ich,

Und Joseph und Maria ruf’ ich an.

ADAM

Nun weiter will ja auch die Jungfer —

WALTER

Herr Richter!

ADAM

Ew. Gnaden? — Was sagt er? Nicht, Herzens-Evchen?

FRAU MARTHE

Heraus damit! Hast du’s mir nicht gesagt?

Hast du’s mir gestern nicht, mir nicht gesagt?

EVE

Wer läugnet euch, daß ich’s gesagt —

ADAM

Da habt ihr’s.

RUPRECHT

Die Metze, die!

ADAM

Schreibt auf.

VEIT

Pfui, schäm’ sie sich.

WALTER

Von eurer Aufführung, Herr Richter Adam,

Weiß ich nicht, was ich denken soll. Wenn ihr selbst

Den Krug zerschlagen hättet, könntet ihr

Von euch ab den Verdacht nicht eifriger

Hinwälzen auf den jungen Mann, als jetzt. —

Ihr setzt nicht mehr ins Protokoll, Herr Schreiber,

Als nur der Jungfer Eingeständniß, hoff’ ich,

Vom gestrigen Geständniß, nicht vom Facto.

— Ist’s an die Jungfer jetzt schon auszusagen?

ADAM

Mein Seel, wenn’s ihre Reihe noch nicht ist,

In solchen Dingen irrt der Mensch, Ew. Gnaden.

Wen hätt’ ich fragen sollen jetzt? Beklagten?

Auf Ehr’! Ich nehme gute Lehre an.

WALTER

Wie unbefangen! — Ja, fragt den Beklagten.

Fragt, macht ein Ende, fragt, ich bitt’ euch sehr:

Dies ist die letzte Sache, die ihr führt.

ADAM

Die letzte! Was! Ei freilich! Den Beklagten!

Wohin auch, alter Richter, dachtest du?

Verflucht, das pips’ge Perlhuhn mir! Daß es

Krepirt wär an der Pest in Indien!

Stets liegt der Kloß von Nudeln mir im Sinn.

WALTER

Was liegt? Was für ein Kloß liegt euch —?

ADAM

Der Nudelkloß,

Verzeiht, den ich dem Huhne geben soll.

Schluckt mir das Aas die Pille nicht herunter,

Mein Seel, so weiß ich nicht, wie’s werden wird.

WALTER

Thut eure Schuldigkeit, sag ich, zum Henker!

ADAM

Beklagter trete vor.

RUPRECHT

Hier, Herr Dorfrichter.

Ruprecht, Veits des Kossäthen Sohn, aus Huisum.

ADAM

Vernahm er dort, was vor Gericht so eben

Frau Marthe gegen ihn hat angebracht?

RUPRECHT

Ja, Herr Dorfrichter, das hab’ ich.

ADAM

Getraut er sich

Etwas dagegen aufzubringen, was?

Bekennt er, oder unterfängt er sich,

Hier wie ein gottvergeßner Mensch zu läugnen?

RUPRECHT

Was ich dagegen aufzubringen habe,

Herr Richter? Ei! Mit euerer Erlaubniß,

Daß sie kein wahres Wort gesprochen hat.

ADAM

So? Und das denkt er zu beweisen?

RUPRECHT

O ja.

ADAM

Die würdige Frau Marthe, die.

Beruhige sie sich. Es wird sich finden.

WALTER

Was geht ihn die Frau Marthe an, Herr Richter?

ADAM

Was mir —? Bei Gott! Soll ich als Christ —?

WALTER

Bericht’

Er, was er für sich anzuführen hat. —

Herr Schreiber, wißt ihr den Prozeß zu führen?

ADAM

Ach, was!

LICHT

Ob ich — ei nun, wenn Ew. Gnaden —

ADAM

Was glotzt er da? Was hat er aufzubringen?

Steht nicht der Esel, wie ein Ochse, da?

Was hat er aufzubringen?

RUPRECHT

Was ich aufzubringen?

WALTER

Er ja, er soll den Hergang jetzt erzählen.

RUPRECHT

Mein Seel’, wenn man zu Wort mich kommen ließe.

WALTER

S’ ist in der That, Herr Richter, nicht zu dulden.

RUPRECHT

Glock zehn Uhr mogt’ es etwa sein zu Nacht, —

Und warm, just diese Nacht des Januars

Wie Mai, als ich zum Vater sage: Vater!

Ich will ein Bissel noch zur Eve gehn.

Denn heuren wollt’ ich sie, das müßt ihr wissen,

Ein rüstig Mädel ist’s, ich hab’s beim Erndten

Gesehn, wo Alles von der Faust ihr ging,

Und ihr das Heu man flog, als wie gemaus’t.

Das sagt’ ich: willst du? Und sie sagte: ach!

Was du da gakelst. Und nachher sagt’ sie, ja.

ADAM

Bleib er bei seiner Sache. Gakeln! Was!

Ich sagte, willst du? Und sie sagte, ja.

RUPRECHT

Ja, meiner Treu, Herr Richter.

WALTER

Weiter! Weiter!

RUPRECHT

Nun —

Da sagt’ ich: Vater, hört er? Laß er mich.

Wir schwatzen noch am Fenster was zusammen.

Na, sagt er, lauf; bleibst du auch draußen, sagt er?

Ja, meiner Seel’, sag’ ich, das ist geschworen.

Na, sagt’ er, lauf, um eilfe bist du hier.

ADAM

Na, so sag’ du, und gakle, und kein Ende.

Na, hat er bald sich ausgesagt?

RUPRECHT

Na, sag’ ich,

Das ist ein Wort, und setz’ die Mütze auf,

Und geh; und über’n Steig will ich, und muß

Durch’s Dorf zurückgehn, weil der Bach geschwollen.

Ei, alle Wetter, denk’ ich, Ruprecht, Schlag!

Nun ist die Gartenthür bei Marthens zu:

Denn bis um zehn läßt’s Mädel sie nur offen,

Wenn ich um zehn nicht da bin, komm ich nicht.

ADAM

Die liederliche Wirthschaft, die.

WALTER

Drauf weiter?

RUPRECHT

Drauf — wie ich über’n Lindengang mich näh’re,

Bei Marthens, wo die Reihen dicht gewölbt,

Und dunkel, wie der Dom zu Utrecht, sind,

Hör’ ich die Gartenthüre fernher knarren.

Sieh da! Da ist die Eve noch! sag’ ich,

Und schicke freudig euch, von wo die Ohren

Mir Kundschaft brachten, meine Augen nach —

— Und schelte sie, da sie mir wiederkommen,

Für blind, und schicke auf der Stelle sie

Zum zweitenmal, sich besser umzusehen,

Und schimpfe sie nichtswürdige Verläumder,

Aufhetzer, niederträcht’ge Ohrenbläser,

Und schicke sie zum drittenmal, und denke,

Sie werden, weil sie ihre Pflicht gethan,

Unwillig los sich aus dem Kopf mir reißen,

Und sich in einen andern Dienst begeben:

Die Eve ist’s, am Latz erkenn ich sie,

Und Einer ist’s noch obenein.

ADAM

So? Einer noch? Und wer, er Klugschwätzer?

RUPRECHT

Wer? Ja, mein Seel, da fragt ihr mich —

ADAM

Nun also!

Und nicht gefangen, denk ich, nicht gehangen.

WALTER

Fort! Weiter in der Rede! Laßt ihn doch!

Was unterbrecht ihr ihn, Herr Dorfrichter?

RUPRECHT

Ich kann das Abendmal darauf nicht nehmen,

Stockfinster war’s, und alle Katzen grau.

Doch müßt ihr wissen, daß der Flickschuster,

Der Lebrecht, den man kürzlich losgesprochen,

Dem Mädel längst mir auf die Fährte ging.

Ich sagte vor’gen Herbst schon: Eve, höre,

Der Schuft schleicht mir um’s Haus, das mag ich nicht;

Sag’ ihm, daß du kein Braten bist für ihn,

Mein Seel’, sonst werf ich ihn vom Hof herunter.

Die spricht: Ich glaub’, du schierst mich, sagt ihm was,

Das ist nicht hin, nicht her, nicht Fisch, nicht Fleisch:

Drauf geh ich hin und werf’ den Schlingel herunter.

ADAM

So? Lebrecht heißt der Kerl?

RUPRECHT

Ja, Lebrecht.

ADAM

Gut.

Das ist ein Nam’. Es wird sich Alles finden.

— Habt ihr’s bemerkt im Protokoll, Herr Schreiber?

LICHT

O ja, und Alles Andere, Herr Richter.

ADAM

Sprich weiter, Ruprecht, jetzt, mein Sohn.

RUPRECHT

Nun schießt,

Da ich Glock eilf das Pärchen hier begegne,

— Glock zehn Uhr zog ich immer ab — das Blatt mir.

Ich denke, halt, jetzt ist’s noch Zeit, o Ruprecht,

Noch wachsen dir die Hirschgeweihe nicht: —

Hier mußt du sorgsam dir die Stirn befühlen,

Ob dir von fern hornartig etwas keimt.

Und drücke sacht mich durch die Gartenpforte,

Und berg’ in einen Strauch von Taxus mich:

Und hör euch ein Gefispre hier, ein Scherzen,

Ein Zerren hin, Herr Richter, Zerren her,

Mein Seel, ich denk’, ich soll vor Lust —

EVE

Du Bös’wicht!

Was das, o schändlich ist von dir!

FRAU MARTHE

Hallunke!

Dir weis’ ich noch einmal, wenn wir allein sind,

Die Zähne! Wart! Du weißt noch nicht, wo mir

Die Haare wachsen! Du sollst’s erfahren!

RUPRECHT

Ein Viertelstündchen dauert’s so, ich denke,

Was wird’s doch werden, ist doch heut nicht Hochzeit?

Und eh’ ich den Gedanken ausgedacht,

Husch! sind sie beid’ in’s Haus schon, vor dem Pastor.

EVE

Geht, Mutter, mag es werden, wie es will —

ADAM

Schweig du mir dort, rath’ ich, das Donnerwetter

Schlägt über dich ein, unberufne Schwätzerin!

Wart, bis ich auf zur Red’ dich rufen werde.

WALTER

Sehr sonderbar, bei Gott!

RUPRECHT

Jetzt hebt, Herr Richter Adam,

Jetzt hebt sich’s, wie ein Blutsturz, mir. Luft!

Da mir der Knopf am Brustlatz springt: Luft jetzt!

Und reiße mir den Latz auf: Luft jetzt sag’ ich!

Und geh, und drück, und tret’ und donnere,

Da ich der Dirne Thür, verriegelt finde,

Gestemmt, mit Macht, auf einen Tritt, sie ein.

ADAM

Blitzjunge, du!

RUPRECHT

Just da sie auf jetzt rasselt,

Stürzt dort der Krug vom Sims ins Zimmer hin,

Und husch! springt Einer aus dem Fenster euch:

Ich seh die Schöße noch vom Rocke wehn.

ADAM

War das der Leberecht?

RUPRECHT

Wer sonst, Herr Richter?

Das Mädchen steht, die werf’ ich über’n Haufen,

Zum Fenster eil’ ich hin, und find’ den Kerl

Noch in den Pfählen hangen, am Spalier,

Wo sich das Weinlaub aufrankt bis zum Dach.

Und da die Klinke in der Hand mir blieb,

Als ich die Thür eindonnerte, so reiß’ ich

Jetzt mit dem Stahl Eins pfundschwer über’n Detz ihm:

Den just, Herr Richter, konnt’ ich noch erreichen.

ADAM

Wars eine Klinke?

RUPRECHT

Was?

ADAM

Ob’s —

RUPRECHT

Ja, die Thürklinke.

ADAM

Darum.

LICHT

Ihr glaubtet wohl, es war ein Degen?

ADAM

Ein Degen? Ich — wie so?

RUPRECHT

Ein Degen!

LICHT

Je nun!

Man kann sich wohl verhören. Eine Klinke

Hat sehr viel Ähnlichkeit mit einem Degen.

ADAM

Ich glaub’ —!

LICHT

Bei meiner Treu! Der Stiel, Herr Richter?

ADAM

Der Stiel!

RUPRECHT

Der Stiel! Der wars nun aber nicht.

Der Klinke umgekehrtes Ende war’s.

ADAM

Das umgekehrte Ende war’s der Klinke!

LICHT

So! So!

RUPRECHT

Doch auf dem Griffe lag ein Klumpen

Blei, wie ein Degengriff, das muß ich sagen.

ADAM

Ja, wie ein Griff.

LICHT

Gut. Wie ein Degengriff.

Doch irgend eine tücksche Waffe mußt’ es

Gewesen sein. Das wußt’ ich wohl.

WALTER

Zur Sache stets, ihr Herrn, doch! Zur Sache!

ADAM

Nichts als Allotrien, Herr Schreiber! — Er, weiter!

RUPRECHT

Jetzt stürzt der Kerl, und ich schon will mich wenden,

Als ich’s im Dunkeln auf sich rappeln sehe.

Ich denke, lebst du noch? und steig auf’s Fenster

Und will dem Kerl das Gehen unten legen:

Als jetzt, ihr Herrn, da ich zum Sprung just aushol’,

Mir eine Handvoll grobgekörnten Sandes —

— Und Kerl und Nacht und Welt und Fensterbrett,

Worauf ich steh, denk’ ich nicht, straf mich Gott,

Das Alles fällt in einen Sack zusammen —

Wie Hagel, stiebend, in die Augen fliegt.

ADAM

Verflucht! Sieh da! Wer that das?

RUPRECHT

Wer? Der Lebrecht.

ADAM

Hallunke!

RUPRECHT

Meiner Treu! Wenn er’s gewesen.

ADAM

Wer sonst!

RUPRECHT

Als stürzte mich ein Schlossenregen

Von eines Bergs zehn Klaftern hohen Abhang,

So schlag’ ich jetzt vom Fenster euch ins Zimmer:

Ich denk’ ich schmettere den Boden ein.

Nun brech’ ich mir den Hals doch nicht, auch nicht

Das Kreuz mir, Hüften, oder sonst, inzwischen

Konnt’ ich des Kerls doch nicht mehr habhaft werden,

Und sitze auf, und wische mir die Augen.

Die kommt, und ach, Herr Gott! ruft sie, und Ruprecht!

Was ist dir auch? Mein Seel’, ich hob den Fuß,

Gut war’s, daß ich nicht sah, wohin ich stieß.

ADAM

Kam das vom Sande noch?

RUPRECHT

Vom Sandwurf, ja.

ADAM

Verdammt! Der traf!

RUPRECHT

Da ich jetzt aufersteh’

Was sollt’ ich auch die Fäuste hier mir schänden?

So schimpf’ ich sie, und sage liederliche Metze,

Und denke, das ist gut genug für sie.

Doch Thränen, seht, ersticken mir die Sprache.

Denn da Frau Marthe jetzt in’s Zimmer tritt,

Die Lampe hebt, und ich das Mädchen dort

Jetzt schlotternd, zum Erbarmen vor mir sehe,

Sie, die so herzhaft sonst wohl um sich sah,

So sag’ ich zu mir, blind ist auch nicht übel.

Ich hätte meine Augen hingegeben,

Knippkügelchen, wer will, damit zu spielen.

EVE

Er ist nicht werth, der Bös’wicht —

ADAM

Sie soll schweigen.

RUPRECHT

Das Weitre wißt ihr.

ADAM

Wie, das Weitere?

RUPRECHT

Nun ja, Frau Marthe kam, und geiferte,

Und Ralf, der Nachbar, kam, und Hinz, der Nachbar,

Und Muhme Sus’ und Muhme Liese kamen,

Und Knecht und Mägd’ und Hund’ und Katzen kamen,

S’ war ein Spektakel, und Frau Marthe fragte

Die Jungfer dort, wer ihr den Krug zerschlagen,

Und die, die sprach, ihr wißt’s, daß ich’s gewesen.

Mein Seel’, sie hat so Unrecht nicht, ihr Herren.

Den Krug, den sie zu Wasser trug, zerschlug ich,

Und der Flickschuster hat im Kopf ein Loch. —

ADAM

Frau Marthe! Was entgegnet ihr der Rede?

Sagt an!

FRAU MARTHE

Was ich der Red entgegene?

Daß sie, Herr Richter, wie der Marder einbricht,

Und Wahrheit wie ein gakelnd Huhn erwürgt.

Was Recht liebt, sollte zu den Keulen greifen,

Um dieses Ungethüm der Nacht zu tilgen.

ADAM

Da wird sie den Beweis uns führen müssen.

FRAU MARTHE

O ja, sehr gern. Hier ist mein Zeuge. — Rede!

ADAM

Die Tochter? Nein, Frau Marthe.

WALTER

Nein? Warum nicht?

ADAM

Als Zeuginn, gnäd’ger Herr? Steht im Gesetzbuch

Nicht titulo, ist’s quarto? oder quinto?

Wenn Krüge oder sonst, was weiß ich?

Von jungen Bengeln sind zerschlagen worden,

So zeugen Töchter ihren Müttern nicht?

WALTER

In eurem Kopf liegt Wissenschaft und Irrthum

Geknetet, innig, wie ein Teig, zusammen;

Mit jedem Schnitte gebt ihr mir von beidem.

Die Jungfer zeugt noch nicht, sie deklarirt jetzt;

Ob, und für wen, sie zeugen will und kann,

Wird erst aus der Erklärung sich ergeben.

ADAM

Ja, deklariren. Gut. Titulo sexto.

Doch was sie sagt, das glaubt man nicht.

WALTER

Tritt vor, mein junges Kind.

ADAM

He! Lis’ —! — Erlaubt!

Die Zunge wird sehr trocken mir — Margrethe!