ZWEITER AUFTRITT

Ein BEDIENTER tritt auf. Die VORIGEN. — Nachher: Zwei MÄGDE.

DER BEDIENTE

Gott helf, Herr Richter! Der Gerichtsrath Walter

Läßt seinen Gruß vermelden, gleich wird er hier sein.

ADAM

Ei, du gerechter Himmel! Ist er mit Holla

Schon fertig?

DER BEDIENTE

Ja, er ist in Huisum schon.

ADAM

He! Liese! Grete!

LICHT

Ruhig, ruhig jetzt.

ADAM

Gevatterchen!

LICHT

Laßt euern Dank vermelden.

DER BEDIENTE

Und morgen reisen wir nach Hussahe.

ADAM

Was thu ich jetzt? Was laß ich?

Er greift nach seinen Kleidern.

ERSTE MAGD

tritt auf.

Hier bin ich, Herr.

LICHT

Wollt ihr die Hosen anziehn? Seid ihr toll?

ZWEITE MAGD

tritt auf.

Hier bin ich, Herr Dorfrichter.

LICHT

Nehmt den Rock.

ADAM

sieht sich um.

Wer? Der Gerichtsrath?

LICHT

Ach, die Magd ist es.

ADAM

Die Bäffchen! Mantel! Kragen!

ERSTE MAGD

Erst die Weste!

ADAM

Was? — Rock aus! Hurtig!

LICHT

zum Bedienten.

Der Herr Gerichtsrath werden

Hier sehr willkommen sein. Wir sind sogleich

Bereit ihn zu empfangen. Sagt ihm das.

ADAM

Den Teufel auch! Der Richter Adam läßt sich

Entschuldigen.

LICHT

Entschuldigen!

ADAM

Entschuld’gen.

Ist er schon unterwegs etwa?

DER BEDIENTE

Er ist

Im Wirthshaus noch. Er hat den Schmidt bestellt;

Der Wagen ging entzwei.

ADAM

Gut. Mein Empfehl.

Der Schmidt ist faul. Ich ließe mich entschuld’gen.

Ich hätte Hals und Beine fast gebrochen,

Schaut selbst, s’ ist ein Spektakel, wie ich ausseh;

Und jeder Schreck purgirt mich von Natur.

Ich wäre krank.

LICHT

Seid ihr bei Sinnen? —

Der Herr Gerichtsrath wär sehr angenehm.

— Wollt ihr?

ADAM

Zum Henker!

LICHT

Was?

ADAM

Der Teufel soll mich holen,

Ist’s nicht so gut, als hätt’ ich schon ein Pulver!

LICHT

Das fehlt noch, daß ihr auf den Weg ihm leuchtet.

ADAM

Margarethe! he! Der Sack voll Knochen! Liese!

DIE BEIDEN MÄGDE.

Hier sind wir ja. Was wollt ihr?

ADAM

Fort! sag ich.

Kuhkäse, Schinken, Butter, Würste, Flaschen,

Aus der Registratur geschafft! Und flink! —

Du nicht. Die Andere. — Maulaffe! Du, ja!

— Gott’s Blitz, Margarethe! Liese soll, die Kuhmagd,

In die Registratur!

Die erste Magd geht ab.

DIE ZWEITE MAGD

Sprecht, soll man euch verstehn!

ADAM

Halt’s Maul jetzt, sag’ ich —! Fort! schaff mir die Perücke!

Marsch! Aus dem Bücherschrank! Geschwind! Pack dich!

Die zweite Magd ab.

LICHT

zum Bedienten.

Es ist dem Herrn Gerichtsrath, will ich hoffen,

Nichts Böses auf der Reise zugestoßen?

DER BEDIENTE

Je, nun! Wir sind im Hohlweg umgeworfen.

ADAM

Pest! Mein geschundner Fuß! Ich krieg’ die Stiefeln —

LICHT

Ei, du mein Himmel! Umgeworfen, sagt ihr?

Doch keinen Schaden weiter —?

DER BEDIENTE

Nichts von Bedeutung.

Der Herr verstauchte sich die Hand ein wenig.

Die Deichsel brach.

ADAM

Daß er den Hals gebrochen!

LICHT

Die Hand verstaucht! Ei, Herr Gott! Kam der Schmidt schon?

DER BEDIENTE

Ja, für die Deichsel.

LICHT

Was?

ADAM

Ihr meint, der Doctor.

LICHT

Was?

DER BEDIENTE

Für die Deichsel?

ADAM

Ach, was! Für die Hand.

DER BEDIENTE

Adies, ihr Herrn. — Ich glaub’, die Kerls sind toll.

ab.

LICHT

Den Schmidt meint’ ich.

ADAM

Ihr gebt euch bloß, Gevatter.

LICHT

Wie so?

ADAM

Ihr seid verlegen.

LICHT

Was!

DIE ERSTE MAGD tritt auf.

He! Liese!

ADAM

Was hast du da?

ERSTE MAGD

Braunschweiger Wurst, Herr Richter.

ADAM

Das sind Pupillenacten.

LICHT

Ich, verlegen!

ADAM

Die kommen wieder zur Registratur.

ERSTE MAGD

Die Würste?

ADAM

Würste! Was! Der Einschlag hier.

LICHT

Es war ein Mißverständniß.

DIE ZWEITE MAGD

tritt auf.

Im Bücherschrank,

Herr Richter, find ich die Perücke nicht.

ADAM

Warum nicht?

ZWEITE MAGD

Hm! Weil ihr —

ADAM

Nun?

ZWEITE MAGD

Gestern Abend —

Glock eilf —

ADAM

Nun? Werd ich’s hören?

ZWEITE MAGD

Ei, ihr kamt ja,

Besinnt euch, ohne die Perück’ ins Haus.

ADAM

Ich, ohne die Perücke?

ZWEITE MAGD

In der That.

Da ist die Liese, die’s bezeugen kann.

Und Eure andr’ ist beim Perückenmacher.

ADAM

Ich wär —?Ich wär —?

ERSTE MAGD

Ja, meiner Treu, Herr Richter Adam!

Kahlköpfig wart ihr, als ihr wiederkamt;

Ihr spracht, ihr wärt gefallen, wißt ihr nicht?

Das Blut mußt ich euch noch vom Kopfe waschen.

ADAM

Die Unverschämte!

ERSTE MAGD

Ich will nicht ehrlich sein.

ADAM

Halt’s Maul, sag’ ich, es ist kein wahres Wort.

LICHT

Habt ihr die Wund’ seit gestern schon?

ADAM

Nein, heut.

Die Wunde heut und gestern die Perücke.

Ich trug sie weiß gepudert auf dem Kopfe,

Und nahm sie mit dem Huth, auf Ehre, bloß,

Als ich ins Haus trat, aus Versehen ab.

Was die gewaschen hat, das weiß ich nicht.

— Scheer dich zum Satan, wo du hingehörst!

In die Registratur!

Erste Magd ab.

Geh, Margarethe!

Gevatter Küster soll mir seine borgen;

In meine hätt’ die Katze heute Morgen

Gejungt, das Schwein! Sie läge eingesäuet

Mir unterm Bette da, ich weiß nun schon.

LICHT

Die Katze? Was? Seid ihr —?

ADAM

So wahr ich lebe.

Fünf Junge, gelb und schwarz, und eins ist weiß.

Die schwarzen will ich in der Vecht ersäufen.

Was soll man machen? Wollt ihr eine haben?

LICHT

In die Perücke?

ADAM

Der Teufel soll mich holen!

Ich hatte die Perücke aufgehängt,

Auf einen Stuhl, da ich zu Bette ging,

Den Stuhl berühr’ ich in der Nacht, sie fällt —

LICHT

Drauf nimmt die Katze sie ins Maul —

ADAM

Mein Seel —

LICHT

Und trägt sie unter’s Bett und jungt darin.

ADAM

In’s Maul? Nein —

LICHT

Nicht? Wie sonst?

ADAM

Die Katz’? Ach, was!

LICHT

Nicht? Oder ihr vielleicht?

ADAM

In’s Maul! Ich glaube —!

Ich stieß sie mit dem Fuße heut hinunter,

Als ich es sah.

LICHT

Gut, gut.

ADAM

Canaillen die!

Die balzen sich und jungen, wo ein Platz ist.

ZWEITE MAGD

kichernd.

So soll ich hingehn?

ADAM

Ja, und meinen Gruß

An Muhme Schwarzgewand, die Küsterinn.

Ich schickt’ ihr die Perücke unversehrt

Noch heut zurück — ihm brauchst du nichts zu sagen.

Verstehst du mich?

ZWEITE MAGD

Ich werd’ es schon bestellen.

ab.