ZWÖLFTER AUFTRITT

Die VORIGEN, ohne ADAM — Sie begeben sich alle in den Vordergrund der Bühne.

RUPRECHT

Ei, Evchen!

Wie hab’ ich heute schändlich dich beleidigt!

Ei Gott’s Blitz, alle Wetter; und wie gestern!

Ei, du mein goldnes Mädchen, Herzens-Braut!

Wirst du dein Lebtag mir vergeben können?

EVE

wirft sich dem Gerichtsrath zu Füßen.

Herr! Wenn ihr jetzt nicht helft, sind wir verloren!

WALTER

Verloren? Warum das?

RUPRECHT

Herr Gott! Was giebt’s?

EVE

Errettet Ruprecht von der Conscription!

Denn diese Conscription — der Richter Adam

Hat mir’s als ein Geheimniß anvertraut,

Geht nach Ostindien; und von dort, ihr wißt,

Kehrt von drei Männern Einer nur zurück!

WALTER

Was! Nach Ostindien! Bist du bei Sinnen?

EVE

Nach Bantam, gnäd’ger Herr; verläugnet’s nicht!

Hier ist der Brief, die stille heimliche

Instruction, die Landmiliz betreffend,

Die die Regierung jüngst deshalb erließ:

Ihr seht, ich bin von Allem unterrichtet.

WALTER

nimmt den Brief und lies’t ihn.

O unerhört, arglistiger Betrug! —

Der Brief ist falsch!

EVE

Falsch?

WALTER

Falsch, so wahr ich lebe!

Herr Schreiber Licht, sagt selbst, ist das die Ordre,

Die man aus Utrecht jüngst an euch erließ?

LICHT

Die Ordre! Was! Der Sünder, der! Ein Wisch,

Den er mit eignen Händen aufgesetzt! —

Die Truppen, die man anwarb, sind bestimmt

Zum Dienst im Landesinneren; kein Mensch

Denkt dran, sie nach Ostindien zu schicken!

EVE

Nein, nimmermehr, ihr Herrn?

WALTER

Bei meiner Ehre!

Und zum Beweise meines Worts: den Ruprecht,

Wärs so, wie du mir sagst: ich kauf’ ihn frei!

EVE

steht auf.

O Himmel! Wie belog der Böswicht mich!

Denn mit der schrecklichen Besorgniß eben

Quält er mein Herz, und kam, zur Zeit der Nacht,

Mir ein Attest für Ruprecht aufzudringen;

Bewies, wie ein erlognes Krankheitszeugniß,

Von allem Kriegsdienst ihn befreien könnte;

Erklärte und versicherte und schlich,

Um es mir auszufert’gen, in mein Zimmer:

So Schändliches, ihr Herren, von mir fordernd,

Daß es kein Mädchenmund wagt auszusprechen!

FRAU BRIGITTE

Ei, der nichtswürdig-schändliche Betrüger!

RUPRECHT

Laß, laß den Pferdehuf, mein süßes Kind!

Sieh, hätt’ ein Pferd bei dir den Krug zertrümmert,

Ich wär’ so eifersüchtig just, als jetzt!

sie küssen sich.

VEIT

Das sag’ ich auch! Küßt und versöhnt und liebt euch;

Und Pfingsten, wenn ihr wollt, mag Hochzeit sein!

LICHT

am Fenster.

Seht, wie der Richter Adam, bitt’ ich euch,

Berg auf, Berg ab, als flöh er Rad und Galgen,

Das aufgepflügte Winterfeld durchstampft!

WALTER

Was? Ist das Richter Adam?

LICHT

Allerdings!

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Jetzt kommt er auf die Straße. Seht! seht!

Wie die Perücke ihm den Rücken peitscht!

WALTER

Geschwind, Herr Schreiber, fort! Holt ihn zurück!

Daß er nicht Übel rettend ärger mache.

Von seinem Amt zwar ist er suspendirt,

Und euch bestell’ ich, bis auf weitere

Verfügung, hier im Ort es zu verwalten;

Doch sind die Cassen richtig, wie ich hoffe,

Zur Desertion ihn zwingen will ich nicht.

Fort! Thut mir den Gefallen, holt ihn wieder!