EILFTER AUFTRITT

LICHT. FRAU BRIGITTE mit einer Perücke in der Hand. Die MÄGDE. Die VORIGEN.

LICHT

Hier, Frau Brigitte, herein.

WALTER

Ist das die Frau, Herr Schreiber Licht?

LICHT

Das ist die Frau Brigitte, Ew. Gnaden.

WALTER

Nun denn, so laßt die Sach’ uns jetzt beschließen.

Nehmt ab, ihr Mägde. Hier.

Die Mägde mit Gläsern u. s. w. ab.

ADAM

während dessen.

Nun, Evchen, höre,

Dreh du mir deine Pille ordentlich,

Wie sich’s gehört, so sprech ich heute Abend

Auf ein Gericht Karauschen bei euch ein.

Dem Luder muß sie ganz jetzt durch die Gurgel,

Ist sie zu groß, so mag’s den Tod dran fressen.

WALTER

erblickt die Perücke.

Was bringt uns Frau Brigitte dort für eine Perücke?

LICHT

Gnäd’ger Herr?

WALTER

Was jene Frau uns dort für eine

Perücke bringt?

LICHT

Hm!

WALTER

Was?

LICHT

Verzeiht —

WALTER

Werd ich’s erfahren?

LICHT

Wenn Ew. Gnaden gütigst

Die Frau, durch den Herrn Richter fragen wollen,

So wird, wem die Perücke angehört,

Sich, und das Weitre, zweifl’ ich nicht ergeben.

WALTER

— Ich will nicht wissen, wem sie angehört.

Wie kam die Frau dazu? Wo fand sie sie?

LICHT

Die Frau fand die Perücke im Spalier

Bei Frau Margrethe Rull. Sie hing gespießt,

Gleich einem Nest, im Kreuzgeflecht des Weinstocks,

Dicht unterm Fenster, wo die Jungfer schläft.

FRAU MARTHE

Was? Bei mir? Im Spalier?

WALTER

heimlich.

Herr Richter Adam,

Habt ihr mir etwas zu vertraun,

So bitt’ ich, um die Ehre des Gerichtes,

Ihr seid so gut, und sagt mir’s an.

ADAM

Ich euch —?

WALTER

Nicht? Habt ihr nicht —?

ADAM

Auf meine Ehre —

er ergreift die Perücke.

WALTER

Hier die Perücke ist die eure nicht?

ADAM

Hier die Perück’ ihr Herren, ist die meine!

Das ist, Blitz-Element, die nemliche,

Die ich dem Burschen vor acht Tagen gab,

Nach Utrecht sie zum Meister Mehl zu bringen.

WALTER

Wem? Was?

LICHT

Dem Ruprecht?

RUPRECHT

Mir?

ADAM

Hab ich ihm, Schlingel,

Als er nach Utrecht vor acht Tagen ging,

Nicht die Perück’ hier anvertraut, sie zum

Friseur, daß er sie renoviere, hinzutragen?

RUPRECHT

Ob er —? Nun ja. Er gab mir —

ADAM

Warum hat er

Nicht die Perück’, Hallunke, abgegeben?

Warum nicht hat er sie, wie ich befohlen,

Beim Meister in der Werkstatt abgegeben?

RUPRECHT

Warum ich sie —? Gott’s, Himmel-Donner — Schlag!

Ich hab’ sie in der Werkstatt abgegeben.

Der Meister Mehl nahm sie —

ADAM

Sie abgegeben?

Und jetzt hängt sie im Weinspalier bei Marthens?

O wart, Canaille! So entkommst du nicht.

Dahinter steckt mir von Verkappung was,

Und Meuterei, was weiß ich? — Wollt ihr erlauben,

Daß ich sogleich die Frau nur inquirire?

WALTER

Ihr hättet die Perücke —?

ADAM

Gnäd’ger Herr,

Als jener Bursche dort, vergangnen Dienstag,

Nach Utrecht fuhr mit seines Vaters Ochsen,

Kam er in’s Amt, und sprach, Herr Richter Adam,

Habt ihr im Städtlein etwas zu bestellen?

Mein Sohn, sag ich, wenn du so gut willt sein,

So laß mir die Perück’ hier auftoupiren —

Nicht aber sagt’ ich ihm, geh und bewahre

Sie bei dir auf, verkappe dich darin,

Und laß sie im Spalier bei Marthens hängen.

FRAU BRIGITTE

Ihr Herrn, der Ruprecht, mein’ ich, halt zu Gnaden,

Der war’s wohl nicht. Denn da ich gestern nacht

Hinaus auf’s Vorwerk geh’, zu meiner Muhme,

Die schwer im Kindbett liegt, hört’ ich die Jungfer

Gedämpft, im Garten hinten jemand schelten:

Wuth scheint und Furcht die Stimme ihr zu rauben.

Pfui, schäm’ er sich, er Niederträchtiger,

Was macht er? Fort. Ich werd’ die Mutter rufen;

Als ob die Spanier im Lande wären.

Drauf: Eve! durch den Zaun hin: Eve! ruf’ ich.

Was hast du? Was auch giebt’s? — Und still wird es:

Nun? Wirst du antworten? — Was wollt ihr, Muhme?

Was hast du vor? frag’ ich. — Was werd’ ich haben.

Ist es der Ruprecht? — „Ei so ja, der Ruprecht.

Geht euren Weg doch nur.“ — So koch dir Thee.

Das liebt sich, denk’ ich, wie sich andre zanken.

FRAU MARTHE

Mithin —?

RUPRECHT

Mithin —?

WALTER

Schweigt! Laßt die Frau vollenden.

FRAU BRIGITTE

Da ich vom Vorwerk nun zurückekehre,

Zur Zeit der Mitternacht etwa, und just,

Im Lindengang, bei Marthens Garten bin,

Huscht euch ein Kerl bei mir vorbei, kahlköpfig,

Mit einem Pferdefuß, und hinter ihm

Erstinkt’s wie Dampf von Pech und Haar und Schwefel.

Ich sprech’ ein Gott sei bei uns aus, und drehe

Entsetzensvoll mich um, und seh’, mein Seel’,

Die Glatz ihr Herrn im Verschwinden noch,

Wie faules Holz, den Lindengang durchleuchten.

RUPRECHT

Was! Himmel — Tausend —!

FRAU MARTHE

Ist sie toll, Frau Briggy?

RUPRECHT

Der Teufel, meint Sie, wär’s —?

LICHT

Still! Still!

FRAU BRIGITTE

Mein Seel!

Ich weiß, was ich gesehen und gerochen.

WALTER

ungeduldig.

Frau, ob’s der Teufel war, will ich nicht untersuchen,

Ihn aber, ihn denunciirt man nicht.

Kann sie von einem andern melden, gut:

Doch mit dem Sünder da verschont sie uns.

LICHT

Wollen Ew. Gnaden sie vollenden lassen.

WALTER

Blödsinnig Volk, das!

FRAU BRIGITTE

Gut, wie ihr befehlt.

Doch der Herr Schreiber Licht sind mir ein Zeuge.

WALTER

Wie? Ihr ein Zeuge?

LICHT

Gewissermaßen, ja.

WALTER

Fürwahr, ich weiß nicht —

LICHT

Bitte ganz submiß,

Die Frau in dem Berichte nicht zu stören.

Daß es der Teufel war, behaupt’ ich nicht;

Jedoch mit Pferdefuß, und kahler Glatze

Und hinten Dampf, wenn ich nicht sehr mich irre,

Hat’s seine völl’ge Richtigkeit! — Fahrt fort!

FRAU BRIGITTE

Da ich nun mit Erstaunen heut vernehme,

Was bei Frau Marthe Rull geschehn, und ich

Den Krugzertrümmrer auszuspioniren,

Der mir zu Nacht begegnet am Spalier,

Den Platz, wo er gesprungen, untersuche,

Find ich im Schnee, ihr Herrn, euch eine Spur —

Was find ich euch für eine Spur im Schnee?

Rechts fein und scharf und nett gekantet immer,

Ein ordentlicher Menschenfuß,

Und links unförmig grobhin eingetölpelt

Ein ungeheurer klotz’ger Pferdefuß.

WALTER

ärgerlich.

Geschwätz, wahnsinniges, verdammenswürd’ges —!

VEIT

Es ist nicht möglich, Frau!

FRAU BRIGITTE

Bei meiner Treu!

Erst am Spalier, da, wo der Sprung geschehen,

Seht, einen weiten, schneezerwühlten Kreis,

Als ob sich eine Sau darin gewälzt;

Und Menschenfuß und Pferdefuß von hier,

Und Menschenfuß und Pferdefuß, und Menschenfuß und Pferdefuß,

Quer durch den Garten, bis in alle Welt.

ADAM

Verflucht! — hat sich der Schelm vielleicht erlaubt,

Verkappt des Teufels Art —?

RUPRECHT

Was! Ich!

LICHT

Schweigt! Schweigt!

FRAU BRIGITTE

Wer einen Dachs sucht, und die Fährt’ entdeckt,

Der Waidmann, triumphirt nicht so, als ich.

Herr Schreiber Licht, sag’ ich, denn eben seh’ ich,

Von Euch geschickt, den Würd’gen zu mir treten,

Herr Schreiber Licht, spart Eure Session,

Den Krugzertrümmerer judicirt ihr nicht,

Der sitzt nicht schlechter euch, als in der Hölle:

Hier ist die Spur die er gegangen ist.

WALTER

So habt ihr selbst euch überzeugt?

LICHT

Ew. Gnaden,

Mit dieser Spur hat’s völl’ge Richtigkeit.

WALTER

Ein Pferdefuß?

LICHT

Fuß eines Menschen, bitte,

Doch praeter propter wie ein Pferdehuf.

ADAM

Mein Seel, ihr Herrn, die Sache scheint mir ernsthaft.

Man hat viel beißend abgefaßte Schriften,

Die, daß ein Gott sei, nicht gestehen wollen;

Jedoch den Teufel hat, soviel ich weiß,

Kein Atheist noch bündig wegbewiesen.

Der Fall, der vorliegt, scheint besonderer

Erörtrung werth. Ich trage darauf an,

Bevor wir ein Conclusum fassen,

Im Haag bei der Synode anzufragen,

Ob das Gericht befugt sei, anzunehmen,

Daß Belzebub den Krug zerbrochen hat.

WALTER

Ein Antrag, wie ich ihn von euch erwartet.

Was wohl meint ihr, Herr Schreiber?

LICHT

Ew. Gnaden werden

Nicht die Synode brauchen, um zu urtheil’n.

Vollendet — mit Erlaubniß! — den Bericht,

Ihr Frau Brigitte, dort; so wird der Fall

Aus der Verbindung, hoff’ ich, klar constiren.

FRAU BRIGITTE

Hierauf: Herr Schreiber Licht, sag’ ich, laßt uns

Die Spur ein wenig doch verfolgen, sehn,

Wohin der Teufel wohl entwischt mag sein.

Gut, sagt er, Frau Brigitt’, ein guter Einfall;

Vielleicht gehn wir uns nicht weit um,

Wenn wir zum Herrn Dorfrichter Adam gehn.

WALTER

Nun? Und jetzt fand sich —?

FRAU BRIGITTE

Zuerst jetzt finden wir

Jenseits des Gartens, in dem Lindengange,

Den Platz, wo Schwefeldämpfe von sich lassend,

Der Teufel bei mir angeprellt: ein Kreis,

Wie scheu ein Hund etwa zur Seite weicht,

Wenn sich die Katze prustend vor ihm setzt.

WALTER

Drauf weiter?

FRAU BRIGITTE

Nicht weit davon jetzt steht ein Denkmal seiner,

An einem Baum, daß ich davor erschrecke.

WALTER

Ein Denkmal? Wie?

FRAU BRIGITTE

Wie? ja, da werdet ihr —

ADAM

für sich.

Verflucht mein Unterleib.

LICHT

Vorüber, bitte,

Vorüber hier, ich bitte, Frau Brigitte.

WALTER

Wohin die Spur euch führte, will ich wissen!

FRAU BRIGITTE

Wohin? Mein Treu, den nächsten Weg zu euch,

Just wie Herr Schreiber Licht gesagt.

WALTER

Zu uns? Hierher?

FRAU BRIGITTE

Vom Lindengange, ja,

Auf’s Schulzenfeld, den Karpfenteich entlang,

Den Steg, quer über’n Gottesacker dann,

Hier, sag’ ich, her, zum Herrn Dorfrichter Adam.

WALTER

Zum Herrn Dorfrichter Adam?

ADAM

Hier zu mir?

FRAU BRIGITTE

Zu euch, ja.

RUPRECHT

Wird doch der Teufel nicht

In dem Gerichtshof wohnen?

FRAU BRIGITTE

Mein Treu, ich weiß nicht,

Ob er in diesem Hause wohnt; doch hier,

Ich bin nicht ehrlich, ist er abgestiegen:

Die Spur geht hinten ein bis an die Schwelle.

ADAM

Sollt’ er vielleicht hier durchpassirt —?

FRAU BRIGITTE

Ja, oder durchpassirt. Kann sein. Auch das.

Die Spur vornaus —

WALTER

War eine Spur vornaus?

LICHT

Vornaus, verzeihn Ew. Gnaden, keine Spur.

FRAU BRIGITTE

Ja, vornaus war der Weg zertreten.

ADAM

Zertreten. Durchpassirt. Ich bin ein Schuft.

Der Kerl, paßt auf, hat den Gesetzen hier

Was angehängt. Ich will nicht ehrlich sein,

Wenn es nicht stinkt in der Registratur.

Wenn meine Rechnungen, wie ich nicht zweifle,

Verwirrt befunden werden sollten,

Auf meine Ehr’, ich stehe für nichts ein.

WALTER

Ich auch nicht.

für sich.

Hm! Ich weiß nicht, war’s der Linke,

War es der Rechte? Seiner Füße Einer —

Herr Richter! Eure Dose! — Seid so gefällig.

ADAM

Die Dose?

WALTER

Die Dose. Gebt! hier!

ADAM

zuLicht.

Bringt dem Herrn Gerichtsrath.

WALTER

Wozu die Umständ’? Einen Schritt gebraucht’s.

ADAM

Es ist schon abgemacht. Gebt Sr. Gnaden.

WALTER

Ich hätt euch was ins Ohr gesagt.

ADAM

Vielleicht, daß wir nachher Gelegenheit —

WALTER

Auch gut.

nachdem sich Licht wieder gesetzt.

Sagt doch, ihr Herrn, ist jemand hier im Orte,

Der mißgeschaffne Füße hat?

LICHT

Hm! Allerdings ist jemand hier in Huisum —

WALTER

So? Wer?

LICHT

Wollen Ew. Gnaden den Herrn Richter fragen —

WALTER

Den Herrn Richter Adam?

ADAM

Ich weiß von nichts.

Zehn Jahre bin ich hier im Amt zu Huisum,

So viel ich weiß, ist Alles grad gewachsen.

WALTER

zu Licht.

Nun? Wen hier meint ihr?

FRAU MARTHE

Laß er doch seine Füße draußen!

Was steckt er unter’n Tisch verstört sie hin,

Daß man fast meint, er wär die Spur gegangen.

WALTER

Wer? Der Herr Richter Adam?

ADAM

Ich? Die Spur?

Bin ich der Teufel? Ist das ein Pferdefuß?

er zeigt seinen linken Fuß.

WALTER

Auf meine Ehr’. Der Fuß ist gut.

heimlich

Macht jetzt mit der Session sogleich ein Ende.

ADAM

Ein Fuß, wenn den der Teufel hätt’,

So könnt’ er auf die Bälle gehn und tanzen.

FRAU MARTHE

Das sag’ ich auch. Wo wird der Herr Dorfrichter —

ADAM

Ach, was! Ich!

WALTER

Macht’, sag’ ich, gleich ein Ende.

FRAU BRIGITTE

Den einz’gen Skrupel nur, ihr würd’gen Herrn,

Macht, dünkt mich, dieser feierliche Schmuck!

ADAM

Was für ein feierlicher —?

FRAU BRIGITTE

Hier, die Perücke!

Wer sah den Teufel je in solcher Tracht?

Ein Bau, gethürmter, strotzender von Talg,

Als eines Domdechanten auf der Kanzel!

ADAM

Wir wissen hier zu Land nur unvollkommen,

Was in der Hölle Mod’ ist, Frau Brigitte!

Man sagt, gewöhnlich trägt er eignes Haar.

Doch auf der Erde, bin ich überzeugt,

Wirft er in die Perücke sich, um sich

Den Honoratioren beizumischen.

WALTER

Nichtswürd’ger! Werth, vor allem Volk ihn schmachvoll

Vom Tribunal zu jagen! Was euch schützt,

Ist einzig nur die Ehre des Gerichts.

Schließt eure Session!

ADAM

Ich will nicht hoffen —

WALTER

Ihr hofft jetzt nichts. Ihr zieht euch aus der Sache.

ADAM

Glaubt ihr, ich hätte, ich, der Richter, gestern,

Im Weinstock die Perücke eingebüßt?

WALTER

Behüte Gott! Die eur’ ist ja im Feuer,

Wie Sodom und Gomorrha, aufgegangen.

LICHT

Vielmehr — vergebt mir, gnäd’ger Herr! die Katze

Hat gestern in die seinige gejungt.

ADAM

Ihr Herrn, wenn hier der Anschein mich verdammt:

Ihr übereilt euch nicht, bitt’ ich. Es gilt

Mir Ehre oder Prostitution.

Solang die Jungfer schweigt, begreif’ ich nicht,

Mit welchem Recht ihr mich beschuldiget.

Hier auf dem Richterstuhl von Huisum sitz’ ich,

Und lege die Perücke auf den Tisch:

Den, der behauptet, daß sie mein gehört,

Fordr’ ich vor’s Oberlandgericht in Utrecht.

LICHT

Hm! Die Perücke paßt euch doch, mein Seel,

Als wär auf euren Scheiteln sie gewachsen.

er setzt sie ihm auf.

ADAM

Verläumdung!

LICHT

Nicht?

ADAM

Als Mantel um die Schultern

Mir noch zu weit, wie viel mehr um den Kopf.

er besieht sich im Spiegel.

RUPRECHT

Ei, solch ein Donnerwetter-Kerl!

WALTER

Still, er!

FRAU MARTHE

Ei, solch ein Blitz verfluchter Richter, das!

WALTER

Noch einmal, wollt ihr gleich, soll ich die Sache enden?

ADAM

Ja, was befehlt ihr?

RUPRECHT

zu Eve.

Eve, sprich, ist er’s?

WALTER

Was untersteht der Unverschämte sich?

VEIT

Schweig du, sag’ ich.

ADAM

Wart, Bestie! Dich fass’ ich.

RUPRECHT

Ei, du Blitz-Pferdefuß!

WALTER

Heda! der Büttel!

VEIT

Halt’s Maul, sag’ ich.

RUPRECHT

Wart! Heute reich’ ich dich.

Heut’ streust du keinen Sand mir in die Augen.

WALTER

Habt ihr nicht so viel Witz, Herr Richter —?

ADAM

Ja, wenn Ew. Gnaden

Erlauben, fäll ich jetzo die Sentenz.

WALTER

Gut. Thut das. Fällt sie.

ADAM

Die Sache jetzt constirt,

Und Ruprecht dort, der Racker, ist der Thäter.

WALTER

Auch gut das. Weiter.

ADAM

Den Hals erkenn ich

Ins Eisen ihm, und weil er ungebührlich

Sich gegen seinen Richter hat betragen,

Schmeiß ich ihn ins vergitterte Gefängniß.

Wie lange, werd ich noch bestimmen.

EVE

Den Ruprecht —?

RUPRECHT

In’s Gefängniß mich?

EVE

In’s Eisen?

WALTER

Spart eure Sorgen Kinder. — Seid ihr fertig?

ADAM

Den Krug meinthalb mag er ersetzen, oder nicht.

WALTER

Gut denn. Geschlossen ist die Session.

Und Ruprecht appellirt an die Instanz zu Utrecht.

EVE

Er soll, er, erst nach Utrecht appelliren?

RUPRECHT

Was? Ich —?

WALTER

Zum Henker, ja! Und bis dahin —

EVE

Und bis dahin —?

RUPRECHT

In das Gefängniß gehn?

EVE

Den Hals in’s Eisen stecken? Seid ihr auch Richter?

Er dort, der Unverschämte, der dort sitzt,

Er selber war’s —

WALTER

Du hörst’s, zum Teufel! Schweig!

Ihm bis dahin krümmt sich kein Haar —

EVE

Auf, Ruprecht!

Der Richter Adam hat den Krug zerbrochen!

RUPRECHT

Ei, wart, du!

FRAU MARTHE

Er?

FRAU BRIGITTE

Der dort?

EVE

Er, ja! Auf Ruprecht!

Er war bei deiner Eve gestern!

Auf! Fass’ ihn! Schmeiß ihn jetzo, wie du willst.

WALTER

steht auf.

Halt dort! Wer hier Unordnungen —

EVE

Gleichviel!

Das Eisen ist verdient, geh Ruprecht!

Geh schmeiß ihn von dem Tribunal herunter.

ADAM

Verzeiht, ihr Herrn.

läuft weg.

EVE

Hier! Auf!

RUPRECHT

Halt’ ihn!

EVE

Geschwind!

ADAM

Was?

RUPRECHT

Blitz-Hinketeufel!

EVE

Hast du ihn?

RUPRECHT

Gotts Schlag und Wetter!

Es ist sein Mantel bloß!

WALTER

Fort! Ruft den Büttel!

RUPRECHT

schlägt den Mantel.

Ratz! Das ist Eins. Und Ratz! Und Ratz! Noch Eins.

Und noch Eins! In Ermangelung des Buckels.

WALTER

Er ungezogner Mensch! — Schafft hier mir Ordnung!

— An ihm, wenn er sogleich nicht ruhig ist,

Ihm wird der Spruch vom Eisen heut noch wahr.

VEIT

Sei ruhig, du vertrackter Schlingel!