Threnodie I
All ihr Tränen, die einst Heraklit vergossen,
Klag’ und Jammer, Simonides’ Mund entflossen,
All ihr Seufzer und Gram auf dem Erdenballe
Und Leid und Weh und Händeringen: ihr alle,
Alle mögt euch in meinem Hause vereinen,
Und helfet mir mein holdes Mädchen beweinen,
Von dem der ruchlose Tod mich hat geschieden
Und jählings mir geraubt allen Trost hinieden!
So holt die Schlange aus dem versteckten Neste
Die junge Brut, dass gierig den Schlund sie mäste,
Indes die arme Mutter zwitschernd voll Zagen
Den Mörder wieder und wieder will verjagen;
Vergeblich, denn schon will er sie selber fangen,
Kaum dass sie ihm mit dem Gefieder entgangen.
Ihr andern sagt wohl, eitel sei es zu weinen?
Was will, bei Gott, nicht eitel auf Erden scheinen?
Alles eitel! Wir tasten, wo’s weicher eben,
Und allseits driickt’s: ein Irren das Menschenleben
Was lindert mehr: im Leiden offen zu klagen,
Oder den Schmerz gewaltsam niederzuschlagen?