Threnodie VIII

Welch große Öde hast du in mein Haus gebracht,

O teure Ursula, seit du dich fortgemacht!

Voll ists bei uns, und doch — als ob nun alles fehle,

So viel verloren wir um eine kleine Seele.

Du hast für uns geschwätzt, für uns hast du gesungen.

In alle Winkel ist dein Trippelschritt gedrungen;

Nie littst du, dass in Gram die Mutter sich verzehr,

Noch dass des Vaters Kopf vom Denken allzu schwer,

Bald ihn, bald wieder sie hold an dein Herzchen schmiegend

Und durch dein Lachen sie, dein fröhliches, vergnügend.

Und jetzt ist alles still, im Haus ists öd und leer,

Zu spielen gibt es nichts, nichts gibts zu lachen mehr.

Aus jedem Winkel fasst den Menschen Leid und Schmerz,

Und, ach, vergeblich späht nach Tröstung aus das Herz.

Threnodie IX

Weisheit, um teures Geld man dich erkaufen müsste,

Wenn sich der Spruch bewährt, du träfest alle Lüste,

All menschlich Weh zusamt den Wurzeln auszuraffen,

Ja selbst den Menschen schier zum Engel umzuschaffen.

Der nichts von Schmerze weiß, kein sehrend Leid verspüret,

Der keinem Missgeschick erliegt, den Furcht nicht rühret.

Dir gilt der Menschen Tun für bloße Nichtigkeit,

Gleichmüt’ge Sinnesart im Glück wie auch im Leid

Trägst du in dir; dem Tod beutst du dich furchtlos dar,

So stehst du sicher da, ewig, unwandelbar.

Du misst den Reichtum nicht mit Gold und Schätzen zu.

Doch was Natur erheischt, das spendest reichlich du;

Dein Auge, dem sich nichts entzieht, das immer wache,

Erspäht den Elenden selbst unter goldnem Dache.

Dem Armen neidst du nicht, dass er sich glücklich heißt,

Wenn er dein Mahnwort nur zu hören sich befleißt.

Ich unglücksel’ger Mann, der ich all meine Jahre

Damit verbracht, dass ich die Schwelle dein gewahre:

Nun von der Treppe Fuß jählings zurückgesetzt,

Bin unter andern ich einer von vielen jetzt.