SALON IM BELVEDERE
Zwei Türen rechts, zwei Türen links.
Im Hintergrund ein Fenster dreigeteilt,
Das bis zum Boden reicht. Dahinter
Der Garten von Łazienki. Fern
Sieht man ein weißes Reitermonument.
JOHANNA
tritt ein
Der Himmel glüht, — ein heller Feuerschein.
GROSSFÜRST KONSTANTIN
tritt ein
Wo ist der Brand?
KURUTA
tritt ein
Es brennt die Stadt.
GENDRE
tritt ein
Nein.
Die Stadt brennt nicht.
GROSSFÜRST
Wo?
GENDRE
Dort ganz hinten weit.
Ich hab im Hof Signale schon gehört.
KURUTA
Es sitzen zwei Schwadronen schon zu Pferd
Und sprengen aus dem Hofe nach der Stadt.
JOHANNA
verlässt den Salon.
GENDRE
Ein Pferd für Seine Hoheit!
KURUTA
Steht bereit.
GROSSFÜRST
Wie? Nein, — ich bleibe. — Dorthin — und wozu?
Mags brennen.
KURUTA
Was denn würden Hoheit sagen,
Wenn diesem einen, diesem ersten Brand
Der zweite folgte und der dritte, vierte,
Wenn aus dem unterirdschen, dunklen Land
Ein Spiel der Flammen züngelnd sich entwirrte —?
GROSSFÜRST
Es sei ein Aufstand.
KURUTA
Hm, — ja — ja — im ganzen
Ein Aufstand nur. — Was weiter? — Nun, es brennt. —
Ja, wenn dies Volk erst mal in Flammen steht,
Wird jedes frische Grab zum Flammenquell.
Für uns wird es ein Totentanz.
GROSSFÜRST
Wir tanzen,
Das goldne Vlies um unsern Hals; wir schlagen
Den Alantei auf und auch sogleich erkennt
Man uns als Diener Seiner Majestät
Des Kaiserlichen Herren. Kavaliere, —
Die sterben nicht, die fallen oder siegen.
Und wills der Zar, so werden wir berühmt.
GENDRE
Und wills der Zar nicht —?
KURUTA
Bleiben wir ihm treu.
GENDRE
verlässt den Salon.
GROSSFÜRST
Er bleibt.
KURUTA
Zu Diensten.
GROSSFÜRST
Idiot.
KURUTA
Nur Mensch.
GROSSFÜRST
Hm, — könnte Er wie ein gewisser Fürst
Zarudzki eine Dirne sich entführen
Und dann im Kreml nach der Krone greifen?
KURUTA
Hoheit sind Herr, — ich Diener.
GROSSFÜRST
Nun, — weiß schon.
KURUTA
Bin treu.
GROSSFÜRST
Und dumm.
KURUTA
Klug, wenn man mirs befiehlt.
GROSSFÜRST
Ah, schlauer Grieche; merkt doch gleich am Ton,
Woher der Wind weht, — und wohin man zielt.
Ich plaudre gern ...
KURUTA
Gewiss, so ganz sans gêne.
GROSSFÜRST
Halts Maul. Hinaus. — Und dienen ... dienen, wie ...
KURUTA
Ein Hund.
GROSSFÜRST
Ja. — Sag Er, hätte Er wohl die
Courage, ins Feuer für den Zar zu gehn?
KURUTA
Auch für des Zaren Bruder, wenn ers soll.
GROSSFÜRST
Den Dolch ins Herz, in Blut getränkt, —
Und dann das Kreuz, das goldne Kreuz;
Hm, — Er wird bleich? Erst wird der Zar
Ihn hängen lassen, doch dann schenkt
Das Kreuz er. — Ah, — Scher Er sich. Pascholt! — —
Adieu, — hier meine Hand, — Adieu, Kamerad.
KURUTA
Hoheit...
GROSSFÜRST
Ich bin ein Philosoph, — es war
Von jeher meine Art, im Finstern so
Mir meine Menschen auszusuchen, — Männer;
Die schöne Seele wittr’ ich stets, — auch wo
Sie nur in lumpiger Umhüllung wandelt.
KURUTA
Hoheit waren stets ein Menschenkenner.
GROSSFÜRST
Ich will Ihm was erzählen, — ja — und zwar
Kameradschaftlich. — Er fürchtet sich doch nicht
Vor Strafe?
KURUTA
Hols der Satan! Um was handelt
Sichs denn?
GROSSFÜRST
Der Fürst wird Zar.
KURUTA
lacht auf
GROSSFÜRST
Hinaus! — Was lacht
Der Satan?
KURUTA
schweigt.
GROSSFÜRST
Weg! Kann Ihn nicht brauchen.
KURUTA
bleibt.
GROSSFÜRST
Weg!
Hinaus! Fort zu den Karten.
Stößt Kuruta zur Tür hinaus; allein; klopft an die Tür links. In der Türe erscheint
JOHANNA
geht bis zur Mitte des Salons.
GROSSFÜRST
schließt sämtliche Türen; geht zum Schreibtisch
Seit frühem Morgen schieb ich es hinaus
Und gestern schon den ganzen Tag und auch
Vorgestern bis zu diesem Augenblick,
Da der Begebenheiten Uhr die Stunde
Für mich und jene kündet.
Schlägt mit der Hand an den Schreibtisch
Hier, — des Kaisers Brief.
JOHANNA
Des Zaren!?
GROSSFÜRST
Seines Bruders. Die Ernennung.
JOHANNA
Und zum Befreier!
GROSSFÜRST
Nein, — zum Henker.
JOHANNA
Wie?
GROSSFÜRST
Der Zar ist toll.
JOHANNA
Was soll das heißen ... ?
GROSSFÜRST
Schweigen,
Und ein Geheimnis, — unumschränkte Macht, —
Komödie, — Schmutz! Ich stehe heut ...
JOHANNA
In Flammen.
GROSSFÜRST
Ich packe zu, — und liefere die Schlacht,
In Blut getaucht erschein ich euch und hole
Dem Polen seine Freiheit von den Sternen, —
Und werde selber was, kein Narr, kein Popanz,
Lakai des Zaren, werde selber Zar
Von Polen, — durch das Blut, —
JOHANNA
Du!!
GROSSFÜRST
Werde Pole.
JOHANNA
Du lügst.
GROSSFÜRST
Schweig still!
JOHANNA
Du winselst und du fluchst.
GROSSFÜRST
Hör zu, — und schweig, — ich scherze nicht; du suchst
Vergebens dich zu täuschen, ich bin doch
So wach wie nie und werde löwenstark,
Ich dürste heut nach Blut, — nach Kampf, — ich roch
Blut in der Luft. — Ein Gott werd ich durch dich.
JOHANNA
Du lügst.
GROSSFÜRST
Du Schöne, — leise, — leiser sprich,
Denn jedes Wort von dir erdrückt, zermalmt.
Hör mich, — und schweig. — Wir sahen einen Krieg,
Und werden ihn jetzt abermals erleben.
Du Herrliche, Erhabene wirst Zarin; — —
Ich sehe schon den Purpurbaldachin
Sich über deinem Haupte neigen
Und einer Krone selten kostbar Gut
Wird dir zu eigen.
Du bist mein Weib. — Krieg, Krieg und Blut.
Die Polen gleichen Löwen, alles werden
Sie sich erstreiten und wie Eiskristalle
Durchdringen und durchbohren sie die Erden.
Wie denn? Des Kaisers Adler wären tot?!
Nun, Polin?!
JOHANNA
Oh, mein Herz sieht klar. Ein Traum, —
Du, — du — was spinnst du — —?
GROSSFÜRST
Es erbleicht der Zar.
JOHANNA
Wider den Bruder — du, der Bruder — —
GROSSFÜRST
War
Er Zaubrer dir?! Glaub mir, — ein solches Wort,
Wie ich es sprach, hört es der Zar, der Schaum
Von seinem Munde würde Tausende
Vergiften. Ah! Der eifersüchtige Zar, —
Ich werde mehr als er, ja, denn ich bin
Von Polen König — und dein Glaube ist
Mit mir. Nun sprich! Begreifst du jetzt den Sinn —?
JOHANNA
Ein Anschlag.
GROSSFÜRST
Meine Stunde nahet nun!
Wie? — Nur dahin mich deine Stimme wies.
Bin ich gegangen. Polin, du.
JOHANNA
Ah! Hysterie.
Du spielst Komödie und willst mich betrügen.
Gib mir den Brief, — ich will ihn lesen...
GROSSFÜRST
entnimmt den Brief dem Schreibtisch und gibt ihn ihr
Lies.
Was weißt du nun? Plein pouvoir. — Wie?
Ah, du begreifst. — Nun sprich, so sags doch, — du,
Schrei es hinaus, dein Blut, es wallt. Du stehst
Vor mir, das Messer in der Hand. — Stoß zu!
Wie? — Was? —
JOHANNA
Geh weg!
GROSSFÜRST
Aha! Du fürchtest dich. —
Wovor —? Wie leuchtet, Polin, deine Seele,
Du strahlst, in deinen Augen sprühen Funken,
Da brennts, da loderts, — purpurflammentrunken.
Sag, — hättest du wohl Lust — von Meer zu Meer?
Nun breite deine Schwingen aus, — flieg her.
Verbirg dich nicht, ich weiß, du leidest Qualen
Und glühst in Schmerzen, — heilige, keusche Glut —
Vestalin du, — du Reine, — lausche gut
Mir die Gedanken ab.
JOHANNA
Du Bankrottier.
Spielst mir Komödie vor, — geh weg von mir.
Du lachst des Herzens und der Seele.
GROSSFÜRST
Puppe, —
Du Wunderbild, — geraubtes Kleinod Polens,
Wie stolz du bist, wie herrlich, und wie bleich.
Wer bist du? Meine Sklavin. — Nun, ganz gleich
Auch meine Gattin. Ja. — So liebe mich!
Der Genius ist erwacht in mir; — versprich
Mir, dass du meiner denkst; denn sieh, der Geist
In mir erwachte, — und er weist
Heut zu den Höhen. Meine Seele irrte
Und taumelte in Elend, in dem Schmutz
Gemeiner Freuden, — ja —, ich war ein Lump;
Doch du, — du heiligst mich, — du wunderbare Reine,
So jung und unberührt warst du die Meine. —
Bist meine Sklavin. — Gib mir deine Lippen,
Lass mich den heißen, süßen Atem trinken,
Mich dürstet nach der Reinheit deiner Seele
Und nach dem roten Mund. — Du sollst versinken
In meinen Armen und die Lilien blühen
Als Hochzeitsfackeln in der Liebesnacht. —
Gib deine Lippen.
JOHANNA
Lass. —
GROSSFÜRST
Die Wangen glühen,
Dein Blut —
JOHANNA
Lass mich.
GROSSFÜRST
So fühle meine Macht.
JOHANNA
Weg.
GROSSFÜRST
Ah! Du wirst die Wollust preisen, Weib,
Mir danken, — bist ja Weib, du fällst ...
JOHANNA
Gemein.
GROSSFÜRST
Du bist so schwach, — du Blume, — deinen Leib
Will ich erschließen, er soll duftend sein. —
— Dirne! Scher dich hinaus.
JOHANNA
geht.
GROSSFÜRST
Bleib.
JOHANNA
steht.
Schweigen.
GROSSFÜRST
senkt den Blick; steht willenlos.
JOHANNA
wendet den Kopf nach dem Fenster
Stehn dort nicht Menschen —?
GROSSFÜRST
Lass. Was solls?
Unbeweglich
Wie es mich quält. Ich muss jetzt ernstlich an
Das Werk; muss handeln, muss Befehle geben.
So vieles muss man können, wissen, man
Muss überwinden sich und muss daneben
Verdacht verscheuchen und die Schatten bannen. —
Wer ist mein Feind —?
JOHANNA
Sieh dort hinaus.
GROSSFÜRST
Gewissen.
Scharf
Was willst du?
Zärtlich
Komm. Verlangt es dich denn nicht
Nach meinem Kusse? Liebe, — Traum, — du jagst
Gespenstern nach im Garten.
JOHANNA
Schwarz umrissen
Dort auf den Wassern Nebelstreifen, — dicht
Beim Monument ein Schatten.
GROSSFÜRST
Träumerin, —
Du Süße, — jagst die Schatten, ah, ich bin
Verloren, wenn der Geist mir nicht erstarkt.
Sich ins Gewaltge weitet. Heut verspürte
Ich einen Hauch von Größe, — eingesargt
Lieg ich nun tief, — ich war zu schwach, zu klein, —
Ich bin ein andrer heut als sonst, verstehe
Mich selber nicht. Erhabne Größe sehe
Ich und erzittere...
JOHANNA
Myriaden Sterne —
Sie funkeln...
GROSSFÜRST
Nicht auf Erden weilst du, nein,
Jenseits der Grenzen, — dort — ganz weit, — ganz ferne.
JOHANNA
Mich friert.
GROSSFÜRST
Die Schatten an den Fenstern dort —
JOHANNA
Dort stehen Menschen.
GROSSFÜRST
Wachen sind am Eingang
Postiert. — Du liesest Lamartine —
JOHANNA
Ich fing
Heut morgen an. Erhabne Harmonien
Der Sphären schwingen in den Weltenraum
Und Gott scheint grenzenlos. Die Seelen ziehen
Über den Wassern hin in heilig reiner
Erhabner Liebe, still und ohne Sünden;
Und denken morgens, denken abends seiner.
GROSSFÜRST
So träumst du und siehst Menschen, wo sie nicht zu finden;
Die Lebenden gewahrst du nicht.
JOHANNA
Ein Traum; —
Mit Seelenaugen les ich im Gestirn, —
Und bin so dankbar...
GROSSFÜRST
Ja, dem französischen Grafen mit dem Hirn
Der Eule und dem Weibsgefühl. — Umstellt
Von zwei Schwadronen ist der Park, hierher
Kommt niemand. — Oder doch? — Was meinst du wer —?
JOHANNA
Niemand. — Vielleicht sinds auch die Bäume nur
Die rauschen —? Immer dichtrer Nebel fällt, —
GROSSFÜRST
An deiner Wimper hängen Tränen.
JOHANNA
Ach. —
Was tuts.
GROSSFÜRST
Ich bin dein Sklave, — ich bin schwach,
Bin wieder gut, — und bin gerührt, — ich küsse
Dich wieder, komm, — vergib.
JOHANNA
Das Monument
Dort in der Ferne bannt den Blick und mit
Geheimem Zauber lockt das Bild.
GROSSFÜRST
Genug.
JOHANNA
Ich gehe in den Garten, — —
GROSSFÜRST
stampft mit dem Fuße.
Keinen Schritt.
Du bleibst.
JOHANNA
Gut denn. Ich bleibe schon — und du,
Woran denkst du —?
GROSSFÜRST
So geh.
JOHANNA
Dorthin, — wozu?
GROSSFÜRST
Ein Zauber weht, — du weißer Zaubrer du, —
Du Heiliger und Krieger. — Hörst du ...?
JOHANNA
Flüstern.
GROSSFÜRST
Es raschelt in den Zweigen. Es ist der Wind. —
Wie alle Schatten dort lebendig sind
Im Garten.
JOHANNA
Nun ists wieder still.
GROSSFÜRST
Du bist
Verliebt in diesen kalten Stein ...?
JOHANNA
Mag sein.
GROSSFÜRST
Ich stürze ihn von seinem Pferd herab.
JOHANNA
Ich seh ja nicht mehr hin.
GROSSFÜRST
Ich lass ihn sprengen.
JOHANNA
verächtlich
Ach du!
GROSSFÜRST
Ich lasse ihn vergolden und
In purem Gold soll er dir leuchten, — dann
Will ich mich mit ihm messen — Aug in Auge,
Der Held —
JOHANNA
Mit dem Gesindel.
GROSSFÜRST
Schweig!
Packt ihr Handgelenk.
JOHANNA
Was ist
Denn nur —?
GROSSFÜRST
Du stolzgenährte Seele du,
Bist schwach —, schließ, Blume, deine Kelche zu.
Du glühst und diesen Purpur hat auf deine Wangen
Gezaubert heißer Wünsche heimliches Verlangen,
Die der Erfüllung harren; regenbogengleich
Malst du das Wolkenmeer mit bunten Lichtern
Und jeder Windstoß scheucht den Glanz hinfort.
Du arme Blume, hauchverwirrt und schüchtern
Schwankst du entwurzelt heimatlicher Erde,
Und Polens Zauberduft umwebte dich,
Ließt dich berücken, glaubtest dich so reich, —
Ich brech den Zauber. —
JOHANNA
Du bist widerlich.
GROSSFÜRST
Du Kurtisane, — deine Wangen brennen,
Du stehst in Flammen. — Komm nun —
JOHANNA
Lass.
GROSSFÜRST
Komm her.
JOHANNA
Weg.
GROSSFÜRST
Dirne! Komm.
JOHANNA
Heilige Jungfrau! Nein —,
Erzwing es nicht.
GROSSFÜRST
Den Zwang vergisst du bald. —
Wonach verlangst du denn? Dort —, in dem Zimmer
Seh ich dich schon in meinen Armen liegen,
Und dich in Ohnmacbt und in Wollust biegen.
Es ekelt dich? Ich kann nur lachen. Schlimmer
Kann es nicht kommen, — du wirst trotzdem küssen,
Wirst schmeicheln, kosen, girren, und wirst schrein,
Haha! Was wirst du schreien.
JOHANNA
Heilge Jungfrau!
GROSSFÜRST
Die Hände weg!
JOHANNA
Du brichst sie mir entzwei.
O Schmach, o Qual!
GROSSFÜRST
Du sollst die Lust genießen,
Du Weib und schamhaft wie ein Mädchen, du, —
Du bist wohl eines Thrones wert, — wirst Zarin ...
JOHANNA
sinkt zu Boden
Ich Unglückliche.
GROSSFÜRST
Fluch nicht, — — wimmere nicht, —
Sei still —, ganz still —!
JOHANNA
Weg!
GROSSFÜRST
Ah, wie schön du bist
In deinem heilgen Zorn, in deinem Schmerz.
JOHANNA
Lass mich, ich rase.
GROSSFÜRST
Dummchen, — Tollkopf du,
Im Wahnsinn liegt ja meine Kraft, ich bin
Ein Löwe heut im Wahnsinn. — Könntest du glühen.
O könnten Flammen lodernd dich umspielen,
Dir Hals und Nacken, deinen Leib umblühen,
Und könnten heiße Schauer deinen kühlen
Leib im Glutenrausch zerwühlen,
Dass du die weißen, weichen Arme mir
Um meinen Nacken schlängst, mich trunken machtest
In nie verlöschender, glühender Gier,
Du, — könntest du —
JOHANNA
O diese Qual. Erbarmen!
Es schwinden mir die Sinne und mir graust. —
Was schreist du so — gewaltig? — Es umbraust
Ein Sturmwind mich —
GROSSFÜRST
Ein Sturmwind — wie? — Ich wäre
Ein Sturmwind, — ein Orkan —
JOHANNA
Im Hof dort —? Höre —
Ein Wimmern? — Rauschen so die Bäume —?
GROSSFÜRST
Es ist
Der Zauber. Träume nur, — in meinen Armen
Träum weiter, Seherin, verzaubert Weib.
Gib mir den Frieden meiner Seele wieder, —
Gib deine Lippen —
JOHANNA
Du...
GROSSFÜRST
Gib deinen Leib.
JOHANNA
Gib, — gib, — o küsse mich, — du mein Geliebter,
Sei stark, o tu’s — halt mich — vor meinem Blick,
In meiner Seele senkt die Nacht sich nieder;
Verwirrt die Sinne. Schwarze Nebel sanken
Vor Aug und Seele, — tot sind die Gedanken,
Tot, — nur ein Rauschen, — Sprühen — —
GROSSFÜRST
Ah! du liebst,
Küss mich. —
JOHANNA
Ah —!
GROSSFÜRST
Küss mich.
JOHANNA
Still...
GROSSFÜRST
Es ist ja nichts.
JOHANNA
Was war das? — Ja. — Es pfeift der Wind, — es klirren
Die Fensterscheiben, — in der Luft ein Schwirren,
Ein Wispern und ein Schluchzen; — wer — wer — sinnt ...?
GROSSFÜRST
Es rauscht der Nordwind.
JOHANNA
Ja, — es weht der Wind.
GROSSFÜRST
Du weinst. — Warum? — Weinst, weil du liebst. — Du Liebe,
Geliebte du, — du Priesterin der Liebe —
JOHANNA
Ich bin von Sinnen. Ja. — Du bist jetzt mein. —
Wer stöhnt dort drauß? Hascht des Windes Wehn?
Wer flucht so böse, — flucht vielleicht dir — mir —?
GROSSFÜRST
Gib deine Lippen.
JOHANNA
Küsse dir den Tod.
GROSSFÜRST
Gib mir den Mund — er ist so heiß und rot, —
JOHANNA
Die Liebe zu mir ließ den Thron dich schmähn.
GROSSFÜRST
Ich werde dir erringen einen Thron
Und setze dir aufs Haupt das Diadem.
JOHANNA
Du mein — Geliebter — Herr —
GROSSFÜRST
Ich schenke dir
Ein Königreich —
JOHANNA
In St. Johannis Kirche.
GROSSFÜRST
Ein Zarentum.
JOHANNA
Die Krone ist erstanden.
Nicht erst seit heute fühl ich es und weiß
Und wünsche und verlange, —
Und bebe und bange.
Du mein Geliebter, — Held, — du stießt ins Horn
Und riefst zum Kampf und alle fanden
Sich ein, — die Ritter all auf dein Geheiß.
Sie werden siegen! — Fürchterlicher Zorn
Packt mich, — Geliebter du, — erhebe
Dich und verdirb den Zaren,
Erwürge ihn, — zerschmettre ihn.
Entfache Stürme und belebe
Die Flammen. — Hab mich lieb,
Küss mich, — du — deine Lippen gib;
Sieh, wie die Flammen aufwärts glühen.
Denn alle sind bereit und harren! —
Empörung!!
GROSSFÜRST
Wie? — Du weißt —?
JOHANNA
Ich weiß. — Dort in
Den Herzen lodert Glut. Dort draußen warten
Sie und vergehen fast. — —
GROSSFÜRST
Dort? — Wo? — Du rast, —
Du weißt nicht, was du sprichst. — Ein Aufstand, — wie?
Ein Aufstand, — wo? Du weißt? — Sprich nun —, du hast
Dich schon verraten.
JOHANNA
Sieh mir in die Augen.
Spion des Zaren. Oh, mein Traum —, gemein.
Du Lügner —, hast ja Angst, du Feigling, denn
Du stehst allein — —
GROSSFÜRST
Ich bin allein. — — So habe
Ich mich verraten. — Wie? — Womit? —
Was war ich denn? — Du sprachst:
Spion des Zaren. Du, mein Weib,
Mein Liebstes auf der Welt, du brachst
Mir meinen Willen und den Leib
Hast du vergiftet. Und hast mich
Gestürzt. Ich wollte hoch empor,
Ich hatt den Willen, wollte zu den Höhen
Empor mich schwingen mit dem Adlerchor; —
Du wolltest es nicht dulden, aus der Seele
Zerwühlten Tiefen brachtest du ans Liebt
Nur das Gemeine. So bist du mein Feind. —
Und sah ich nicht
In Ohnmacht dich zu meinen Füßen liegen, —
Um Liebe flehen?
Was weiß ich? Kann ich mich betrügen —?
Ein Zauber geht jetzt um, —
Du Göttliche, — du Heiligtum. —
Er läutet.
JOHANNA
ist ohnmächtig zusammengebrochen.
GROSSFÜRST
schließt alle Türen auf; führt sie in die anstoßenden Gemächer.
HOFDAMEN
eilen herein, bemühen sich eine kurze Weile um die Ohnmächtige, entfernen sich dann wieder.
GROSSFÜRST
kehrt eilends in den Salon zurück; tritt an die Schwelle eines der Seitengemächer, unterhält sich mit jemandem in der Tür, kehrt nach einer Weile in den Salon zurück. Mit dem Fürsten tritt ein
GENDRE
senkt den Kopf.
GROSSFÜRST
Was sagt er? Tödlich? — Hm. — Der General?
GENDRE
Warum bin ich denn nicht gestorben?
Ich Feigling. — Ah —, und Eure Hoheit sind ...
Wir sind ja alle feige, — alle sind
Wir so gemein, — verdorben.
Mag jeder, was er will, sich nehmen,
Jeder; — wer mag; — auch Gott.
Ich will mit vollen Händen verschwenden —
Und mich nicht schämen. —
Ein jeder werde satt, — wer nimmt, der hat. —
Greift zu, ihr Engel, Teufel, Gott und Zar.
Das Herz muss schweigen, — still, — mir war
Ein Herz zu eigen — und ich hab gefühlt.
Ha, ha, heut trag ich eine Uniform
Und Ordenssterne zieren mich; —
Auch Eure Hoheit schmücken sich
Mit einem Stern, — wie brennt die Stirn so heiß, — —
Lehnt seine Stirn an des Fürsten Brust
Ich will die Stirne kühlen, — o wie kühlt
Der Stein — und das Emaille — Beweis
Der Kaiserlichen Gnade, — o wie schön —
GROSSFÜRST
Du armer — Tor, — —
GENDRE
Wie doch von einer Krone,
Von einer Zarenkrone Zauber wehn.
GROSSFÜRST
Bist du sentimental oder betrunken?
GENDRE
Hoheit? —
GROSSFÜRST
Beleidigt —? Nun, schon gut, ich sehe,
Es ist nur Rührung, — Sentiment, — gewiss;
Er hat vor mir sein Herz geöffnet, bis
Geheime Töne daraus sich entrangen.
Für wessen Ohr erklangen
Die schmerzlich wehen Töne —? General,
Ich sehe an seiner Seite harten Stahl,
Ein Degen — wie?
GENDRE
Wer hat aus meiner frommen
Brust mir das Herz gerissen?
Sind Mörder über mich gekommen,
Da schwach ich ward im Geist — —?
Der Zar hat alles mir genommen,
Sei’s drum; — ich steh am Grabesrand, —
Wer reicht mir heute helfend seine Hand
Und führt mich zu der reinen Quelle,
Daraus die Seelen klare, helle
Fluten des Vergessens trinken —?
Da doch die Seele schmachtend kreist —
GROSSFÜRST
Wie? dir — dir, meinem Bruder, winken
Des Jenseits stille Lande?
Wer zwingt dich denn?
GENDRE
Der Geist. —
Ich sehe hier nur Schmach und Schande, —
Schamlosigkeit, — dort in der Ferne gleißt
Des neuen Lebens heller Morgenstrahl;
Hier atmet die Gemeinheit, Schmutz und Qual,
Jenseits des Grabes fließen keusche Tränen,
Und reine Trauer zeugt ein reines Sehnen ...
GROSSFÜRST
So nehm Er Urlaub, — warte Er ein wenig, —
GENDRE
Urlaub der Seele. O entlasse sie
In Gnaden, Herr, und lass sie dorthin eilen, —
Dort weit hinaus — —
GROSSFÜRST
Du Tölpel —, wie
Wärs mit einem Teorban, du langweilst dich;
Wenn Glöckchen läuteten, — vielleicht behagte
Dir die Musik, — vielleicht könnt sie dich heilen.
Und wenn ich wie Mazeppa dich, — du weißt —
Auf einem Pferde durch die Steppe jagte,
Du wärest ein Zentaur, — und wie ein Geist
Flögst du dahin durchs Dickicht, — eine Laura,
So ein verliebtes Ding mit aufgelösten Haaren
Setzte dir nach, — trotz Stürmen und Gefahren —
Dir immer nach — dem Liebsten...
GENDRE
Hoheit kuppeln...
KURUTA
ist leise eingetreten und flüstert dem Fürsten ins Ohr
Votre Majesté, der Mann —
GROSSFÜRST
Eintreten lassen.
Zu Gendre
Adieu.
Zu Kuruta
Lösch Lichter aus. Auch ohnehin
Sieht mir der Kerl zu viel.
KURUTA
Ich weiß, wers ist.
GROSSFÜRST
Was weißt du? Niemand ists.
GENDRE
Addio, Fürst!
Geht ab.
GROSSFÜRST
Ein Lump, ein Scheusal und ein Schuft, —
Doch wertvoll macht ihn eben sein Gemüt.
MAKROT
tritt ein
KURUTA
He, was für mich?
MAKROT
Ein Wörtchen für den Fürsten.
KURUTA
Warum für mich nichts?
MAKROT
Für die Majestät.
KURUTA
Du hör, ich hab die Stelle dir verschafft.
MAKROT
Die füll ich redlich aus und bin diskret.
KURUTA
Zum Henker denn —
Flüstert mit dem Fürsten; zu Makrot
Was hast du aufgedeckt?
MAKROT
Hm, — Worte, — Gesten, — Schatten.
KURUTA
Wer wird denn daraus klug?
MAKROT
Das böse
Gewissen. Denn wer Angst hat, dem genügt
Auch eine Geste, eine einzge nur,
Wenn sie bedeutend ist. Denn wer zu raten
Versteht, der findet gleich die richtge Spur
Aus einem kleinen Wort, das halb gesprochen,
Aus einer Geste, die erst halb getan,
Und die noch beide tief im Geiste hämmern,
Noch unbefreit im Dunkel dämmern,
Das Blut vergiften und das Mark durchfressen,
Die üppig wuchern und den Blutlauf stören,
Gefühl und Denken, Sehen, Hören
Betäuben, wie ein Alp die Brust beschweren,
Zu Boden drücken und in nächtgen Bann
Die Seele schlagen. —
KUKUTA
Ja —, die treuste Seele,
Die haben wir. — Gib deine Hand, —
Na, — auch den Mund, — so nun erzähle,
Was du entdeckt, erraten und erdacht.
MAKROT
Erst eine Bande. Möglich dass sichs macht. —
Man muss mal hin und muss sie hören sprechen.
KURUTA
Kann man dorthin? —
MAKROT
Man kann.
GROSSFÜRST
Ganz öffentlich?
MAKROT
Nicht gut.
GROSSFÜRST
Was schmieden sie?
MAKROT
Sie —? — Ein Verbrechen.
Begeben Hoheit selber sich dorthin,
So werden Hoheit mir dann glauben, sich
Auf mich verlassen ...
GROSSFÜRST
Wie auf Sancho Pansa.
Sinds viele, die zusammenkommen?
MAKROT
Nun, —
So eine Handvoll, nicht grad viel, auch nicht
Grad wenig. — Es kommt drauf an.
GROSSFÜRST
An welchem Orte
Versammeln sie sich?
MAKROT
Wer grad kommt, der spricht.
Was sie im Schilde führen, ist gar leicht
Aus ihren leisen Heden zu entnehmen,
Spitzt man die Ohren nur, gibt man gut acht.
Es sind zwar immer abgerissne Worte,
Die man vernimmt, jedoch der Sinn, der gleicht
Sich.
GROSSFÜRST
Ginge ich allein dorthin ... ?
MAKROT
Es macht
Wohl schlechten Eindruck. — Gott, ich muss mich schämen,
Mein Anzug ist zerlumpt, dass nicht zu sagen,
Ich gleiche Bettlern, pfui —, ich darfs nicht wagen,
Bei Tage herzukommen, denn mit Hunden
Hetzten mich die Lakaien aus dem Haus.
Was hilfts —? Ich muss doch leben für die Kinder, —
Mein armes Herz, es lebt und weiß und fühlt —
GROSSFÜRST
Wo ist es?
MAKROT
Wichtig ist die Sache, spielt
Sich im Verborgnen ab und ist nicht minder
Ganz öffentlich.
GROSSFÜRST
Warst du denn selber dort?
MAKROT
Ich komme grad von dort.
KURUTA
Ah, schlauer Hund!
GROSSFÜRST
Wo ist es also?
MAKROT
Es ist die Kloake
Auf der Johannisstrasse.
KURUTA
lacht
MAKROT
Ein Komplott
Hab ich entdeckt. — Bald bring ich die Beweise.
GROSSFÜRST
Du Schuft, du willst, ich sollte in den Kot —?
MAKROT
Es fallen über Hoheit Worte, — leise
Doch schmutzge Worte.
GROSSFÜRST
Ist das, Lump, ein Grund,
Um mich mit diesem Unrat zu bewerfen?
MAKROT
Bitterkalt wars, — mich hungerte, — ich stand
Auf meinem Platze, rührte mich nicht fort;
Mit Wollust hascht ich jedes ekle Wort,
Das seinen Weg zu meinem Ohre fand,
Und wiederholte mir im Geiste: Bleib,
Bleib noch ein bisschen, warte noch und lausche, —
Bedenk, du stehst ja nicht zum Zeitvertreib,
Empfängst Dukaten hinterher — zum Tausche
Für jede Botschaft, — goldene Dukaten.
GROSSFÜRST
Nun und? — Was denn? — Was bringst du also? — Was?
MAKROT
Nur immer lauschen, — bis zum Halse waten
In Schmutz und Ekel; — was bedeutet das?
Ich leb davon und — Eure Hoheit zahlen.
GROSSFÜRST
wirft ihm Geld hin
Da nimm und sprich.
MAKROT
„Er hat sich mit dem Bruder
Wieder versöhnt, — und spielt jetzt nur Komödie, —
Vom Zaren kam ein Brief, — noch heute gilt es”, —
Sehn Eure Hoheit hier auf meiner Stirn
Die Tropfen ...
GROSSFÜRST
Sprich.
MAKROT
„Schlagt heute noch dem Luder
Den Schädel ein.”
GROSSFÜRST
Mir?!
MAKROT
Nun, ich denke.
GROSSFÜRST
Weg! —
Mir!?
MAKROT
Klar, — da ja noch anderer Beweis
Vorhanden ist, dass heute — noch so manches
Sich soll ereignen und — man ferner weiß,
Auch was und wo — und muss doch dran ersticken.
GROSSFÜRST
Was denn? — Was? — Scher dich weg! — Doch halt. — Nein, bleibe
Noch. Ich erteile dann Befehle. — Ach,
Wie angenehm ich mir die Zeit vertreibe, —
Und ihr, — ihr ängstigt mich. Soll ich denn nie,
Niemals zur Ruhe kommen, stets in Schach
Gehalten werden. — Wer hält mich in Schach?
Ihr. — So ein Wahnsinn. —
MAKROT
Zu den Gräbern wandern
ln Scharen sie und beten dort am Tag
Der nationalen Trauer, wie sie’s nennen.
Da geh ich mit und singe mit den andern —
Und wein auch mit, — nun ja, man muss das können.
Und im Notizbuch schreib ich heimlich fromm
Die Namen derer auf, die auf den Knieen
Gebete murmeln, weinen — und so komm
Ich dem Komplott allmählich auf die Spur, —
Dort auf dem Friedhof ohne große Mühen,
Da kalter Wind durch schwanke Äste fuhr
Und Blätter fielen ... — Die Notizen.
Holt Papiere hervor
Wie? —
Ein ganzer Stoß? — Wenn Hoheit der Erinnrung
Geruhen Raum zu gehen, — November ists ...
GROSSFÜRST
Ja, der November ist gefährlich für
Den Polen.
MAKROT
Und bedeutungsvoll.
GROSSFÜRST
Du siehst
Gespenster.
MAKROT
Nun, da wir November zählen,
Hab ich ein scharfes Ohr. Ists doch die Zeit,
Da sich die Toten aus den Gräbern stehlen
Und mit den Lebenden wie Brüder — weit
Über die Felder wandeln.
KURUTA
lacht laut auf.
GROSSFÜRST
lacht
Du Poet.
Ein neuer Lamartine vielleicht. — Sieh an,
Ein Spitzel und Ästhet, — So? — Ein Komplott, —
Und täglich ein Komplott ...
KURUTA
So ist es auch.
GROSSFÜRST
Und jeden Tag ein neues.
KURUTA
Jeden Tag.
MAKROT
An allen Ecken.
KURUTA
Spinnt sich etwas an.
MAKROT
Und ist gesponnen.
GROSSFÜRST
Alles ist verflogen
Am Morgen, denn der Nacht Gespensterbann
Zerbricht beim ersten Grauen, — Eulen ihr,
Ihr Spukgesindel, alles ist gelogen,
Ich glaub euch nicht ein Wort, — haha.
KURUTA
Ja, für
Hoheit gibt es keine Furcht, — ich weiß —
Der kriegerische Geist, nun ja, — nun gut. —
Es muss der Tagsbefehl erlassen werden,
Dass alles ruhig bleibe, auch das Blut
Und auch der Geist. — Les ich es schwarz auf weiß
Erst im Befehl, verfliegen die Gespenster.
GROSSFÜRST
Spassvogel du.
KURUTA
Ich bin auf alles schon
Gefasst. — Doch wer ist morgen hier der Herr —?
GROSSFÜRST
Hier herrsche ich. In meiner Gegenwart
Von einem andern Herrn — keinen Ton.
KURUTA
Ich dachte ja nur an den Zaren.
GROSSFÜRST
Schweig.
KURUTA
Jenun, — ich dachte nur an einen Staatsstreich.
Ich hörte an der Tür, — ganz par hazard, —
Oh, ich verstehe, die Idee sie war
Genial.
GROSSFÜRST
Du hast gehört? — Ich lass dich knebeln,
In Ketten legen, Schurke.
KURUTA
Schon
Erfährts der Zar.
GROSSFÜRST
Erfährt nichts. — Du Spion,
Ich lass dich hängen. — Ihr Spione alle,
Weg, weg von mir — ihr saugt mein Blut, — ein Hund
Kommt ihr gekrochen, wedelt, wartet bloß,
Mein kaiserliches Blut zu lecken und
Ihr leckt und schlampft, ihr habt die Seele mir
Umkrallt und lasst sie nicht mehr los.
Ihr haltet mich und schleppt mich, — Teufel ihr,
In tiefste Nacht. —
Jagt sie beide hinaus
Ich bin allein, — entblößt —
Von wo kommt der Erlöser mir? Und wer
Wirds sein, der mich erlöst — —?
Feuerschein draußen
Was ist das? — — Eine Feuersbrunst, vorbei, —
Erloschen, — wieder sprüht die Garbe Funken. —
Kein Laut. — Und immer Nacht, so taub und leer.
Er klingelt.
DER OFFIZIER VOM DIENST
tritt ein, — salutiert.
GROSSFÜRST
Was gibt es?
DER OFFIZIER VOM DIENST
Zum Rapport. — Der Brand gelöscht; —
Auf Solec brennt allein noch eine Miete, —
Nur etwas Stroh.
GROSSFÜRST
Strohfeuer, — und erloschen, —
DER OFFIZIER VOM DIENST
Zurück die vier Schwadronen.
GROSSFÜRST
Grund des Brandes?
DER OFFIZIER VOM DIENST
Ist unbekannt.
GROSSFÜRST
Wie —? — Nichts, — haha, — Gesichter — —
Ist unbekannt; gut, — ist ja alles nichts. — —
Wer so nach etwas lüstern ist, — — — Was? — — Wie?
Zum Offizier
Einziehn die Wachen. Alles gehe schlafen.
DER OFFIZIER VOM DIENST
salutiert; — geht ab.
GROSSFÜRST
klatscht in die Hände.
LAKAIEN
erscheinen in der Tür.
GROSSFÜRST
Verlöscht die Lichter.
PERSONEN DER DRITTEN SZENE:
- Sewerin Goszczynski
- Ludwik Nabielak
- Erster Fähnrich
- Zweiter Fähnrich
- Verschworene
- Demeter
- Kora
- Hekate
- Eumeniden
- Hochzeitsgäste