AM DENKMAL SOBIESKIS
GOSZCZYNSKI
Es rauscht der Wind, ein Schluchzen geht
Bei jedem Windstoß durch den Garten...
ERSTE STIMME
Sie nahen.
ZWEITE STIMME
Horch, sind das nicht Schritte...
DRITTE STIMME
Im Schloss verlöschen sie die Lichter.
GOSZCZYNSKI
Der Nebel fällt. — Bist du es, Bruder?
ERSTE STIMME
Ich bins.
GOSZCZYNSKI
Zähl uns.
ERSTE STIMME
Sind sechzehn Mann.
GOSZCZYNSKI
Die Bäume klagen, — Harfenklang —
Der Garten stöhnt — gespensterbang.
ERSTE STIMME
Wenn nun der Fürst erwacht...?
ZWEITE STIMME
Wenn sie nun gar nicht kämen —?
GOSZCZYNSKI
Unruhe brennt mit Feuersmacht
Die Herzen; Wut
Entfacht das Blut.
Der Schwur, — ein billig Wort — erstirbt!
Die Saat verdirbt.
ERSTE STIMME
Sie kommen...
GOSZCZYNSKI
Ja, ich höre sie.
DRITTE STIMME
Es ist die alte Melodie, —
Die Bäume rauschen nur.
ERSTE STIMME
Sie kommen nicht.
GOSZCZYNSKI
Verzaubert spricht
Der Garten —, die Natur.
ERSTE STIMME
Wir schlagen zu und stechen rings
Und spalten rechts und brechen links.
GOSZCZYNSKI
Die Zweige deckt der weiße Reif,
Es breitet sich der Nebelstreif.
ERSTE STIMME
Sie nahen schon —
ZWEITE STIMME
Bist du’s?
ERSTE STIMME
Wie dunkel
Es ist. Kein Lichtstrahl von den Sternen...
GOSZCZYNSKI
Erbarm dich meiner, du mein Gott. —
Glaubst du, sie haben die Kasernen
Erreicht?
ERSTE STIMME
Ich denke wohl.
GOSZCZYNSKl
Mein Tod
Ist diese Stille. — Niemand weit und breit.
ERSTE STIMME
Es rauscht der Wind.
GOSZCZYNSKI
Es fliegt die Zeit.
ERSTE STIMME
Zwei Stunden schon vergangen sind,
Ich steh im Schnee, dem weißen ...
GOSZCZYNSKI
Schweig. — Flammen schlagen an die Brust,
Die Hand zuckt kampfbereit.
ERSTE STIMME
In das Palais zu dringen, welche Lust,
Den Schuft aus seinem Bett zu reißen.
ZWEITE STIMME
Wenn wir ihn nun ergreifen —?
ERSTE STIMME
Wenn er zu fliehn vermöchte —?
DRITTE STIMME
Ein dichter Nebelstreifen
Senkt sich hernieder.
GOSZCZYNSKI
Wie Adler schweben wir im Wolkenmeer.
Die Bäume flüstern, — Äste bloß und leer
Und Sträucher strohbedeckt.
Aus schwanken Träumen aufgeweckt,
Stehen gleich uns im Garten
Und warten
Voll banger Ungeduld.
DRITTE STIMME
Die Nebel sinken.
GOSZCZYNSKI
Und der Wind rauscht fort ...
ALLE
Es spricht der Garten...
Es steht die junge Heldenschar
Im Garten und sie spinnt
Gedanken, die gar schmerzlich sind.
Die Bäume rauschen seltne Melodien,
Die durch den Garten, durch die Herzen ziehen.
Das Monument erglänzt in wunderbar
Geheimnisvollem Glühen.
GOSZCZYNSKI
Er weist — — dorthin.
NABIELAK
Er weist zum Belvedere.
GOSZCZYNSKI
Als lenkt er unsern Sinn.
NABIELAK
Er denkt und fühlt wie wir.
GOSZCZYNSKI
Sieh, wie die Hand ihm bebt.
NABIELAK
Im Mondenlichte webt
Der Bäume Schatten um ihn her,
Huscht über seine Schulter bin.
GOSZCZYNSKI
Wie Schnee so leuchtend weiß steht er...
NABIELAK
Er weist dorthin, sein Auge lebt.
GOSZCZYNSKI
Sein Blick bannt mich am Boden fest.
NABIELAK
Er weiß und fühlt.
GOSZCZYNSKI
Sieh, er erbebt,
Sein Pferd bäumt sich —!
NABIELAK
Ein Schatten trägt
Ihn auf und ab.
GOSZCZYNSKI
Die Stunde schlägt.
Zwei Frauen nahn sich sonderbar,
Sie gehen durch die Mitte, durch die Jünglingsschar,
Und gehen langsam, eng umschlungen...
Gar seltsam das Geheimnis war,
Das diese Nacht gesungen.