Ewiger!»Kinder sind ja deine Himmelsgabe und Leibesfrucht eine Segnung, die von deiner Hand kommt!«[64] Wie sollte ich da nicht von ganzer Seele wünschen, mit Kindern gesegnet zu werden, die meines Herzens Freude sein und zu deiner Ehre erzogen werden sollten? O Herr! Wie der Vorzeit fromme Väter und Mütter bitte ich dich, mir diesen Segen zu verleihen, und mich noch Mutterfreuden genießen zu lassen. Aber wenn es in deinem unwandelbaren Rat beschlossen ist, mir dieses Glück zu versagen, so erfülle mein Herz mit innerlicher Ergebung in deinen Willen und mit vermehrter Liebe zu meinem Gatten, daß ich darin zehnfältigen Ersatz finde. Es sei ferne von mir, meinen Trost in dem Gedanken zu suchen, welch' eine schwere Bürde oft die Erziehung und die Versorgung der Kinder ist, wie viel Kummer sie nicht selten verursachen,—dient doch das gerade zu der Eltern Heil, o Herr! da diese erst aus der Mühe und Sorge, die ihnen ihre Kinder machen, erkennen, welchen Dank sie ihren Eltern schuldig sind.—In dieser meiner Sehnsucht nach Kindern will ich einen väterlichen Wink erkennen, den du mir gibst, die mir verliehenen irdischen Kräfte und Besitztümer zum Wohle derer anzuwenden, die in Bedrängnis sind. Ich will meinen Beistand der Kinderschar des Armen zuwenden, ich will ihnen zur Erkenntnis der heiligen Lehre förderlich sein, daß sie zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht aufwachsen, ich will den Verwaisten eine Mutter sein und reichen Beitrag spenden zum Besten jeder Wohltätigkeit, wie zu deinem heiligen Hause. Ich will in Frömmigkeit und Liebe wandeln, daß ich dadurch vielleicht eine Seele zur Tugend, zur Wahrheit und zum Glauben führen kann, daß sie geistig zu meinem Kinde werden möge. Ach Herr! Stärke mich in diesem Vorsatz und gib mir Kraft, ihn auszuführen, daß jene Worte, die du den Propheten verkündigen ließest, einst wie himmlischer Gesang vor meinen Ohren erschallen mögen:»So spricht der Herr zu den Unfruchtbaren, welche meine Sabbattage halten und wählen, was mir angenehm, und an meinem Bunde festhalten,—diesen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern Hand und Namen geben, was da besser ist, als Söhne und Töchter; einen ewigen Namen gebe ich ihm, der nicht ausgetilgt werden soll.«[65] Ja, o Gott, gib mir einen ewigen Namen im Buche des Lebens, und ich fühle mich getröstet.

Amen!


VI. In der Schwangerschaft.

Heiliger, allmächtiger Schöpfer, allbarmherziger Vater im Himmel! Ich danke dir für die beseligende Hoffnung, mit der du mich begnadigt hast. Wie glücklich hast du mich gemacht, indem du mir des Weibes höchste Freude verliehest, die Gewißheit, daß ich Mutter werden soll! Siehe, schon hast du mir des Weibes höchste und heiligste Pflicht auferlegt, mütterliche Fürsorge für den noch Ungeborenen zu hegen. O, was vermag ich ohne dich! Erhöre deshalb mein Gebet: Laß auch für mich das Wort gesprochen sein, welches du einst Israel verkünden ließest: »Gesegnet sei die Frucht deines Leibes!«[66] Hüte du meine Schritte, daß das Kind, welches ich unter meinem Herzen trage, jeder Gefahr entgehen möge; beschirme mich um des Kindes willen, daß nicht Schrecken noch Angst, nicht Furcht noch Aufregung mir nahe. Stärke mich darin, über mich selbst zu wachen, daß nicht der Mutter Unvorsichtigkeit, törichter Genuß oder sündiger Wandel schon dem Ungeborenen schaden möge. Ja, je mehr ich mir bewußt bin, daß selbst meine Gedanken und Gefühle auf den Sprößling hier unter meinem Herzen ihre Wirkung ausüben, um so mehr bitte ich dich, mir dazu helfen zu wollen, daß ich mich selbst beherrschen möge.—O Herr! Durch Frömmigkeit will ich diese Tage heiligen, bis ich sie überstanden habe, durch Gebet und fromme Werke will ich meine Seele erheben und reinigen, und treulich will ich deine Wege wandeln.—Schenke du mir nun einen ruhigen Sinn, unerschütterlich im Vertrauen auf deine unendliche Vatergüte, daß ich fröhlichen, getrosten Mutes und guter Hoffnung der Stunde der Entscheidung entgegen gehe, in dem zuversichtlichen Glauben, daß»den, der sich auf dich verläßt, deine Gnade umgeben soll.«[67]

Amen!


VII. Vor der Niederkunft.

Lieber Gott, du Gott der Gnade! Siehe, die Zeit nähert sich, daß ich gebären soll, und ich weiß, daß du in deiner Weisheit meinem Geschlecht bestimmt hast, daß wir in Schmerzen gebären sollen; o, willig unterwerfe ich mich deinem Vaterwillen; doch bitte ich: Vergilt' mir nicht nach meinen Sünden, sondern laß dein Erbarmen über mich wachen; stärke mich, daß ich in Kraft gebären möge, sei mir nahe mit deiner Hilfe, daß mein Herz bald froh werde, wenn ich den Neugeborenen gesund und frisch erblicke. Laß mich deine freundliche Stimme hören, die mir zuruft: »fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; bebe nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir und stütze dich mit meiner Rechten, ich selbst erlöse dich!«[68] Ja, Ewiger, du bist meine Stütze, meine feste Burg, meine Zuflucht in der Not, zu dir will ich mit Andacht aufschauen, daß du mir Kraft gebest, die Schmerzen der Geburt zu ertragen, du, meine ganze Hoffnung.