7. Mit Ehrfurcht und Dankbarkeit nahe ich mich diesem Grabe, o Ewiger! wo der Staub dessen ruht, der heldenmütig sein Leben geopfert hat, um des Vaterlands Recht und Wohlfahrt zu schützen. O, Allgerechter, wie sein Andenken ewig teuer ist und sein muß für einen jeden, der es aufrichtig mit seinem Volke und Vaterlande meint, und wie seine Ruhestätte allezeit von den Tränen heiligster Erinnerung benetzt werden wird, so belohne du ihn dort für seine fromme Tat, wo allein wahre Treue und Aufopferung für die Mitmenschen vollkommen belohnt werden kann. Ja, du, der du hier schlummerst, du hast es gezeigt, daß, so kostbar auch das Gut des Lebens ist, doch noch ein höheres Gut vorhanden ist, für das man jenes hingeben muß. Du täuschtest das Vertrauen nicht, das man in der Stunde der Gefahr auf dich setzte; unerschrocken tratest du dem Tode entgegen, und welch süße Bande dich auch fesselten, du rissest dich von ihnen los und kämpftest mit Mut und Kraft, wie die Helden des Altertums, sicher, daß nur der vergängliche Teil des Menschen überwunden werden und fallen kann, der unvergängliche aber siegen muß. An deinem Grabe soll sich die Jugend für Vaterlandsliebe begeistern, soll der Mut in den Söhnen des Landes entflammt werden, ja, hier will ich mich begeistern, jedes Opfer, das in meinen Kräften steht, für das Vaterland, für die Brüder, für die Gemeinde zu bringen. Hier will ich lernen, für meinen Glauben zu dulden und zu streiten, hier will ich als ein treuer Bürger lernen, alles zu bekämpfen, was dem Wohle des Vaterlandes schaden kann, und als ein wahrhafter Diener Gottes in jedem Kampfe für mein himmlisches Vaterland bis zum Letzten ausharren. Hilf du mir, Allheiliger, daß meine Seele den Tod der Gerechten sterben und mein Ende dem der Frommen gleichen möge. Sei mit mir, Allgegenwärtiger, und laß meinen Wandel dir stets wohlgefallen.

Amen!


Beim Grabe eines Verwandten.

(Nach einem älteren hebräischen Gebet.)

8. Hier an dieser Stätte, wo der Gedanke an ihn, der zum Tode wie zum Leben führt, in unserm Innern lebendig wird, hier erhebe ich meinen Geist zu dem Unendlichen und sage: mein Gott, du mein teuerstes Gut, das mir über alles geht, nächst dir strebt meine Sehnsucht nach jenen wahrhaft Frommen, welche jetzt die Erde deckt, und hier weilt die Asche eines mir teuren Körpers;

Mutter oder Großmutter am Grabe eines Kindes: Siehe, ich deine Mutter, welche dich (geboren), gepflegt und geliebt hat, mit treuer mütterlicher Sorge mit inniger Zuneigung,
Kinder oder Enkel am Grabe der Eltern oder der Großeltern:Siehe, ich deine Tochter (Enkelin), die durch die heiligen Banden des Blutes mit dir verbunden ist;
Am Grabe eines Ehegatten:Siehe, ich, deine treue Gattin, welche dich innigst liebt!
Am Grabe eines Bruders oder eines sonstigen Angehörigen:Siehe, ich deine Schwester, (Schwiegertochter, Freundin, Schülerin usw.)

besuche deinen Grabeshügel! Ehre sei Gott in der Höhe! Friede mit deinem Staub! Die Freude der Seligkeit mit deiner Seele! Innige Liebe zu dir, die eben so warm ist, als damals, wo du noch am Leben warst, durchdringt mich, führte mich hierher zu deiner Ruhestätte, wo ich vor dem Gott der Geister meine Seele ausschütten und ihn bitten will, dir gnädig zu sein und deine Seele im Eden im Verein mit deiner Stammväter verklärten Seelen zu erfreuen, daß du in Seligkeit das ewige Gut genießen mögest, das Er seinen Frommen vorbehalten hat. Mögest du von dem Tau der Seligkeit im ewigen Leben erquickt werden, wie der Tau des Himmels die Pflanze erquickt.—Und sollte in jenem Leben die Liebe, welche einst dein Herz bewegt hat, denn aufhören können? Nein, so innig, wie ich deiner gedenke, und wie meine Gebete für deine Seligkeit aufsteigen, eben so innig gedenkt deine Seele der meinigen, wünscht mir alles Gute und betet für meine Wohlfahrt zu dem Allerbarmer. O, daß unsere gemeinsamen Gebete ihm wohlgefallen möchten, und er in seiner Güte alles Böse von mir und allen deinen Angehörigen abwenden wollte. Gott der Liebe! du, in dessen Hand die Seelen aller Toten und Lebendigen stehen, erhöre unsere Gebete, die zum Throne deiner Herrlichkeit aufsteigen, segne mich, daß ich ein dir wohlgefälliges Leben führen möge, zur Ehre und zum Ruhm für den, dessen ich heute gedenke, und daß ich also glücklich hier auf Erden sei und einst selig werde dort in der Ewigkeit, wenn ich in das göttliche Reich bei dir aufgenommen werde, mein Vater und mein Richter.

Amen!