„Ich erinnere mich nicht genau, sechzehn oder siebzehn“, entgegnete Menni lächelnd.
Das hatte auch ich gedacht. Staunte aber über eine derart junge Gelehrsamkeit.
„In diesem Alter bereits Arzt sein!“, entfuhr es mir unwillkürlich.
„Und fügen Sie hinzu: ein äußerst geschickter und erfahrener Arzt“, ergänzte Menni.
Damals überlegte ich nicht, – und Menni erinnerte mich absichtlich nicht daran, – daß die Marsjahre fast doppelt so lang sind, wie die unseren: der Mars umkreist die Sonne in 686 Erdentagen und Nettis sechzehn Jahre kamen etwa dreißig Erdenjahren gleich.
Der Aetheroneff
Nach dem Frühstück forderte mich Menni auf, unser „Schiff“ zu besichtigen. Vor allem begaben wir uns in den Maschinenraum. Dieser nahm das unterste Stockwerk des Aetheroneff ein – stieß direkt an dessen verdichteten Boden und bildete die Scheidewand zwischen fünf Zimmern – das eine in der Mitte, die anderen an den Seiten gelegen. Inmitten des zentralen Raumes erhob sich der Treibmotor, an seinen vier Seiten von in den Boden eingelassenen runden Glasfenstern umgeben; das eine Fenster bestand aus reinem Kristall, die anderen waren bunt gefärbt; das Glas hatte eine Dicke von etwa drei Zentimetern und war außerordentlich durchsichtig. Im gegebenen Augenblick vermochten wir durch diese Fenster bloß einen Teil der Erdoberfläche zu sehen.
Die Basis der Maschine bildete ein vertikaler Metallzylinder, drei Meter hoch und einen halben Meter im Durchmesser. Menni erklärte mir, dieser Zylinder bestehe aus Osmium, einem schwer schmelzenden Edelmetall, aus der Gruppe des Platins. In diesem Zylinder ging die Zerlegung der radiumausstrahlenden Stoffe vor sich; die zwanzig Zentimeter dicken Wände bewiesen zur Genüge die bei diesem Prozeß entwickelten Energien. Im Raum herrschte keine besondere Hitze; der ganze Zylinder war von zwei großen, breiten, aus irgendeinem durchsichtigen Material bestehenden Futteralen umgeben. Diese Futterale schützten vor der Hitze; beide vereinigten sich unter der Decke zu einem Rohr, aus dem die erhitzte Luft nach allen Seiten ausströmte und den Aetheroneff gleichmäßig „heizte“.
Die übrigen Teile der Maschine waren durch verschiedene Zylinder miteinander verbunden, bestanden aus elektrischen Spulen, Akkumulatoren, einem Meßapparat mit Zifferblatt usw. Alles befand sich in tadelloser Ordnung, und verschiedene Spiegel gestatteten dem diensthabenden Maschinisten, den ganzen Umkreis zu überblicken, ohne sich von seinem Lehnstuhl zu erheben.
Von den Seitenstuben war die eine das „astronomische“ Zimmer, rechts und links von diesem befanden sich der „Wasserraum“ und der „Sauerstoffraum“ und auf der entgegengesetzten Seite der „Rechenraum“. Im astronomischen Zimmer waren der Fußboden und die Wände aus dickem Kristall; das in geometrischen Formen geschliffene Glas zeigte ideale Reinheit. Die Durchsichtigkeit dieses Glases war so groß, daß ich, während ich Menni über die Schwebebrücke folgte und hinabblickte, zwischen mir und dem Abgrund unter uns nichts sah; ich mußte die Augen schließen, um nicht von qualvollem Schwindel überwältigt zu werden. Ich bemühte mich, seitwärts, nach den Instrumenten zu schauen, die sich zwischen der Brücke auf Stativen befanden, oder sich von der Decke und der Außenwand herabsenkten. Das Hauptteleskop war etwa zwei Meter lang, die Linse von unproportionierter Größe und augenscheinlich von einer entsprechenden optischen Stärke.