Dann kehrten wir in den mittleren Maschinenraum zurück, fuhren mit einem kleinen Aufzug ins höchste Stockwerk des Aetheroneff. Hier war der Mittelraum als zweites Observatorium eingerichtet; es glich in allem dem unteren Raum, nur daß hier die Kristallhülle sich oben und nicht unten befand, und daß die Instrumente größere Dimensionen hatten. Aus diesem Observatorium vermochte man die andere Hälfte der Himmelssphäre zu sehen, und die Planeten zu bestimmen. Der Mars leuchtete mit seinem roten Licht etwas abseits vom Zenith. Menni richtete auf ihn das Teleskop, und ich erblickte die mir durch Schiaparellis Landkarten bekannten Konturen, die Meere und Kanäle. Menni photographierte den Planeten und legte unter das Mikroskop eine detaillierte Karte. Doch vermochte ich von dieser ohne Mennis Erklärungen nichts zu verstehen: die Flecken der Städte, Wälder und Seen unterschieden sich voneinander durch für mich unmerkliche und unverständliche Einzelheiten.

„Wie groß ist die Entfernung?“ fragte ich.

„Verhältnismäßig gering; sie beträgt ungefähr hundert Millionen Kilometer.“

„Weshalb befindet sich der Mars nicht im Zenith der Kuppel? Fliegen wir denn nicht geradewegs, sondern seitlich auf ihn zu?“

„Ja, anders geht es nicht. Indem wir uns von der Erde fortbewegen, bewahren wir unter anderem durch die Kraft der Trägheit auch die Geschwindigkeit, mit der die Erde um die Sonne kreist, das heißt, dreißig Kilometer in der Sekunde. Die Geschwindigkeit des Mars jedoch beträgt vierundzwanzig Kilometer, und flögen wir perpendikular in der Bahn zwischen Mars und Erde, so würden wir mit der restlichen Geschwindigkeit von sechs Kilometern in der Sekunde gegen die Oberfläche des Mars stoßen. Dies darf nicht geschehen, wir müssen deshalb den krummlinigen Pfad wählen, damit die überflüssige Geschwindigkeit ins Gleichgewicht kommt.“

„Wie lange ist in diesem Fall unser Weg?“

„Etwa hundertsechzig Millionen Kilometer. Die zur Zurücklegung dieser Strecke nötige Zeit beträgt im Mindestfall zweieinhalb Monate.“

Wäre ich nicht Mathematiker gewesen, so hätten diese Zahlen meinem Herzen nichts gesagt. So jedoch erweckten sie in mir ein dem Alpdruck ähnliches Gefühl, und ich beeilte mich, den astronomischen Raum zu verlassen. Die sechs Seitenabteilungen des obersten Abschnitts umgaben ringförmig das Observatorium; sie hatten keine Fenster, und ihre Decke, die ein Teil der Oberfläche der Kugel war, neigte sich fast zum Fußboden hinab. An der Decke waren große Reservoire für die Minus-Materie angebracht, deren Repulsion alles auf dem Aetheroneff zu paralysieren vermochte.

Die mittleren Stockwerke, das dritte und vierte, umfaßten Säle, Laboratorien für die einzelnen Mitglieder der Expedition, Kajüten, Baderäume, die Bibliothek, den Turnsaal usw.

Nettis Kajüte befand sich neben der meinen.