„Feindseligkeit! Nein, dieses Gefühl ist ihm fremd. Aber ich glaube: starken Skeptizismus. Er verbrachte ein halbes Jahr in Frankreich und telegraphierte an Menni: ‚Hier hat es keinen Sinn, zu suchen.‘ Vielleicht hatte er zum Teil recht, denn auch Letta, der mit ihm war, fand keinen entsprechenden Menschen. Aber seine Charakteristik der Leute jenes Landes war bei weitem strenger, als jene Lettas, und selbstverständlich auch viel einseitiger, wenngleich sie nichts tatsächlich Unwahres enthielt.“
„Wer ist dieser Letta, von dem Sie sprechen? Ich entsinne mich seiner nicht.“
„Ein Chemiker, Mennis Gehilfe; er gehört nicht zu den Jüngsten, ist auf unserem Aetheroneff der älteste. Mit ihm werden Sie sich leicht verständigen können, und dies wird für Sie sehr nützlich sein. Er besitzt einen weichen Charakter und viel Verständnis für eine fremde Seele, obgleich er nicht, wie Menni, Psychologe ist. Suchen Sie ihn im Laboratorium auf; er wird sich darüber freuen und Ihnen allerlei Interessantes zeigen.“
In diesem Augenblick fiel mir ein, daß wir uns von der Erde schon weit entfernt hatten, und es verlangte mich, sie zu betrachten. Wir begaben uns zusammen in einen der mit großen Fenstern versehenen Seitensäle.
„Werden wir uns nicht dem Mond nähern?“, erkundigte ich mich im Gehen.
„Nein, der Mond bleibt weit abseits liegen, und dies ist recht schade. Auch ich sähe den Mond gerne aus der Nähe. Von der Erde aus erschien er mir so seltsam. Groß, kalt, langsam, rätselhaft ruhig, gleicht er nicht im geringsten unseren zwei kleinen Monden, die so eilig am Himmel dahinrennen, und ihre Gesichtchen so rasch verändern wie lebhafte launische Kinder. Auch Euere Sonne ist bei weitem leuchtender, darin seid Ihr glücklicher als wir. Euere Welt ist doppelt so hell als unsere, deshalb bedürft Ihr auch nicht derartiger Augen, wie wir, braucht nicht die großen Pupillen, um das schwache Licht unserer Tage und unserer Nächte aufzufangen.“
Wir setzten uns ans Fenster. In der Ferne glänzte die Erde wie eine ungeheuere Sichel, auf der bloß die Umrisse Westamerikas und des nordöstlichen Asiens als dunkle Flecke erkennbar waren; auch ein Teil des Stillen Ozeans war sichtbar, und ein heller Fleck: das Nördliche Eismeer. Der Atlantische Ozean und die alte Welt versanken in Nacht, konnten am verschwommenen Rand der Sichel bloß erraten werden, denn der unsichtbare Teil der Erde verbarg die Sterne im ungeheuren Raum. Unsere schiefe Bahn, sowie die Drehung der Erde um ihre Achse, verursachten dieses veränderte Bild.
Ich blickte hinab, und mir wurde schwer ums Herz, weil ich nicht mehr meine Heimat sah, wo so viel Leben, Kampf und Leiden herrschen, wo ich noch gestern in den Reihen der Genossen stand, und wo heute ein anderer meine Stelle einnimmt. Zweifel schlichen sich in meine Seele.
„Dort unten fließt Blut“, sprach ich. „Hier jedoch ist aus dem gestrigen Arbeiter ein beschaulicher Betrachter geworden.“