„Der Name eines jeden wird so lange vor dem Vergessen bewahrt, wie jene leben, die zusammen mit ihm lebten und ihn kannten. Die Menschheit bedarf keineswegs der toten Symbole der Persönlichkeit, wenn diese nicht mehr ist. Unsere Wissenschaft und unsere Kunst bewahrt auf unpersönliche Art das, was von der allgemeinen Arbeit geschaffen wurde. Der Ballast vergangener Namen ist nutzlos für das Gedächtnis der Menschheit.“
„Sie haben recht, aber das Gefühl unserer Welt lehnt sich gegen diese Logik auf. Für uns sind die Namen der Meister des Gedankens und der Werke lebendige Symbole, ohne die weder unsere Wissenschaft, noch unsere Kunst, noch unser ganzes gesellschaftliches Leben zu bestehen vermöchten. Im Kampf der Gewalt gegen die Ideen bedeutet der auf den Fahnen stehende Name häufig mehr, als die gegebene Losung. Und der Name des Genies ist wahrlich kein Ballast für unser Gedächtnis.“
„Dies kommt daher, weil für Euch das einzige Werk der Menschheit noch nicht das einzige Werk ist; in den durch den Kampf der Menschen hervorgebrachten Illusionen wird das Werk scheinbar zerstückelt, erscheint Euch als Werk einzelner Menschen und nicht der Menschheit. Auch mir fiel es schwer, mich an Euere Auffassung zu gewöhnen, als ich nach Ihnen suchte.“
„Nun, möge dies gut oder schlecht sein, bei Ihnen gibt es also keine Unsterblichen. Aber die Sterblichen hier sind wohl alle auserlesen von jenen, die ‚viele und gute Arbeit leisten‘, nicht wahr?“
„Im allgemeinen: ja. Menni wählte die Genossen aus vielen Tausenden heraus, die den Wunsch hegten, mit ihm zu gehen.“
„Der gröbste und kräftigste von allen dürfte wohl Sterni sein?“
„Ja, wenn Sie hartnäckig darauf bestehen wollen, die Leute zu messen und zu vergleichen. Sterni ist ein hervorragender Gelehrter, wenngleich von ganz anderer Art, als Menni. Er ist Mathematiker. Er war es auch, der eine ganze Anzahl jener Berechnungsfehler entdeckte, denen zufolge alle vorherigen Expeditionen nach der Erde mißglückten, er bewies, daß selbst wenige dieser Fehler genügten, um den Untergang der Menschen und des Werkes herbeizuführen. Er fand neue Berechnungsmethoden, und von dieser Zeit an sind die Berechnungen fehlerlos.“
„So stellte ich ihn mir nach Mennis Worten und meinem ersten Eindruck vor. Trotzdem, es ist mir selbst unbegreiflich, erweckt sein Anblick in mir ein unbehagliches Gefühl, eine unbegründete Unruhe, eine Art sinnlose Antipathie. Können Sie mir, Doktor, dafür eine Erklärung geben?“
„Sehen Sie, Sterni hat einen starken, aber kalten, vor allem: analysierenden Verstand. Er zergliedert alles auf unerbittliche, folgerichtige Art, seine Schlüsse jedoch sind oft einseitig, bisweilen außerordentlich streng, denn die Analyse der einzelnen Teile ergibt nicht das Ganze, sondern weniger als das Ganze. Sie wissen, daß überall, wo Leben besteht, das Ganze größer ist, als seine einzelnen Teile, und so ist denn auch der lebendige menschliche Körper größer, als dessen einzelne Glieder. Die Folge dieser Charaktereigenschaften ist, daß Sterni sich weit weniger als andere in die Stimmung und die Gedanken anderer Leute zu versetzen vermag. Er wird Ihnen stets gerne bei jenen Dingen behilflich sein, die Sie ihm selbst klar machen, niemals aber wird er erraten, was Sie brauchen. Dies hängt natürlich auch damit zusammen, daß seine Aufmerksamkeit fast immer völlig von der Arbeit in Anspruch genommen wird, sein Kopf stets von irgend einer schweren Aufgabe erfüllt ist. Darin unterscheidet er sich von Menni in hohem Maße: dieser sieht immer alles ringsum, und mehr als einmal erklärte er mir, wonach ich selbst verlangte, was mich beunruhigte, was mein Verstand oder mein Gefühl suchte.“
„Wenn die Dinge so stehen, so muß Sterni uns widerspruchsvollen, fehlerhaften Erdenmenschen gegenüber doch Feindseligkeit empfinden?“