Einmal zeigte mir Enno durch das stärkste Vergrößerungsglas den winzigen Planeten Eros; ein Teil seiner Bahn lag zwischen Erde und Mars, der andere befand sich weiter als der Mars, im Gebiet der Asteroiden. Damals befand sich der Eros auf hundertfünfzig Millionen Kilometer von uns entfernt, aber die Photographie seiner kleinen Scheibe zeigte im mikroskopischen Maßstab die ganze Landkarte, die der des Mondes glich. Selbstverständlich war auch der Eros ein toter Stern, gleich dem Monde.

Ein anderes Mal photographierte Enno einen Schwarm Meteore, die etliche hundert Millionen Kilometer von uns entfernt waren. Auf diesem Bild waren natürlich nur verschwommene Nebel zu sehen. Bei dieser Gelegenheit erzählte mir Enno, daß eine der früheren Expeditionen zur gleichen Zeit zugrunde ging, als ein derartiger Schwarm Meteore niederschoß. Die Astronomen, die mit großen Teleskopen die Fahrt des Aetheroneff beobachteten, sahen, wie plötzlich das elektrische Licht erlosch – der Aetheroneff verschwand auf ewig im Raum.

Wahrscheinlich war der Aetheroneff mit einigen dieser winzigen Körper zusammengestoßen; bei der ungeheuerlichen Geschwindigkeit mochten diese die Wände durchbohrt haben. Die Luft drang in den Raum und die Kälte der zwischen den Planeten befindlichen Sphäre ließ die bereits toten Körper der Reisenden gefrieren. Nun fliegt der Aetheroneff dahin, folgt der Bahn der Kometen, entfernt sich auf immer von der Sonne. Niemand weiß, wo der Weg dieses schauerlichen, von Leichen bemannten Schiffes enden wird.

Bei diesen Worten schien eine eisige Leere in mein Herz zu dringen. Ich stellte mir lebhaft vor, wie unser winziges leuchtendes Schifflein im unendlichen toten Ozean des Raumes schwebt. Ohne Stützpunkt in der schwindelerregend schnellen Bewegung, und ringsum die schwarze Leere ... Enno erriet meine Stimmung.

„Menni ist ein vortrefflicher Steuermann ...“, sagte er. „Und Sterni irrt sich nicht ... Und der Tod ... Sie haben ihm sicherlich schon oft im Leben ins Auge geblickt ... Was uns droht ... ist der Tod, weiter nichts.“

Gar bald kam die Stunde, da wir im Kampf mit einem schweren Kummer gezwungen wurden, an diese Worte zu denken.

Der Chemiker Letta zog mich nicht nur durch seine sanfte Natur an, von der mir Netti bereits gesprochen hatte, sondern auch durch sein großes Wissen und sein Interesse für eine von mir viel studierte Frage: die Struktur der Materie. Außer ihm war in dieser Frage nur noch Menni kompetent, doch wandte ich mich so wenig wie möglich an Menni, verstehend, daß dessen Zeit äußerst wertvoll sei, sowohl im Interesse der Wissenschaft, als auch in dem der Expedition, und daß ich nicht das Recht habe, sie für mich in Anspruch zu nehmen. Der gutmütige alte Letta hingegen ließ sich mit derart unerschöpflicher Geduld zu meiner Unwissenheit herab, erklärte mir mit solcher Bereitwilligkeit, ja sogar mit offensichtlicher Freude das Alphabet dieser Wissenschaft, daß ich niemals das Gefühl hatte, ihn zu belästigen.

Letta hielt mir einen ganzen Kurs über die Struktur der Materie, illustrierte diesen durch verschiedene Experimente der Zerlegung der Elemente und durch deren Synthese. Viele dieser Experimente hatte er anscheinend allein ausführen und sich darauf beschränken müssen, bloß Schlagworte niederzuschreiben, insbesondere bei jenen, die einen stürmischen Verlauf nehmen; diese Elemente zersetzten sich in der Form einer Explosion, oder die Zersetzung konnte zumindest unter gegebenen Bedingungen diese Form annehmen.

Einmal betrat während einer mir erteilten Lektion Menni das Laboratorium. Letta beendete eben die Niederschrift eines äußerst interessanten Experimentes und schickte sich an, dasselbe anzustellen.

„Seien Sie vorsichtig“, sprach Menni. „Ich entsinne mich, daß dieses Experiment eines Tages für mich schlecht ausfiel; es genügt die kleinste Menge nebensächlicher Ingredienzien in der von Ihnen zu zerlegenden Materie, um bei der Erhitzung selbst durch den schwächsten elektrischen Strom eine Explosion herbeizuführen.“