Schon wollte Letta das geplante Experiment aufgeben, aber Menni, der mir gegenüber unveränderlich aufmerksam und liebenswürdig war, schlug vor, bei der genauen Vorbereitung für das Experiment zu helfen; das Experiment wurde ohne Unfall beendet.

Am folgenden Tag stellten wir mit dem gleichen Stoff neue Experimente an. Mir schien es, als entnähme Letta die Materie nicht demselben Glas wie am vorhergehenden Tag. Als er bereits die Retorte in das elektrische Bad stellte, dachte ich daran, ihn darüber zu befragen. Gelassen schritt er an den die Reagenten enthaltenden Schrank, stellte das Bad mit der Retorte auf das an der Wand stehende Tischchen; an die gläserne Außenwand des Aetheroneff. Ich folgte ihm.

Jählings erfolgte ein ohrenbetäubender Knall, und wir wurden beide mit ungeheurer Kraft gegen die Schranktür geschleudert. Ein furchtbar lauter Pfiff, entsetzlicher Lärm und metallisches Klirren. Ich fühlte, daß eine orkanartige, unbezwingliche Kraft mich nach rückwärts, an die Außenwand riß. Schier mechanisch gelang es mir, nach dem starken Riemen zu greifen, der horizontal befestigt am Schrank hing. In dieser Lage vermochte ich dem gewaltigen Luftstrom standzuhalten. Letta war meinem Beispiel gefolgt.

„Halten Sie sich fest“, schrie er mir zu; ich vermochte im Dröhnen des Orkans kaum seine Stimme zu vernehmen. Eine scharfe Kälte durchdrang meinen Körper.

Letta blickte sich rasch um. Seine Züge waren erschreckend in ihrer Blässe, doch verwandelte sich plötzlich der Ausdruck des Entsetzens in den klarer Vernunft und festen Entschlusses. Er sprach bloß zwei Worte, – ich vermochte sie nicht zu hören, erriet aber, daß sie ein Abschied auf ewig waren. Dann ließ er den Riemen los.

Ein dumpfer Schlag, und das Dröhnen des Orkans verebbte. Ich fühlte, daß ich nun den Riemen loslassen und um mich blicken könne. Vom Tischchen war nichts mehr zu sehen, an der Wand jedoch, dicht mit dem Rücken an sie gepreßt, stand unbeweglich Letta. Seine Augen waren geweitet, das ganze Gesicht schien gleichsam erstarrt. Ich vernahm an der Tür ein Geräusch und öffnete sie. Ein starker warmer Wind stieß mich zurück. Eine Sekunde nachher betrat Menni das Zimmer. Er eilte zu Letta hin.

Wenige Augenblicke später war der Raum voller Menschen. Netti stieß alle zur Seite, stürzte zu Letta. Die übrigen umringten uns in bewegtem Schweigen.

„Letta ist tot“, klang Mennis Stimme auf. „Die bei dem chemischen Experiment erfolgte Explosion zerschmetterte die Wand des Aetheroneff, und Letta verstopfte mit seinem Leib die Bresche. Der Luftdruck zerriß seine Lungen und lähmte sein Herz. Der Tod war ein augenblicklicher. Letta rettete unseren Gast, hätte er anders gehandelt, sie hätten beide unweigerlich den Tod gefunden.“

Netti brach in heftiges Schluchzen aus.

Vergangenes