„Begehen auch junge, völlig gesunde und starke Menschen Selbstmord?“

„Auch dies kommt vor, aber äußerst selten. Seitdem ich im Krankenhaus arbeite, kann ich mich bloß an zwei Fälle erinnern, der dritte ließ von seinem Vorhaben ab.“

„Wer waren die beiden Unglücklichen und was trieb sie in den Tod?“

„Der erste war mein Lehrer, ein hervorragender Arzt, der der Wissenschaft viel Neues gegeben hat. Bei ihm war die Fähigkeit, die Leiden anderer mitzufühlen, in einem unglaublich hohen Maße entwickelt. Dies führte seinen Verstand und seine Energie zum Studium der Medizin, war aber auch sein Verderben. Er ertrug es nicht. Verbarg aber seine geistige Einstellung so gut vor allen Menschen, daß seine Tat völlig überraschend wirkte. Er beging diese nach einer schweren Epidemie, die als Folge der Trockenlegung einer Meeresbucht auftrat, als die toten Fische tonnenweise verwesend am Strand lagen. Die Krankheit war ebenso schmerzhaft wie bei Ihnen die Cholera, aber noch weit gefährlicher. Von zehn Erkrankungen nahmen neun einen tödlichen Verlauf. Da aber dennoch eine geringe Möglichkeit der Genesung bestand, konnten die Aerzte den Bitten der Kranken um einen raschen und schmerzlosen Tod nicht nachkommen; es war ja auch nicht möglich, von einem Menschen, den starkes Fieber und große Schmerzen peinigten, anzunehmen, daß er sich bei völlig klarem Bewußtsein befinde. Mein Lehrer arbeitete wie ein Wahnsinniger, und seine Forschungen trugen viel dazu bei, die Epidemie abzukürzen. Als diese völlig verschwunden war, beging er Selbstmord.“

„Wie alt war er damals?“

„Ihrer Berechnung nach ungefähr Fünfzig. Bei uns ist dies noch ein jugendliches Alter.“

„Und der zweite Fall?“

„Eine Frau, der am gleichen Tag Mann und Kind gestorben waren.“

„Und der dritte Fall?“

„Den kann Ihnen nur jener Genosse erzählen, der ihn selbst erlebte.“