„Das Unvermeidliche muß begriffen, und, wie hart auch immer es erscheint, es muß ihm ins Auge gesehen werden. Es gibt für uns zwei Möglichkeiten: entweder eine Stagnation in der Entwicklung unseres Lebens oder die Vernichtung des uns fremden Lebens auf der Erde. Ein drittes gibt es nicht. (Nettis Stimme durchklang den Raum: „Das ist nicht wahr!“) Ich weiß, woran Netti denkt, wenn sie gegen meine Worte protestiert und gehe auch schon zu der dritten Möglichkeit über, die sie im Auge hat.
Diese aber ist – der sofortige Versuch einer sozialistischen Erziehung der Erdenmenschheit, ein Plan, den wir alle noch unlängst befürwortet haben, der aber, meiner Ansicht nach, unbedingt aufgegeben werden muß. Wir kennen die Erdenmenschheit nun schon zur Genüge, um einzusehen, daß diese Idee völlig sinnlos sei.
Die Kulturstufe der führenden Erdenvölker ist etwa die gleiche, wie die unserer Vorfahren zur Zeit der großen Kanalbauten gewesen ist. Auf der Erde herrscht das Kapital, und es gibt ein Proletariat, das für den Sozialismus kämpft. Deshalb könnte man glauben, daß der Augenblick jener Umwälzung nicht mehr ferne sei, die die organisierte Gewalt vernichtet und die Möglichkeit einer freien und raschen Entwicklung des Lebens gibt. Doch besitzt der Erdenkapitalismus eine wichtige Eigenheit, die die Sache völlig verändert.
Einerseits ist die ganze Erdenwelt in politische und nationale Teile gespalten, so daß der Kampf um den Sozialismus nicht als einheitlicher vollkommener Prozeß einer Riesengesellschaft vor sich geht, sondern eine ganze Reihe selbständiger, eigenartiger Prozesse darstellt, geführt in den verschiedenen Staaten der Gesellschaft, die durch ihre staatliche Organisation, durch die Sprache und die Rasse getrennt sind. Andrerseits ist auf der Erde die Form des Klassenkampfes weit gröber und mechanischer, als dies bei uns der Fall gewesen ist, und die gleichsam materielle Kraft, verkörpert durch das stehende Heer und die bewaffneten Aufstände, spielt dabei eine große Rolle.
Aus allen diesen Umständen ergibt sich, daß die Frage der sozialen Revolution eine unbestimmbare ist: voraussichtlich wird es nicht eine, sondern verschiedene soziale Revolutionen geben, in den verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten. Ja, diese Revolutionen werden sogar einen verschiedenen Charakter haben, sowie einen unsicheren, nicht festzustellenden Ausgang. Die herrschenden Klassen verfügen über die Armee und eine hochentwickelte Kriegstechnik und vermögen daher in gewissen Fällen dem aufständischen Proletariat eine vernichtende Niederlage beizubringen, die in den großen Reichen den Kampf für den Sozialismus auf zehn Jahre zurückwirft. Derartige Fälle finden wir bereits in den Schriften der Erde erwähnt. Außerdem wird die Lage jener Länder, in denen der Sozialismus triumphiert hat, die einer Insel sein, umgeben von ihr feindlichen kapitalistischen Staaten, zum Teil sogar von Staaten, die noch nicht die Phase des Kapitalismus erreicht haben. Um ihre Herrschaft bangend, werden die besitzenden Klassen der nicht sozialistischen Länder alle Anstrengungen machen, um diese Insel zu zerstören, sie werden unaufhörlich kriegerische Ueberfälle gegen sie organisieren und sogar bei den sozialistischen Nationen genügend Verbündete finden, die, den früheren besitzenden Klassen angehörend, zu jedem Verrat bereit sind. Das Ergebnis dieser Kämpfe ist schwer vorauszusagen. Aber selbst dort, wo sich der Sozialismus kräftigt und wo er siegreich vordringt, wird sein Charakter auf viele Jahre hinaus getrübt werden, durch Terror, Kampf, sowie durch einen unvermeidlichen barbarischen Patriotismus. Dieser Sozialismus steht dem unseren äußerst fern.
Unsere Pflicht wäre demnach, falls wir an dem ersten Plan festhalten, ausschließlich für den beschleunigten Sieg des Sozialismus zu wirken. Welche Mittel stehen uns hierfür zur Verfügung? Wir vermögen den Erdenmenschen unsere Technik zu geben, unsere Wissenschaft, unser Wissen um die Beherrschung der Natur, sowie unsere Kultur, die mit den wirtschaftlichen und politischen Formen der Erde im schroffsten Widerspruch steht. Wir können auch das sozialistische Proletariat bei seinem revolutionären Umsturz unterstützen und ihm helfen, den Widerstand der übrigen Klassen zu brechen. Ueber andere Mittel verfügen wir nicht. Werden aber diese beiden zum Ziel führen? Wir wissen heute bereits genug von der Erde, um diese Frage mit einem endgültigen Nein beantworten zu können.
Was würden die Erdenmenschen mit unserem technischen Wissen und unseren Methoden anfangen?
Vor allem würden sich deren die besitzenden Klassen aller Länder bemächtigen. Dies wäre unvermeidlich, weil sich ja in ihren Händen alle Produktionsmittel befinden und weil ihnen neunzig- bis hunderttausend Gelehrte und Ingenieure zu Diensten stehen; das aber bedeutete, daß ihnen alle Möglichkeiten der neuen Industrie gehörten. Sie jedoch würden diese nur insofern ausnützen, als es für sie vorteilhaft wäre und ihre Macht über die Massen stärkt. Noch eines: jene gewaltigen neuen Zerstörungsmittel, die ihnen auf diese Art in die Hände fielen, würden sie zur Erdrosselung des sozialistischen Proletariats verwenden. Sie würden es verfolgen, würden eine Provokation in grandiosem Maßstab organisieren, um das Proletariat so rasch wie möglich zum offenen Kampf zu zwingen und in diesem Ringen dessen beste und klügste Kräfte zu morden, falls es diesem nicht gelänge, seinerseits bessere Kampfmethoden zu finden. Derart würde unsere Einmischung in die Angelegenheiten der Erde bloß der Reaktion von oben einen Antrieb geben und ihr zu gleicher Zeit Waffen von ungeheurer Gewalt in die Hände spielen. Das aber würde zumindest auf zehn Jahre den Fortschritt des Sozialismus hemmen.
Und was würden wir erreichen, wenn wir das sozialistische Proletariat gegen seine Feinde unterstützten?
Angenommen, und dies ist keineswegs gewiß, daß es sich mit uns verbündet. Die ersten Siege würden leicht errungen werden. Aber dann? Die unvermeidliche Entwicklung des Patriotismus bei den anderen Klassen würde sich gegen uns und gegen die Sozialisten der Erde wenden ... Das Proletariat aber stellt noch in den meisten Ländern der Erde die Minderheit dar, die Mehrheit hingegen besteht aus den in ihrer Entwicklung zurückgebliebenen Kleinbürgern, aus dunklen, unwissenden Menschen. Diese gegen das Proletariat zu verhetzen, wird den Großkapitalisten und deren Söldlingen, den Beamten und Lehrern, nur allzu leicht fallen. Umsomehr, als diese Massen, die dem Wesen nach konservativ, häufig sogar reaktionär sind, eine krankhafte Angst vor dem raschen Fortschritt empfinden. Das Proletariat sieht sich also auf allen Seiten von erbosten, erbarmungslosen Feinden umgeben, die größere Entwicklung des Proletariats verstärkt nur noch diese Feindseligkeit, es befindet sich in der gleichen furchtbaren Lage, in der sich unsere Kolonisten zwischen den Völkern der Erde befinden würden. Es wird zu zahllosen verräterischen Ueberfällen kommen, die Stellung des Proletariats in der Gesellschaft wird um so schwieriger sein, als es die Erneuerung der Gesellschaft durchführen muß. Und auch in diesem Falle wird unsere Einmischung die soziale Umwälzung verzögern, statt sie zu beschleunigen.