Schon die rein mechanische Verschiedenheit der Sprachen, in denen die Menschen reden, unterstützte die Entwicklung des Denkens, befreite den Begriff von der plumpen Herrschaft des Wortes. Vergleichen Sie die Philosophie der Erdenmenschen mit jener unserer kapitalistischen Ahnen. Die Philosophie der Erde ist nicht nur weit vielseitiger, sondern auch weit feiner, sie geht nicht nur von einem bei weitem komplizierteren Material aus, sondern ihre Analyse ist, in den besten Schulen, eine viel tiefgründigere, die weit richtiger die Verbindung der Tatsachen und Begriffe darstellt. Selbstverständlich ist jede Philosophie der Ausdruck der Schwäche und der fehlerhaften Erkenntnis, hervorgerufen durch mangelhafte wissenschaftliche Entwicklung; der Versuch, ein einheitliches Bild des Seins zu geben, ist ein unbeschriebenes Blatt der wissenschaftlichen Erfahrung, deshalb wird auch von der Erde die Philosophie verschwinden, wie dies bei uns mit dem wissenschaftlichen Monismus geschah. Betrachten Sie aber, wie viele philosophische Voraussetzungen, gegeben von den ersten Denkern und Kämpfern bereits in groben Umrissen die Entdeckungen unserer Wissenschaft voraussehen – so zum Beispiel fast alle sozialwissenschaftlichen Philosophien. Es ist klar, daß eine Rasse, die unsere Ahnen in der Schaffung einer Philosophie übertraf, auch imstande sein wird, diese in der Schaffung einer Wissenschaft zu übertreffen.

Und Sterni will diese Menschen aus der Liste der Gerechten streichen mitsamt den bewußten Sozialisten, die sich unter ihnen befinden; er will sie nach ihren niedersten Widersprüchen beurteilen, nicht aber nach jenen Kräften, die zur gegebenen Zeit diese Widersprüche ausgleichen werden. Er will auf ewig diesen stürmischen, aber schönen Ozean des Lebens austrocknen.

Fest und entschlossen müssen wir ihm die Antwort geben: niemals!

Wir müssen unseren künftigen Bund mit der Erdenmenschheit vorbereiten. Freilich können wir den Uebergang zu einer freien Welt nur wenig beschleunigen, aber auch das Wenige, was wir zu leisten vermögen, sind wir zu tun verpflichtet. Und wenn es uns nicht gelang, den ersten Abgesandten der Erde vor unnötigen Leiden und Krankheiten zu bewahren, – so gereicht dies keineswegs zu unserer Ehre. Zum Glück wird er bald hergestellt sein, und selbst wenn ihn der allzu rasche Uebergang in ein ihm fremdes Leben tötete, so hat er immerhin viel für den künftigen Bund der beiden Welten geleistet.

Unsere eigenen Schwierigkeiten und Gefahren müssen wir auf eine andere Art besiegen. Neue wissenschaftliche Kräfte müssen sich mit der chemischen Herstellung der Eiweißstoffe befassen und wir müssen, soweit dies möglich ist, die Kolonisation der Venus vorbereiten. Gelingt es uns nicht, diese Aufgabe in kürzester Zeit zu erfüllen, so müssen wir vorübergehend die Vermehrung einschränken. Welcher vernünftige Geburtshelfer opferte nicht das Leben des ungeborenen Kindes, um die Frau zu retten? Auch wir müssen, wenn dies unvermeidlich wird, einen Teil jenes Lebens opfern, das noch nicht ist, um das, wenn auch fremde Leben zu retten, das schon besteht und sich entwickelt. Die Verbindung der Welten wird dieses Opfer reichlich lohnen.

Die Einheitlichkeit des Lebens ist das höchste Ziel, und Liebe ist die höchste Weisheit!“

(Tiefes Schweigen. Dann ergriff Menni das Wort.)

Menni

„Ich beobachtete aufmerksam die Stimmung der Genossen und sehe nun, daß die Mehrheit auf seiten Nettis ist. Das freut mich sehr, denn auch meine Ansicht deckt sich ungefähr mit der ihren. Ich möchte nur noch eine praktische Erläuterung hinzufügen, die mir äußerst wichtig erscheint. Es besteht für den Fall, daß wir uns zu einer Massenkolonisation auf einem anderen Planeten entschließen, die ernste Gefahr, daß unsere technischen Mittel in kürzester Zeit nicht mehr ausreichen werden.

Wir vermögen zehntausend große Aetheroneffs herzustellen, und es kann geschehen, daß es uns an den zur Fortbewegung nötigen Stoffen mangelt. Jene radiumausstrahlende Materie, vermittels derer sich die Aetheroneffs für gewöhnlich bewegen, müßte um das Hundertfache vermehrt werden. Inzwischen aber versiegen die alten Lager, und neue werden immer seltener entdeckt.