Sie müssen auch wissen, daß wir der radiumausstrahlenden Materie nicht nur dazu bedürfen, um dem Aetheroneff seine ungeheure Geschwindigkeit zu verleihen. Sie wissen ja, daß unsere ganze technische Chemie auf diesen Stoffen beruht. Wir bedürfen ihrer auch zur Erzeugung der Minus-Materie, ohne die sich unsere Aetheroneffs und unsere zahllosen Luftschiffe in nutzlose schwerfällige Kisten verwandeln würden. Diesem unentbehrlichen Gebrauch dürfen wir die Materie nicht entziehen.

Noch ärger ist, daß die einzige Möglichkeit, die Kolonisation zu ersetzen, die Synthese des Eiweiß, aus dem gleichen Mangel an radiumausstrahlenden Stoffen zur Unmöglichkeit wird. Eine technisch leichte und entsprechende fabrikmäßige Herstellung der ungeheuer komplizierten Synthese des Eiweiß ist undenkbar bei der alten Methode der Synthese, einer äußerst komplizierten Methode. Sie wissen, daß es uns bereits vor etlichen Jahren gelang, auf diesem Wege ein vorzügliches Eiweiß herzustellen, aber nur in geringer Quantität und bei einem großen Verlust an Energie und Zeit, so daß die ganze Arbeit ausschließlich eine theoretische Bedeutung besaß. Die Massenproduktion des Eiweiß aus unorganischen Stoffen ist nur möglich vermittels der raschen und scharfen Umwandlung des chemischen Bestandes, der bei uns von einem nicht stabilen Element zu einer stabilen Materie wird. Die erfolgreiche Durchführung dieses Prozesses erfordert von zehntausend Arbeitern eine Spezialforschung über die Gewinnung des Eiweiß, sowie Millionen von neuen Experimenten. Demnach würde selbst im Fall eines Erfolges eine ungeheure Vergeudung der Kollektivaktivität unvermeidlich sein, eine Vergeudung, der wir nicht gewachsen sind.

Von diesem Gesichtspunkt aus gilt es, schleunigst die einzige für uns wichtige Frage zu beantworten: vermögen wir neue Quellen der radiumausstrahlenden Stoffe zu entdecken? Und wo sollen wir diese suchen? Offensichtlich auf einem anderen Planeten, das heißt: entweder auf der Erde oder auf der Venus. Meiner Ansicht nach muß der erste Versuch unbedingt auf der Venus gemacht werden.

Was die Erde anbelangt, so können wir annehmen, daß sich auf ihr reichliche Vorräte an radioaktiven Elementen befinden. Bei der Venus hingegen ist diese Tatsache bereits festgestellt. Wo sich auf der Erde diese Quellen befinden, ist uns unbekannt, denn jene, die von den Erdengelehrten gefunden wurden, taugen nichts. Auf der Venus aber entdeckte unsere Expedition sofort die bewußten Quellen. Außerdem befinden sich diese ganz nahe der Erdoberfläche, sind leicht erreichbar, so daß wir ihr Bestehen vermittels der Photographie feststellen konnten, während sich jene der Erde, gleich den unseren, tief unter dem Erdboden befinden. Wollten wir auf der Erde das Radium suchen, so müßten wir bis in die Tiefen dringen, wie das auch auf unserem Planeten der Fall ist. Dies aber bedeutete einen Verlust von vielleicht zehn Jahren, und es bestünde auch noch die Gefahr, daß wir uns in der Wahl des Ortes geirrt haben. Auf der Venus hingegen gilt es bloß, die bereits gefundenen Lager auszubeuten, und dies kann ohne jegliche Verzögerung geschehen.

Deshalb halte ich es für unbedingt notwendig, unabhängig davon, wie wir die Frage der Massenkolonisation lösen, sofort an eine teilweise, vielleicht auch nur vorübergehende Kolonisation der Venus zu schreiten, zu dem ausschließlichen Zweck, die dort befindliche radioaktive Materie zu gewinnen.

Die uns von der Natur entgegengestellten Hindernisse sind freilich ungeheuer groß, doch brauchen wir sie ja augenblicklich nicht völlig zu überwinden. Es gilt nur, von einem kleinen Teil des Planeten Besitz zu ergreifen. Wir müssen demnach eine große Expedition ausrüsten, die nicht, wie die erste, Monate auf der Venus verbringt, sondern Jahre, und deren Zweck es ist, das Radium zu gewinnen. Selbstverständlich muß zur gleichen Zeit ein energischer Kampf wider die Natur geführt werden, das Klima, wider die uns noch unbekannten Krankheiten, sowie gegen andere Gefahren. Es wird viele Opfer geben, vielleicht wird auch nur ein geringer Teil der Expedition heimkehren. Der Versuch jedoch muß gemacht werden.

Als erstes Feld unserer Tätigkeit kommt die „Insel des glühenden Sturmes“ in Betracht. Ich habe deren Natur genau studiert und einen detaillierten Plan unserer Tätigkeit ausgearbeitet. Wenn Sie, Genossen, jetzt bereit sind, diesen zu beurteilen, so werde ich ihn sofort vorlegen.“

(Niemand erhob Einwände, und Menni ging an die Erläuterung seines Planes, der sich mit allen technischen Einzelheiten befaßte. Nach Beendigung seiner Rede traten noch andere Redner auf, doch nahmen sie alle Mennis Vorschlag an, besprachen nur die Details. Etliche zweifelten an dem Erfolg der Expedition, alle aber waren damit einverstanden, daß sie unternommen werde. Schließlich wurde die von Menni vorgeschlagene Resolution angenommen.)

Der Mord

Die gewaltige Bestürzung, die mich übermannt hatte, verhinderte selbst den Versuch, meine Gedanken zu sammeln. Ich fühlte bloß, daß ein kalter Schmerz wie mit eisernen Fingern mein Herz zusammenpresse. Vor meinem Bewußtsein erhoben sich mit halluzinierender Lebendigkeit Sternis riesenhafte Gestalt, sein unerbittlich gelassenes Gesicht. Alles übrige versank in schwerem, nächtlichem Chaos.