Sebalds Wunden waren wie durch Zauberei geheilt. Wenigstens ließ ihn das Entzücken seiner Seele die Leiden seines wunden Körpers, nicht im mindesten empfinden.
Sie liebt mich! Das unschuldige schöne Mädchen liebt mich wieder! O ich bin entschädigt für meine Leiden! Himmlisch entschädigt!
So dachte er und stieß den schmerzhaften Fuß im Vergessen der Wunde an die Bettstelle, so daß er mit einem Schrei aus seinem Jubel durch den erregten Wundenschmerz auffuhr.
Der Pfarrer kam wieder, mit ihm der Herr des Schlosses und sein Bruder. Sie bedauerten den Unfall, und wünschten ihm nahe Herstellung.
Das unermüdete Bestreben des Arztes, die freundliche Bewirthung der Familie und — Jillas vorzügliche Geschicklichkeit — o welcher Halbtodte ersteht da nicht und wird binnen wenigen Tagen so gesund und stark als hätte ihn nie ein Fingerchen geschmerzt.
In wenig Tagen verließ er das Lager, und gieng im freiern Garten herum. Anfangs natürlich hinkte er so ein bischen; aber die geschäftige zärtliche Aerztin Jilla brachte es durch ihre Kunst soweit, daß Sebald nie begriff, der Unfall sey ein Unfall gewesen.
O — rief er — ich hatte ein Unglück, ein neidenswerthes Unglück! — und blickte liebevoll auf die süsse Jilla an seinem Arm.
Er hatte in einem Brief an seinen Oheim, den Fürst Tellmann die ganze Sache geschrieben.
„Ich bin vollkommen hergestellt, und gesünder als sonst — schrieb er darinn — bald komm ich mit meinem edlen Wirthen wieder in die Stadt, in die Arme meines verehrten Oheims.
Wir lassen inzwischen Sebalden und Jilla immer nicht und mehr sich erklären, lassen sie wandeln im blüthigen Garten im Morgenglanz und Abendthau; lassen sie kosen in stillen unbelaubten Schasminlauben; und kehren zu dem betrübten Salassin.