Wo bleibt der? — denken wohl einige ihm geneigte Leserinnen!

Das will ich kurz erzählen, erlauben sie mir erst ein wenig Erhohlung. Ein Gläschen ächten — sprudelnd wie des 23. Jahrhunderts edler Rebensaft — soll mich zur Erzählung begeistern.

Dreizehntes. Kapitel.
Eine Nachricht aus der Heimat.

Als Sebald aus dem Lager ritt, irrte Salassin in stiller Schwärmerey, aufgeregt durch Lollys Traumbild, das ihm kaum erschienen mit der Luftgondel wieder entflog, um die Reihe der Zelte immer denkend und lebend am und im Traumbilde.

Ist sie es denn doch gewesen, oder nicht? — fragt er sich selbst. Sebald sah — Verwünscht! wenn er auch Lolly gesehen hätte! Ach! — so ist es vielleicht — er hielt sie für das Mädchen! — Aber er sagte ja — jene wäre grün — oder roth gekleidet gewesen; da Lolly blau sich trug? Grün oder roth? Was sind das für zwei verschiedene Farben! Und ein Mahler sah die Farben nicht bestimmt? Hm! wenn sie auch ein blaues Kleid gehabt — wenn er mirs meiner Unruhe wegen verschwiegen hätte? — Sehr möglich! Ach so haben wir beide nur eine gesehen — Lolly ist das Mädchen und das Mädchen Lolly — o wehe! — einer ist verloren! Bei Gott — da will ich der Verlorne seyn — denn auf den stillen Kummer meines Freundes mein Glückgebäude bauen? — Bei Gott nicht — ich will verloren seyn!

So stritt der Edle mit sich, und gieng spät nach der verabredeten Stunde in die Stadt, sattelte sein Roß im Gasthof, wo sie eingekehrt waren, und weil er den Freund nimmer traf, meinte er: Er ist ohne Zweifel vorausgeritten, ich muß ihn einhohlen.

Salassin sprengte nach der Stadt, aber Sebald einzuhohlen gelang ihm natürlich nicht, weil dieser einen andern Weg ritt.

Die Stadtthore waren bereits versperrt, und Salassin mußte sichs gefallen lassen in einem Gasthofe vor den Thoren zu übernachten.

„Sebald ist ohne Zweifel zu Hause schon, und wird um mich bangen — da ich heute nicht nachkomme. Doch — er weiß ja — ich bin kein Lämmchen so das erstemal in eine fremde Flur kommt“ —

So beruhigte er sich, und gieng in dem Garten des Gasthofes im Mondenschein mit verschlungenen Armen herum.