In seinem Zimmer ergriff er hastig Diente und Feder, und schrieb einige Briefe in wenigen Minuten. Seinem Vater und seiner Mutter, dem Fürsten von Tellmann und Sebalden. Er empfahl sich, allen dankte u. s. w. sagte aber Keinem wohin er gehe.

An Sebalden schrieb er folgendes:

Sebald!

„Sey glücklich! Ich wünsche das dir — Du liebst Lolly, ich sah euch beide im Garten in einer Laube vertraut, — Lolly liebt auch dich. Die Freundschaft muß meine Flamme, die für Lolly brennt, verlöschen. Noch einmal — sey glücklich — und weine dem Freunde eine mitleidige Thräne, dem eine wohlthätige Hand bald Ruh und Frieden geben wird.“

Salassin.

Keine Seele war in dem Hause — alles bei dem Feste noch — das war dem Stürmischen lieb: er konnte sich unbemerkt wegbegeben. — Die Briefchen ließ er auf dem Tische liegen: Lollys Bildniß hieng an der Tapetenwand ob seinem Ruhebette — schon stand er in der Thüre, ein Blick auf das Bildniß und er blieb wie eingewurzelt stehen. Unwillkührlich langte seine Hand darnach — seine Seele ward mächtig erschüttert.

Lolly! Mädchen — der schönsten schönstes — edelstes der edelsten — Ach ich darf dich nicht lieben — Vielleicht wirst du gerührt einst meiner Urne eine Thräne schenken, wenn mich des Krieges Schlund verschlungen haben wird — dann sprichst du vielleicht mit nassem Auge: „Er war auch ein guter Jüngling! Er liebte mich — und opferte sich meinem Heile.“ Ja — Unendlich Geliebte — dein Heil — deins ist mir theurer als meines — Sebald ist ein edler Mann — der dich ganz mit voller Seele liebt — du wirst glücklich in seinen Armen seyn.

Salassin ergriff das Bildniß, drückte es glühend an seine Lippen, blickte es noch einmal an — gierig — stand wieder — ein Geräusch flüsterte in den Tapeten — schnell flog er aus dem Zimmer: sattelte sich ein Roß, und entfloh mit unbeschreiblichem Drang im Herzen der Residenzstadt. — Die Strassen die er unlängst geritten — die Erinnerung der kleinen Vorfälle auf der Reise damals mit Sebalden — die Urnen im Walde wurden nur schwach durch den Anblick der Plätze erregt — wo es geschah und er nun vorüberritt — so betäubend war das Gewitter in seinem Innern.

Mächtiger war der Eindruck des im Schlachtdampfe gefallenen Felsthals, der mit Salassins itziger Lage viel Nahes hatte. Ihn trieb einst Verzweiflung in den Krieg — sich den Adel zu erkämpfen, und die Geliebte des Herzens dadurch zu erringen — und ach! er fand den Tod —! Ich will Ruhe finden — ich muß Sebalden glücklich wissen —

Noch stand die Sonne am Himmel, die Wölkchen spiegelten wie blanke Muscheln an dem Gewölbe des Firmaments — als Salassin im schnellsten Galopp in das Lager an seinen Posten kam.