Bengler. Salassin!

Lolly. (zitterte bei diesem Namen) Wo ist er?

Bengler. Du liebst ihn?

Lolly. Mein Vater —

Bengl. Lieb ihn als ein deutsches Mädchen, und sey edel und stark wie diese. Salassin ward vom Kaiser für das Vaterland gefodert — er ist an seiner Seite, in den Krieg gezogen, und sagt dir sein Lebewohl!

Lolly erblaßte; aber vom angebornen Stolze und Edelmuth ermannt, vergaß sie des Harms, der in ihr wüthete, und sprach: Darum kam er also nicht? Wohl ich bin ein deutsches Mädchen! Du bist mein, ja, Vater, Ich will seiner harren mit Lieb und Treue, die Lorberkränze winden für den Sieger, der zurückkömmt, oder — ich habe auch Thränen, den Edlen, wenn er fürs Vaterland fällt, stolz zu beweinen!

Sie fiel dem Vater herzlich um den Hals.

So bist du meine Tochter. Der Monarch ließ ihm nicht Zeit dich noch einmal zu sehen, dir nicht einmal schreiben zu können. Bleibe ruhig! Wir fahren in einer Stunde der Heimat zu!

Der erste heftigste Schrecken war nun vorüber. Die Freunde trösteten sich allmählig; Sebald unterrichtete seinen Onkel Tellmann von dem Beschlusse als er zurückkam, und Bengler verließ mit Lollyn, die für sie so traurige, leere Residenzstadt!

Sebald hatte versprochen Salassins Bildniß Lollyn zu senden. Sie beurlaubten sich gerührt und in kurzer Weile waren alle an ihrem Orte, zwar nicht so ganz ruhig, vielleicht auch unruhig; doch lächelte jeder Munterkeit, wenn das Herz auch im Innern bange pochte; sie scherzten wohl gar über den Helden, wenn er zurückkommen würde, und die Wangen so hübsch zerhauen und zerfezt mitbrächte. Ach sagte Lolly — die Wangen sind zu nach dem Kopfe, in dem das Leben sitzt; es wäre doch Schade um ihn.