Das hübsche Mädchen nimmt den häßlichen Krippel zum Manne? — sprach Sebald zu Lolly, als sie aus der Kirche getreten waren.

Häßlich? — warf Lolly ein.

Seb. Er ist ja im Gesicht zerfezt, und ohne der einen Hand! Und ein Mädchen —

Lolly. So? ein braves Mädchen taxirt also den Mann nach Gesicht und Händen? Ey, du mußt verzweifelt wenig von uns Mädchen halten! Die Braut ist grade ein doppelt schätzbares Geschöpf, weil sie den nimmt!

Seb. Vermuthlich wäre sie sonst —

Lolly. Vielleicht gar mannlos geblieben? O beileibe nicht. Der Bräutigam war ein bildschöner wackerer Jüngling. Vor 14 Tagen kam er aus dem Kriege so verunstaltet wie du ihn itzo siehst. Das Paar wollte eben sein Vermählungsfest feiern, als das Aufgebot wider die unversöhnlichen Feinde des Landes in dem Dorfe hier vorgetragen wurde. Er war der erste Freiwillige, der sich von seiner Geliebten trennte, und in die Schlacht zog. Der Freier wohl zwanzig warben um das Mädchen, als in der Zeitung stand, Mienchens Erwählter sey gefährlich verwundet; aber Mienchen wankte nicht. — Wenn ich Philipen nicht wiedersehe, sagte sie, so mag ich keinen mehr zum Manne, und wiß alle Andere ab. Aus der Nachbarschaft hielt auch ein recht hübscher guter und gar reicher Jüngling noch um sie an, den Mienchen nicht so ungern sonst hatte; aber ihr Philip war zu sehr ins Herz gewurzelt, und als er endlich ohne Hand und kaum kennbar im Gesichte nach Hause kam, da hüpfte Mienchen vor Freuden und das heutige Fest ward sogleich verabredet.

Seb. Das ist brav von dem Mädchen! Ihr gleichen — denk ich — aber doch nur wenige, die so einem Bräutigam treu blieben.

Lolly. Ey, du kennst die Mädchen doch in der That wenig. Welches wäre wohl in dem Falle nicht so? Darauf sind sie mit Recht stolz einen unglücklichen Kriegshelden durch ihr liebendes Herz lohnen zu können.

Seb. Wenn nun Salassin ohne Hand und mit solch einem Gesichte zurückkäme, reizende Lolly?

Lolly sah Sebalden mit einem abweisenden Blick an. Nun? Sollt ich ihn dann nicht noch lieber lieben? O ich wünschte nur — er wäre schon lieber da. Ohne Händ und Füsse, nur mit Kopf und Herz, ach! und du solltest sehen, wie überaus glückselig wir zum Altare träten!