Wahrhaftig unter den Mädchen des 18ten Jahrhunderts wäre wohl so ein Geschichtchen in allen Zeitungen und von allen Romanzendichtern besungen.

Der festliche Zug war inzwischen in das Haus der Braut gekommen, in einer großen reinlichen Stube standen die Gäste herum um das Brautpaar, das die Eltern noch einmal segneten. Der Bräutigam kniete nieder, sein Vater ein ehrwürdiger Greis, legte seine zitternde Hand auf des Sohnes Schultern — alle sahen mäuschenstill der feierlichen Szene zu.

Dem Greise bebten die Lippen, eine Thräne hieng ihm an der Augenwimper, indem er sprach: Mein Sohn! Sey — ein guter Vater! — ihm erstarben die Worte, er fiel dem tiefbewegten Sohn um den Hals, indem er mit Mühe stammelte: ach mein Sohn —!

Gerührt wünschten nun die Gäste dem neuen Ehepaar Heil und Segen zu dem neuen Stande, manch weichherziges Mädchen hatte über den schönen Auftritt auch ihr Thränchen vergossen, und — wenn ich recht gesehn habe — den leisen Wunsch verrathen: Segnete mich doch auch mein Vater nur auch schon! —

Nun ertönte die Musik, bald drauf wurde das Gastmahl begonnen, und unter dem reinsten Vergnügen genossen. Als die letzte der Schüsseln aufgetragen ward, grief die Braut rasch in ihre Schürze, und warf dem uralten Brauch gemäß eine Handvoll Rosinen auf den Brautführer, der Bräutigam auf das Kranzmädchen, ihnen nach regnete es nun von allen Seiten Rosinen und Zuckerkörner, und in wenigen Minuten lag der Tisch mit den süssen Sachen bedeckt. Die fröhliche Freude gieng in leichten Muthwillen über, und allgemein überließ man sich dem lachenden Jubel.

Das frohe Getöse rauschte eben am stärksten, als der launigte Küster mit einem Pack Papier unterm Arm in die Stube trat, und mit unzähligen tiefen Verbeugungen gegen das Brautpaar und die Gäste figurirte. Alle drehten sich nach dem komischen Mann, der bei allen Hochzeiten und Festen als Lustigmacher seine Sporteln hatte, wofür er die hochachtbaren Gönner mit launigten Späschen, lächerlichen Schwänken und lustigen Liedern unterhielt, die er aus alten uralten Folianten sog.

Er wandte sich vor allen an die neuen Ehleute, und begann seine Gratulazion also:

Sintemal und alldieweilen

Thut Eur Hochzeitsfest aneilen

Ich also von Herzen schön