Thue gratuliren gehn.
Das war der Eingang, und der gute Küster mit dem Hut unterm Arm, die andre Hand in der aufgeknöpften Weste räusperte sich und sammelte Athem zum fernern Vortrag. Alle sahen mit stillem Lachen auf den spassigen Rhapsodensänger unverwandten Blickes.
Der Herr Gratulant verzog den Mund und fuhr fort.
Weilen Gott die Welt zu mehren —
Lolly kicherte laut auf und bedeckte ihr glühend Gesicht mit der Hand, ihr nach platzten mehrere mit lautem Gelächter los, der ganze Ring endlich lachte mit, und der frappirte Küster blieb in seiner Gratulation unangenehmerweise stecken: Seine Kupfernase röthete sich vor Verlegenheit mit Karfunkelglanz, er stotterte und rüttelte sich zitternd, um das übrige seiner eigendsverfaßten Prekation noch hinauszubeuteln. Glücklicherweise kam ihm das Brautpaar mit der Danksagung zuvor und der Küster schöpfte freien Athem, und beruhigte sich, daß man zu stark gelacht und ihn unerwarteterweise nicht habe aussprechen lassen. Nun erklangen seine poetischen Gesundheiten, Lieder, Schwänke, auf welche die Musikanten ihre Antworten gaben.
Endlich packte er seinen Kram Papier aus — Pst! Pst! Zeitungen sinds, neue, die neuesten, das heutige Blatt unaufhaltsamerweise aus der Stadt geschickt, und Briefe von meinen hochgelehrten Korrespondenten!
Er kramte die Zeitungen ordentlicherweise auf den Tisch hin, griff nach seiner Brille, und las mit meckernder Stimme:
Vermöge eingelaufenen —
Nein! das ist das Alte schon — ich habe mich vergriffen! — rief er und wühlte unter dem Pack, suchte wohl zehn der Blätter hervor, und legte sie zehnmal wieder hin, mit dem Worte: Das Alte! das ist das Alte? Das heutige vom 9ten. Endlich fand ers und las: Alle waren ein Ohr für den Neuigkeitsbringer unmaßgeblicherweise:
„Der Deutschen ruhmvoller Kaiser hat mit seinem tapfern Kriegsheere eine gänzliche Niederlage dem Feinde beigebracht.“