Es lebe der Kaiser, und unsre Krieger! — scholls plötzlich und die Becher wurden unter Musik geleert.
Und Salassin — dachte Lolly, indem sie aufmerksam auf den Küster kein Aug verwandte, und wünschte von Salassin eine fröhliche Nachricht zu vernehmen.
Der Kaiser und unsre Krieger! — rief der Küster, und feuchtete seine trockene Kehle an. Er las weiter:
„Um die dritte Stunde des Tages noch im schwarzen Dunkel der Nacht griff der Feind den linken und rechten Flügel der k. deutschen Armee an, indem er zugleich mit einem Luftgeschwader auf das Centrum sank, wo der Kaiser selbst mit den tapfersten wachte. Mit ungestümmen Feuer drangen die Feinde auf uns vor, und ohne einer plötzlichen Hilfe wäre der Monarch und das Heer verloren gewesen.“
Der Küster blies sich Kühlung, und schöpfte Kraft aus dem Glase zum Weiterlesen: alle Gäste schwiegen ernsthaft als wäre nie ein frohes Gefühl unter ihnen gewesen. Die Aufmerksamkeit ward gespannter, alle Blicke hiengen fest an dem Küster.
„Der rechte Flügel stand allein noch unverrückt. Der Anführer sank von einer Kanonenkugel zerschmettert vom Pferde, und auch hier schon begann die Verwirrung einzureißen, die am Linken und auch sogar im Centrum schon ziemlich verderblich ward. Aber nun bekam plötzlich die Sache eine andre Gestalt. An der Seite des Anführers beim rechten Flügel kämpfte ein Held, ein junger Mann der nach dem Fall seines Generalen, wie ein Blitz alle Krieger entflammte, mit unbeschreiblicher Entschlossenheit und Muth seinen Mitsoldaten zudonnerte: Mir nach! Und in kurzer Zeit wichen die Feinde von dieser Seite, geschlagen und zerstreut, daß von 10000 Feinden wenigstens zwei Drittheile Leichen waren.“
Es lebe der junge Held! — ertönten die Jubelstimmen Aller, und schwiegen sogleich wieder, begierigst den Ausgang zu vernehmen.
„Der Kaiser ist in Gefahr! Das Centrum geräth in Unordnung! Ein abgeschickter Adjutant brachte dem rechten Flügel sogleich die Nachricht. Itzt wand sich der junge Held mit seinen Truppen, und kam dem Feind, der immer tiefer in das Herz der Armee drang, auf den Rücken. Das feindliche Luftgeschwader sank fürchterlich herab, denn itzt erhob sich ein ziemlicher Regen, und brachte seine eigenen auf der Erde vordringenden Leute in Verwirrung. Der junge Held benützte diesen Vortheil, und der Feind war gänzlich auch in Centrum aufgerieben. Nur der linke Flügel des kaiserlichen Heeres kämpfte noch zweifelhaft, bis die Normänner benachrichtigt von der Niederlage ihrer Leute eiligst flohen, und den Deutschen das Schlachtfeld räumten. Im Centrum waren die Feinde bereits an das Zelt des Monarchen selbst vorgerückt, der Kaiser schon umrungen als der obenbenannte Held glücklich zur höchsten Zeit erschien, und als er die fürchterliche Gefahr des Landesvaters bemerkte, wie ein Rasender focht. Schon bauten die feindlichen Waffen blutige Wälle von Menschen um den Monarchen, als der tapfere Unteranführer des rechten Flügels den Monarchen der Gefahr entriß, und einen vollkommenen Sieg erstritt. Ein Schwarm Normänner als sich schon alles für uns entschieden hatte, fiel unvermuthet auf der unbesetzten Seite auf den Kaiser, der neue Held gewahrte dies, und machte sie zu Gefangenen, indem er aber eben einen feindlichen Reiter vom Rosse hieb, sank er selbst von Wunden erschöpft vom Pferde.“
Die ganze Gesellschaft betrauerte den Tapfern. Doch nicht todt? — rief Bengler.
Der Küster hatte sich schnell an einem Zuge aus dem Glase gestärkt, und sprach: Hier ist noch ein Nachtrag erfreulicherweise! — Es ward wieder todtenstill.