„Die Feinde verloren 18000 Todte, und gegen 8000 Gefangene: unser Verlust an Todten beträgt gegen 11000 an Gefangenen vielleicht keine 500. Der umständlichere Bericht nebst der Anzeige der Namen von Gefallenen, wird noch nachgetragen. — — Eben läuft die Nachricht ein, daß der vortreffliche Held nur vom vielen entronnenen Blute erschöpft vom Pferde gesunken sey, und allmählig sich erhohlt habe. Er ist der Sohn des Edlen —“
Der Küster läßt vor Entzücken die Zeitung fallen, und wirft seinen Hut in die Höhe. Ueber den Ausbruch seines komischen Jubels drängt sich alles von seinen Sitzen und zerrt sich um die Zeitungsblätter.
Es lebe unser Graf! Der Held ist Salassin sein Sohn! schrie der Küster, und lief wie unsinnig in der Stube herum. Die Musik erklang stärker, das Gewimmel der Gäste reger, das Getöse lärmender. Wellyn sank seine Gattin Jadilla in den Arm, Welly selbst war fassungslos, Lolly schlug vor Entzücken den Sessel um, und fiel Sebalden um den Hals, Bengler stand vor Erstaunen und Freude wie eine Bildsäule. Sebald vergaß daß es Lolly sey die ihm am Halse hänge, und küßte brünstig das unbefangene Mädchen. Lauter Jubel hallte und schallte, alle Gesichter glänzten vor sprechendem Entzücken. Der Küster dachte nicht einmal, wie er nun zu der Ehre und Freude seinem theuersten Grafen recht poetisch gratuliren werde.
Drittes Kapitel.
Eine Entdeckung.
Das Hochzeitsmahl war vorüber unter abwechselnden Ergötzungen: nun schloß das Fest ein ländlicher Tanz, und die wonnetaumelnden Freunde Wellys giengen erst spät zur Ruh. Konnte einst Mutter Jadilla nicht schlafen vor Kummer, als sie ihren trauten Salassin von Gefahren umlagert wußte, so konnte sie nun noch weniger schlummern vor Jubel.
Aber ist denn das schon so ganz gewiß, wahr und richtig was in der Zeitung stand? Wie möchte die laute Freude der Guten in kränkenden Kummer übergehen, wenn die Zeitung gelogen hätte? Den Blättern des drei und zwanzigsten Sekulums kann man ohne allem Zweifel Glauben beimessen. Eine so verächtliche Person fast in unserm jetzigen Jahrhundert ein Zeitungsschreiber geworden ist, durch seine Erfindungen von unverschämten Lügen und Partheilichkeit, eine so geachtete und verehrte ist die eines solchen im 23ten. Man kann sich auf die Worte desselben verlassen, daß Wahrheit darinn liege, dem man beweisen konnte, er habe eine falsche oder partheyische Nachricht eingerückt, der mußte für jedes Wort, das er darüber schrieb, einen Dukaten in die Armenkasse geben. Du lieber Himmel! Wenn man mit den jetzigen Zeitungsschreibern so verführe, und sie statt Dukaten nur Heller zahlen sollten, ich glaube, die Armen müßten bald reich werden.
Die Nachricht, die süsse herzerquickende Nachricht von Salassins Ruhm war also zuverlässig wahr. Lolly träumte schon, wie sie den wackern Helden empfangen würde, auf welche Art er bewillkommt werden müsse, welch ein herrlicher Augenblick es seyn werde, wenn Salassin der bekränzte Sieger voll des beneidenswürdigsten Ruhms belohnt vom Vaterland wieder in ihre Arme kehren wird.
Sebald! — sprach Bengler vertraulich am andern Tage. Wer hätte glauben sollen, daß unsre Lüge die wahrste Wahrheit sey? Bin ich doch wirklich zum erstenmale in meinem Leben ein so guter Lügner gewesen, daß ich fast Gefallen daran fände. Nur Schade, daß es selten so gut ausfällt! Sieh mir nur einmal den seltnen Fall an! Hat der Kukuk den Feuermann doch in den Krieg getrieben! Nun, Nun! weil es nur so gut noch ablief.
Ich will — setzte Sebald hinzu — Salassin die ganze Sache mit wenigen Worten schreiben. Gewiß weiß ich, er ist längst bei seiner herrlichsten That nicht so froh und ruhig als wir. Lolly wird er mit mir glücklich wähnen, und ich wette, wenn der Friede die Kriegsheere zurückschickt, er macht uns den Streich und läßt sich nicht sehen.
Da sollt ihn der Kaiser in die Jammerburg setzen lassen, wenn er das zu thun im Stande wäre! — sagte Bengler.