Sie fuhren stumm, von dem Bilde des geliebten Greises umschwebt, mit trauerndem Herzen in dem schnellen Luftschiffe. Nur manchmal lächelte Jadilla heiter auf Sebalden, wenn er sie mit den Worten der Liebe tröstete, und auf ihr nahes seliges Leben wiß. Sebalds Mutter war in banger Erwartung: der Name Jehnsen erregte ihr frohe Unruh.

Viertes Kapitel.
Der Gastwirth im Vollmond.

Endlich kamen sie an. Geschäftig sprang aus dem Gasthofe Jehnsen. Sebald und Jilla halfen der Mutter aus dem luftigen Wagen, und Jehnsen lief mit einem lauten Schrey auf sie zu.

Marlon! Marlon! Mein Weib! — rief er, und Sebalds Mutter sank ihm in die Arme:

Mein Vater! mein Vater!? schrie Sebald, und schloß sich an den endlich einmal gefundenen Vater. Es war eine rührende Gruppe, werth des Meissels eines Phidias. In sprachlosem Entzücken umarmten sich die fünf Lustern lang getrennten Gatten, der Vater den Sohn, der Sohn den Vater, die beide sich noch nie gesehen hatten.

„O ich hatte dich sogleich erkannt meine langbetrauerte Marlon! Mit dem ersten Blick erkannt ich dich — denn in meiner Seele lebte noch in Jugendfrische dein Bild. Laß uns den Rest unsers Leben nun freudig und ungetrübt in stetter Vereinigung verleben. Ach, wir entbehrten uns sogar lange. Alt sind wir geworden, seit wir uns getrennt haben, aber jung noch und immer neu ist das Gefühl, so in mir sich regt. Laß uns ausruhen von den Mühseligkeiten, die wir erlitten, seit uns ein feindlich Geschick geschieden, aber nun mit um so süsserer Wonne auf immer vereinet hat!“

So sprach der beglückte Jehnsen, als der Jubel des Herzens Worte fand. Er drückte den gefundenen Sohn mit dem Ungestüm der Zärtlichkeit an sein Herz, mit dem ein Vater einen Sohn, den er zum erstenmal sieht, umarmen kann. — Vergieb, vergieb, mein Sohn! — rief Jehnsen zu ihm. Ich war dein Vater noch nicht. Unglück genug für mich, daß ich die Wonne nicht geniessen konnte dich unter meiner Sorge aufwachsen zu sehen. Ich beneide die Guten, die an dir das thaten, was ich hätte thun sollen eben so sehr, als ich ihnen danke. Doch nun — da uns meines Lebens seligste Stunde vereinte, nun will ich dein Vater für dich leben und handeln.

Im Erguß seines Entzückens hatte er Jillan gar noch nicht einmal begrüst. Sie stand mächtig gerührt an Sebalds Seite.

„Lieb Mädchen, du nimmst mir, dem Gastwirthe es doch nicht übel, daß ich zuletzt dich bewillkomme? — wandte sich Jehnsen an Jilla. Das sind freilich meine Leute, aber wahrhaftig doch auch seltnere Gästen, als du, Jilla, dich sah ich ja faßt alle Jahr ein paarmal. Was macht der gute Vater?“

Die Angekommenen erwachten plötzlich durch diese Frage aus ihrem hohen Entzücken. Jilla sah Sebalden mit einer halbentquollenen Thräne im Auge an, Sebald trüb auf Jilla. Was deutet eure stumme Verlegenheit meine Lieben! — fragte Jehnsen. Redet, redet — Jilla du verbirgst dein Gesicht? Sebald— du kennst ihn ja wie kämst du sonst mit Jilla zusammen — redet —