Lohnston, dem alle Bande, die ihn an sein Vaterland ketteten, theils zerrissen, theils schwach waren, verließ von seiner unbezwinglichen Liebe für Rosalie, sein Vaterland, und bot seine Kraft Germanien an. Gelegenheit und Thätigleit erhoben ihn auf die höchste Schwelle der Menschen Glückseeligkeit. Er stieg von Ehrenstuffe zu Stuffe, und erhielt Rosalien zur Gattin, mit der er sein Vermählungsfest grade an dem Tage feierte, an dem Rosaliens Vater mit Germaniens Krone gekrönt wurde.

Aber ach — sie starb im 8ten Jahr der beneidenswerthesten Ehe, und Tellmann stürzte vom höchsten Gipfel der Menschenseeligkeit in den tiefsten Abgrund des Jammers. Zeit — dieser unvergleichliche Seelenarzt und der Schwall von Geschäften, die er dem Staat schuldig zu besorgen war, heilten ihn, und mit dem Wiedersehn seiner Schwester dämmerte die Sonne der Freude aus den Nebeln der Leiden hervor, um ihm bis an die Stunde des Scheidens zu strahlen.

Zweites Kapitel.
Eine Eroberung.

An einem Tage wurden die beiden Freunde zu einem Besuche geladen. Der Kranz der versammelten Gäste war groß, und man unterhielt sich sehr lebhaft. Salassin gewann vorzüglich die Neigung eines der reizendesten Mädchen, das ihn mit ungemeiner Aufmerksamkeit auszeichnete.

Später am Tage zerstreute sich die Gesellschaft im Garten. Salassin stahl sich in eine entlegene Laube. Er ruhte auf einer Rasenbank, eine Kaskade plätscherte, ihr Murmeln melodirte so lieblich mit dem Gesang einer Nachtigall — er horchte sinnig, und das Plätschern der Kaskade machte die Erinnerung an Lolly rege.

Durch die schmalen sandbestreuten Gänge des Gebüsches rauschte es plözlich — Er drückte sein Gesicht in die Hand, und träumte. Sie da! — das geschäftige Mädchen, das sich seiner im Gastsaale so annahm — stand wie ein Frühlingsengel am Eingang der Laube, und erblickte den holden Träumer in seiner tiefsinnigen Lage.

So allein? — sprach sie lächelnd! und indem sie ihn sanft auf den Arm mit dem Fächer schlug — du fliehst die Gesellschaft, und sinnest allein in einer dunkeln Laube?

Salassin fuhr aus seinem Sinnen, und wand sich an das reizende Mädchen. „Ich bin nicht so allein schönes Mädchen! wie du glaubst — mich umgaben —

Träume allenfalls — diese sind für die Nacht gut; aber bei Tage soll man —

„Vergieb, ich kenne die Lebensart der Stadt noch nicht so genau. Ich bin ein Fremdling den Sitten der Städte — ich bin auch blöde und fühle mich zu unfähig — mit lieblichen Mädchen —