Aber guter Mann, kannst du mir nicht sagen, wer die Frau in dem Walde ist?

Ihr Mann war ein reicher Kriegsmann — reich — o je reich, der hatte der Dukaten so viele als Steine in unserm Dorfe sind. Er wurde im Krieg erschossen, die Frau lebt nun in der Einsamkeit und weint sich zu todt.

Hatte sie nicht auch einmal einen Sohn?

Ja! Der ist auch im Krieg ums Leben gekommen. Er hat ein Schätzgen, ein liebes gar schönes Kind, und brav war sie — brav und gut, sanft wie ein Lamm, sie that allen Leuten Gutes; ich kannte sie recht gut, denn sie ist aus unserer Nachbarschaft eines vermöglichen Predigers Tochter gewesen. Der Sohn des alten Kriegsmannes hatte sie denn so außerordentlich lieb — und sie ihn auch — so lieb und werth wie ich meinen kleinen Philip, mein Enkelchen lieb und werth habe. Er wollte sie ehlichen; sein Vater sagte, du bist ein Bube, hast noch kein Verdienst, sieh dich erst in der Welt um, und wollte ihn erschiessen wofern er das Mädchen noch einmal sähe. Darauf kam der Krieg mit den Normännern aus — ach Herr ist es denn wahr, daß die Sprudelköpfe schon wieder anfangen und unser gute Vater Kaiser seine Soldaten zum Kriege mustert?

Seyd getröst lieben Leute, es ist so gefährlich noch nicht — Nun da kam also der Krieg aus — wie war es weiter!

Nun ja — da kam also der Krieg mit den Normännern aus, der Sohn zog in der Rasch mit in die Schlacht, und wollte lieber sterben als ohne seiner Herzallerliebsten Leben. Ach! er fand ihn nur gar zu bald, den bittern Tod. Der Vater wurde erschossen, und der Sohn zusammengehauen, denn er war gar zu muthig, und der erste der voraus ritt. Die Nachricht kam denn in die Ohren des Liebchens, die sich kränkete und keine Lebensfreude mehr hatte. Sie wurde krank und starb bald darauf. Wir haben alle herzlich geweint — es wäre ein so gutes Paar Leutchen gewesen — die alte Frau im Walde hat nun ihnen ein Grabmal gebaut. Ich komme alle Jahre einmal dahin, und bete für die Seligen. Da ist alles so traurig in der Einsamkeit, und die schwarzen Grabsäulen machen einem das Herz so wehmüthig — seyd ihr auch da gewesen? Herren?

Ja! lieber Mann! Und gab eben der alte Thomas an seinen Bruder etwas mit, der uns denn so weidlich erschreckte. Habt ihr viele Armen im Dorfe?

Nein! Gott sey Dank wenige —

Da nehmt das Geld und theilt es unter sie!

Gotteslohn braver Herr! Sie werden bethen für euch und den alten Thoms!