Besitzt nun auch die Jugend noch so viel Beweglichkeit, um keine Mittagsruhe in den Hängematten zu halten, so wird doch die Zeit nicht besser angewendet, als um Vögel zu fangen, oder mit der Flinte in den Wald zu schlendern. Ernste und anstrengende Arbeiten sind den meisten Creolen ein Gräuel. – Da im täglichen Umgange unter den Eingebornen blos neger-englisch gesprochen wird, und ausser der Schulzeit die Kinder sich wenig mit Lesen und Schreiben beschäftigen, so findet man nur sehr Wenige, welche correct holländisch schreiben oder richtig sprechen können. Die Geographie Hollands lernen Alle vollständig und sie kennen jeden Fluss oder jeden noch so unbedeutenden Flecken dieses Landes, das die Wenigsten unter ihnen je zu sehen bekommen, aber um die Kenntniss der Producte, der Lage und sonstigen Verhältnisse ihres eigenen so reichen Vaterlandes bekümmern sie sich nicht. Diess mag wohl auch eine der Ursachen seyn, dass Landbau und Industrie so vernachlässigt sind.

Ehe ich nun zur Erzählung meines einförmigen Garnisonslebens und der kleinen Vorfälle im Laufe meiner Dienstzeit zurückkehre, will ich, um den Zusammenhang nicht zu unterbrechen, die Sitten und Gebräuche auf den Pflanzungen, soweit ich sie während meines langjährigen Aufenthalts habe kennen lernen, schildern[ [5].

Die Pflanzungen, welche den Reichthum des Landes hervorbringen, liegen alle längs der vielen Flüsse und Kreeken, welche die Colonie in allen Richtungen durchschneiden und den Transport der Producte erleichtern.

Da das Land, soweit die Pflanzungen reichen, überall nieder ist, und diese manchmal unterm Niveau des höchsten Wassers stehen, so war bei der Anlage derselben eine dauerhafte Eindämmung, Anlage von Schleussen u. s. w. nöthig, lauter Arbeiten, deren Kostspieligkeit und Mühe sich wohl keine anderen, als holländische Ansiedler unterzogen haben würden, und die auch in der Folgezeit durch die ungeheure Fruchtbarkeit reichlich vergütet wurden.

Das Hauptproduct war und ist jetzt noch Zucker. Die Pflanzungen hievon sind desshalb hinsichtlich der Anzahl von Negern auch die bedeutendsten, denn sie haben 100-400 Sclaven.

Ich übergehe die allgemein bekannte Anpflanzung dieses sowie der anderen Producte, und füge blos bei, dass die Arbeiten auf einer Zuckerpflanzung beschwerlicher für die Neger sind, als auf einer anderen, da besonders bei den Wassermühlen die Sclaven Tag und Nacht arbeiten müssen, weil solche Werke nur mit den Springfluthen des vollen und neuen Mondes in Gang gebracht werden können.

Die Dampfmaschinen, welche immer mehr in Gebrauch kommen, erlauben zwar den Negern ihre Nachtruhe, erfordern aber viele Mühe und Kosten, weil zur Feuerung der Maschine eine Menge Holz oder Steinkohlen nöthig ist. Erfahrene Directoren ziehen ein gutes Wasserwerk jeder Dampfmaschine vor. Das andere Product, das aber immer mehr in Abnahme kommt, ist Caffee. Auf diesen Pflanzungen sind 40-200 Sclaven, welche ein ungleich besseres Leben als die auf den Zuckerpflanzungen führen, indem ihre tägliche Nahrung, die in Bananen besteht, immer reichlich vorhanden ist.

Im Schatten dieser Bananen stehen die Caffeebäume; eine Caffeepflanzung liefert meistens Bananen nach den Zuckerpflanzungen, auf welchen diese nicht in hinreichender Menge angepflanzt werden, wesshalb das Fehlende für die Sclaven angekauft werden muss.

Das dritte bedeutende Product ist Baumwolle, welche in den Ländereien, die in der Nähe der See liegen, vortrefflich gedeiht. Auch hier hat man Pflanzungen von 300 Sclaven.

Die Zubereitung dieses Products wurde in der letzten Zeit bedeutend vervollkommnet, und das langweilige Geschäft, den Cattun von den Körnern zu scheiden, wird jetzt auf mehreren Pflanzungen durch kleine Dampfmühlen verrichtet, die im Stande sind, mit der Hülfe von fünf Personen täglich bei 2000 Pfund Baumwolle rein zu mahlen, eine Arbeit, die auf gewöhnlichem Wege eine Menge Neger beschäftigen würde.