Cacao und Indigo sind von weniger Bedeutung, da blos noch kleine Pflanzungen davon existiren.

In den höher liegenden Gegenden sind die Holzgründe, welche für den inländischen Gebrauch Balken und Bretter liefern. Es sind davon etwa 25 im Lande, welche 2400 Neger beschäftigen. Da das Holz, welches auf diesen Etablissements bearbeitet wird, nicht als Ausfuhrproduct betrachtet werden kann, und diese desshalb weniger bekannt sind, so halte ich es für nöthig, noch einige Details darüber beizufügen.

Diese Niederlassungen befinden sich, wie schon gesagt wurde, im höher liegenden Lande, wo keine Productpflanzungen mehr sind und der Urwald mit seinen colossalen Bäumen vor den Palmen- und Mangowäldern des niederen Landes vorherrscht. Sie enthalten meist nur wenige Sclaven (mit Ausnahme von zwei, welche gegen 300 zählen), aber ein desto grösseres Territorium, was natürlich bei dem langsamen Wachsthum der Bäume sich von selbst versteht. Es gibt Pflanzungen, welche 12 holländische Meilen im Umkreise haben, die jedoch noch keine 50 Sclaven zählen. Die Bearbeitung des Holzes ist für dieselben die leichteste und angenehmste Arbeit, weil ihnen diese festgesetzt ist, und sie im Stande sind, mit etwas Fleiss 1-2 Tage wöchentlich für sich selbst zu erübrigen. Häufig sind die Arbeitsplätze mehrere Stunden von der Pflanzung entfernt, und die Neger gehen jeden Montag mit Lebensmitteln für die ganze Woche dahin. Gesunde und starke Männer werden zum Sägen verwendet; andere jüngere Männer müssen den gefallenen Baum auf ein Gerüst, das man Barbacot nennt, aufsetzen; zu diesem nimmt man das Holz der Cumu-Palmen und anderer, leicht fällbarer Bäume, oder man macht ein solches aus starken Sparren, die mit Lianen dauerhaft zusammengebunden werden, und worauf nun drei oder mehr Männer, je nach der Grösse des Blockes, denselben aufsetzen. Die zum Sägen bestimmten Bäume werden im Neumond gefällt, weil man meint, dass das Holz alsdann weniger reisse. Man nimmt an, dass zwei Neger täglich 60 lange und 1' breite Bretter sägen, was auch für sie ganz leicht geht. Diese Bretter werden von Weibern auf dem Kopfe nach dem Holzgrunde oder dahin gebracht, wo eine Kreek oder ein Fluss den Weitertransport erleichtert. Viereckiges Bauholz wird von Ochsen gezogen, was aber bei den schlechten Wegen und überall hervorragenden Baumwurzeln sehr langsam von statten geht.

Die Holzetablissements, welche schon seit so vielen Jahren betrieben werden, hieben natürlich dasjenige Holz, das in der Nähe der Flüsse oder Kreeken stand, zuerst weg, und haben desshalb, je tiefer sie landeinwärts dringen, um so schwierigeren Transport. Es denkt natürlich Niemand daran, die ausgehauenen nützlichen Hölzer durch Stecklinge nachzupflanzen, was mit wenig Mühe und Kosten geschehen könnte. Man denkt eben wie überall: Après moi le déluge – und das ist eben der Grund davon, dass die edlen, feinen Holzarten so theuer und in grossen Dimensionen so mühsam zu bekommen sind. Es können diese Etablissements durchaus nicht concurriren mit dem Verkaufe des Holzes, das die Buschneger aus den noch nicht ausgegebenen Waldungen des unbewohnten Landes bringen, und zu niedrigen Preisen verkaufen. Ausserdem dass die Buschneger nicht die mindeste Abgabe an das Land bezahlen, während die Eigenthümer der Holzgründe mit Kopf- und Ackergeldern besteuert, und den Wechselfällen des Sklavenbesitzes ausgesetzt sind, fällen jene ihr Holz noch an Stellen, wo es, so zu sagen, ins Wasser fällt, so dass ihnen der Weitertransport keine Mühe macht. Es ist desshalb auch zu begreifen, dass die Eigenthümer der Holzgründe ihre Rechnung bei diesem Handel nicht finden; aber das Gesetz, dass die Neger nur mit ihrem Willen von den Pflanzungen verkauft oder versetzt werden können, und die Widerspenstigkeit, ein anderes Product anzupflanzen, das dem Eigenthümer mehr Nutzen bringen, ihnen aber mehr Mühe verursachen würde, macht die meisten Eigenthümer zu armen Leuten.

Die Neger dieser Pflanzungen haben vor allen das beste Leben; sie gebrauchen die viele freie Zeit, welche sie erübrigen, zur Anpflanzung von Erdfrüchten, die sie in Paramaribo verkaufen. Sie erhalten von ihren Eigenthümern bloss sogenannte Switti Moffo, d. i. gesalzenes Fleisch oder gesalzene Fische; es werden ihnen aber jährlich in der Trockenzeit eine gewisse Anzahl Tage freigegeben, in denen sie Wald fällen, verbrennen und den Boden reinigen, und Erdfrüchte, die meistens aus Mais, Reis, Toryers, Cassave u. s. w. bestehen, pflanzen. Sie ziehen überdiess Schweine und Federvieh und leben in mancher Hinsicht besser, als der von allen Sorgen gedrückte und ärmere europäische Landmann.

Alle Pflanzungen stehen unter der Aufsicht und Leitung eines Directors, der auf der Pflanzung wohnt und von den Eigenthümern oder Administratoren des Effektes angestellt und diesen verantwortlich ist[ [6].

Die Einkünfte des Directors richten sich nach der Grösse des Effektes und seiner Revenüen, und belaufen sich auf den grössten Zuckerpflanzungen manchmal auf 3000 fl. Ausser der Besoldung, die im Durchschnitt auf 1200 fl. angeschlagen werden kann, haben viele noch sichere Procente von Producten der Pflanzung, als: Zucker, Caffee, Cattun, Melassin und Dram; sie ziehen auch eine Menge Schweine und Federvieh, die von den Bananen der Pflanzung gefüttert werden. (Ich kenne Directoren, die über 1000 fl. jährlich reinen Gewinn von ihren Schweinen haben.) Sie sind auch unumschränkte Herren auf der Pflanzung. Verstehen sie nun, sich der Gunst des Administrators zu versichern, und sind sie in ihrem Fache als tüchtige Männer bekannt, so ist ein solcher Director wirklich eine beneidenswerthe Person. Geräumige Gebäude sind ihre Wohnungen, eine Menge Dienstboten führen die Haushaltung; ein Jäger, Fischer und Gärtner sorgen für die Bedürfnisse der Tafel, und alle diese fliegen auf den Wink herbei. Die Bequemlichkeit dieser Herren, besonders der farbigen Directoren, ist daher manchmal eckelerregend, so z. B. wäre es eine grosse Erniedrigung, selbst eine Pfeife anzuzünden, ein Glas Wasser einzuschenken oder die Schuhe auszuziehen. Ich kannte mehrere dieser Herren, besonders auf Holzgründen, die des Morgens um 6 Uhr aufstanden, dem Bastian der Neger ihre Befehle ertheilten, dann Caffee tranken, bis 12 Uhr nichts thaten, gut assen, nachher sogleich von den Beschwerden der Tafel in der Hängematte ausruhten, und sich da von einem hübschen Negermädchen den Kopf kratzen liessen, bis ihnen die Augen zufielen. Um 5 Uhr standen sie auf, wuschen sich, assen von 7-8 Uhr, legten sich um 9 Uhr mit ihren Concubinen in's Bett und verdienten dabei 12-1500 fl. jährlich. Dieses ist nicht übertrieben; doch kenne ich keinen Europäer, der es bis jetzt zu diesem Grade von Faulheit gebracht hatte.

Ein Director, der seinen Pflichten nachkommen will, wird aber auch nie auf solche Weise vegetiren. Die Behandlung der Neger erfordert, besonders in der jetzigen Zeit, sehr viel Umsicht und kaltes Blut, sowie eine grosse Erfahrung und eine, wenigstens auch nur oberflächliche, medicinische Kenntniss, um ihre angeblichen Krankheiten, die sie manchmal vorschützen, um sich der Arbeit zu entziehen, oder ihre wirklichen Krankheiten und Gebrechen beurtheilen zu können. Ihre mannigfaltigen Betrügereien, ihr Aberglauben und ihre Fetische können nicht immer auf eine Weise bestraft werden, wie sie es verdienen; kurz, es gehört viel dazu, sie zum Vortheil ihres Besitzers so zu behandeln, dass die Furcht, die doch hier nur den Gehorsam bedingt, unter ihnen herrscht, und ihre Fehler doch mit Nachsicht gerügt werden. Und es ist nicht allein Menschen- oder Negerkenntniss, die dem Director nicht fehlen darf, sondern er muss auch in technischer Beziehung eine gute Schule genossen haben; denn er muss seine Meinung beim Zimmern von Gebäuden, beim Mauern von Oefen, beim Schmieden im Maschinenwerk, kurz überall äussern können, weil Alles unter seiner Leitung und Aufsicht geschieht. Die Bearbeitung seines Products ist ihm ganz allein überlassen, und es liegt desshalb eine schwere Verantwortung auf ihm.

Das Leben auf der Pflanzung ist beinahe überall das gleiche.

Der Director steht um ½6 Uhr auf, kleidet sich in eine grobe leinene Hose und ein Wamms, und kommt auf die Gallerie, die auf den meisten Pflanzungen sich auf einer oder beiden Seiten des Hauses hinzieht. Bereits warten unter derselben die schwarzen Aufseher der Sclaven, Bastians, die als Zeichen ihres Ranges eine Peitsche führen. Es sind deren 2-4. Sie erstatten dem Director Bericht über die Arbeiten des vorigen Tages, bezeichnen die Faulen oder die, welche Strafe verdient haben, und vernehmen die Befehle für die Arbeiten des Tages. Die, welche Prügel verdient haben, empfangen sie nun vor der Thüre, während der Director seinen Caffee trinkt.