Sind die Arbeiten geregelt, so erscheinen die Kranken mit dem Dresneger oder Doctor. Man sieht da allerlei jämmerliche Gesichter und hört manches Aechzen, was man aber nicht immer für baare Münze annehmen darf. Die wirklich Kranken kommen ins Krankenhaus, die andern werden weggejagt und müssen an ihre Arbeit. Zu gleicher Zeit macht auch der Blank-Officier oder weisse Aufseher, der seinen Caffee in seiner bescheidenen Kammer eingeschluckt hat, seinen Rapport, erhält seine Befehle und geht in die Aecker, die Arbeit der Neger anzusehen, oder in die Mühle, wenn da gemahlen wird. Der Director geht nun, nachdem er die Befehle für seine Haushaltung (denn nur wenige sind verheirathet) gegeben hat, mit seinem Jungen (Voeteboy), der Tabak, Flinten, häufig auch eine Herzensstärkung tragen muss, versehen mit einem langen, sogenannten Tasstocke, ins Feld, wo er ebenfalls die Arbeiten besichtigt und untersucht. Der lange Stock dient ihm dazu, um über die Gräben, welche die verschiedenen Beete und Aecker absondern, zu springen. Ueber breite Gräben (Vaartrenzen), in welchen man das Product in kleinen Ponten nach den Gebäuden führt, gehen Brücken. Meistens dauert eine solche Promenade 1½-2 Stunden, von welcher man, besonders während der Regenzeit, von unten bis oben beschmutzt nach Hause kommt. Hat er sich umgekleidet, so wird ein Schnaps eingenommen, um den Appetit zur Tafel zu reizen, der aber bei einem noch nicht recht kommen will, und meistens durch mehrere aufeinander folgende geweckt werden muss.

Gegen eilf Uhr bringt die Creolen-Mamma, eine alte Negerin, welche die Aufsicht über die Kinder der Pflanzung führt, dieselben vor die Thüre. Mädchen und Knaben sind ganz nackt und kommen so eben aus dem Bade. Sie stellen sich nach der Grösse: Bengels von 13-14 Jahren oben an, und ganz kleine, mit dicken, vollgegessenen Bäuchen, unten.

Auf ein gegebenes Zeichen der Negerin strecken alle die Hände empor, klatschen und rufen: Odi Masra, Odi Missi, fai Masra dan, fai Missi dan! (Guten Tag Herr, guten Tag Frau! Wie gehts Herr? Wie gehts Frau?) und dergleichen Narrheiten, die jeder Director nach seiner eigenen Phantasie papageienartig sich vorplaudern lässt. Hierauf marschirt die Creolen-Mamma mit ihrer Heerde ab.

Um zwölf Uhr wird gegessen, wobei der Blankofficier, wenn keine Gäste da sind, allein mit dem Director isst. Es werden meistens mehrere Arten Fleisch und Fische mit Erdfrüchten und scharfen Saucen, aber wenige Gemüse aufgetragen.

Häufig findet man bei der Mittagstafel einen alten, russigen, irdenen Topf, der mit Ueberbleibseln von Fleisch und Fischen, in einer fürchterlich gepfefferten Sauce, auf einem weissen Teller den Liebhabern präsentirt wird. Man nennt diese Töpfe Pfeffertöpfe[ [7]; sie waren besonders früher sehr in der Mode. Nach dem Essen hält der Director eine Siesta bis gegen 4 Uhr. Ihn in dieser Ruhe zu stören, ist nur in besonders dringenden Fällen erlaubt, sonst würde er ein sehr schiefes Gesicht dazu machen. Des Abends 6 Uhr kommen wieder die Bastians und Feldneger, welche dann einen Schnaps, Dram, erhalten, vor die Thüre, und auch der Blankofficier macht mit dem Hute in der Hand seine Aufwartung. Auch er erhält seinen Schluck Genever; nachher zieht er sich, wenn ihn nicht der Director zum Gespräche zu sich einladet, was aber sehr selten geschieht, in sein Kämmerlein zurück, bis ihn gegen 8 Uhr der Voeteboy zum Abendessen abruft.

Ist der Director ein gebildeter Mann, so findet er in der vielen freien Zeit Unterhaltung in der Lectüre; denn häufig leben die Directoren der Nachbarschaft unter sich auf gespanntem Fusse, was wirklich zu verwundern ist; denn sie sind desswegen meist allein und blos auf die Gesellschaft ihrer Haushälterinnen beschränkt, die gerade nicht besonders unterhaltend sind. Diese Einsamkeit und das Bedürfniss, die Zeit zu tödten, ist die Hauptursache der unmässigen Consumtion von starken Getränken, und es ist unglaublich, welche Quantitäten von Genever, Rum und Branntwein hier jährlich verbraucht werden.

Die Gastfreundschaft auf den Pflanzungen ist sehr gross. Da keine Wege im Lande sind, so reist man überall zu Wasser in geräumigen Barken, und zwar die Flüsse aufwärts mit der Fluth, abwärts mit der Ebbe[ [8].

Wirthshäuser findet man nirgends. Erlaubt das Getey (Ebbe oder Fluth) nicht, weiter zu fahren, oder will man ausruhen, so hält man an der ersten besten Pflanzung und wird, sey man bekannt oder nicht, mit aller Freundlichkeit empfangen. Man erhält Zimmer, übernachtet oder zieht weiter, wie man es für gut findet. An Bezahlung ist natürlich nicht zu denken, und Trinkgelder sind gar nicht Mode.

So ist also das Leben auf den Pflanzungen mehr oder weniger gesellig, je nachdem Gäste kommen, oder die Directoren der Nachbarschaft sich gut mit einander vertragen können.

Viele Bewohner der Stadt bringen die Trockenzeiten auf den Pflanzungen zu, und mancher Pflastertreter sucht die eine oder andere heim.