Dass die Langeweile die Plantagenbewohner manchmal zu tausend Narrheiten verleitet, lässt sich denken. Pasquillen und Scherze sind immer im Umlauf und endigen manchmal auf kostspielige Weise, besonders wenn sich die Justiz darein legen muss. Mancher Director hat sich schon ein hübsches Vermögen erworben, und viele besitzen Häuser in Paramaribo; andere aber verbrauchen ihren Gehalt mit feinen Speisen und Getränken, oder in Amours und sind, wenn sie ihre Stelle verlieren, gar bemitleidenswerthe Geschöpfe. Sie leben fast alle mit Haushälterinnen, die entweder Freie (Missi) sind, oder die sie sich unter den hübschen Mädchen der Pflanzung aussuchen. Unter letzteren Verhältnissen sind die Kinder Sclaven, es sey denn, dass sie von ihrem Vater losgekauft werden, was manchmal mit vielen Schwierigkeiten und Kosten verbunden ist.
Die zweite weisse Person auf der Pflanzung ist der Blankofficier, deren grössere Effecte 2-3, kleinere nur einen haben. Ihr Gehalt ist gering und beträgt selten über 250 fl. Es sind diess meist junge Leute, die aus Europa kommen, um ihr Glück zu machen, und die, wenn sie Protection haben und sich gut betragen, in 3-4 Jahren es ebenfalls zu einer Directorstelle bringen können. Ihr Anfang ist aber schwer, denn sie werden von den meisten Directoren wie eine Art niederer Geschöpfe behandelt und selten mit einem Wort beehrt. Sie sind in ihren Freistunden ganz sich selbst überlassen und bringen in manchmal erbärmlichen Wohnungen ihre Abende zu.
Man denke sich, wie es einem gebildeten, jungen Menschen zu Muthe seyn muss, wenn er, unbekannt mit den Gebräuchen und der Negersprache, seine Lehrzeit auf einer Pflanzung beginnt, wo ihn der Director kaum eines Grusses würdigt, und ihm eine miserable Kammer angewiesen wird, in welcher er keine andere Gesellschaft findet, als Millionen von Mosquittos, oder Klumpen von Fledermäusen, die in den Dachsparren zwitschernd ihre Bemerkung über ihn zu machen scheinen.
Ich komme nun zu den Sclaven der Pflanzungen, welche die Hauptbevölkerung des Landes ausmachen.
Da seit 24 Jahren keine mehr aus Afrika eingeführt wurden, so besteht die Mehrzahl derselben aus hier Gebornen oder Creolen. Diese letzteren, welche von Jugend auf an das Effect und dessen Eigenthümer oder Verwalter gewöhnt sind, werden den Afrikanern bei weitem vorgezogen; sie bilden auch meistens grosse Familien, welche nie von der Pflanzung verkauft werden.
Man theilt die Plantagensclaven in vier Classen: 1) In Feldsclaven, die zur Cultur bestimmt sind; 2) in Haussclaven, die das Hauswesen, Tafel, Küche u. s. w. besorgen; 3) in Creolen: kleine Kinder, die noch keine Arbeit verrichten können, und 4) in Malenkers: Alte und Kranke, die zu keiner Arbeit mehr fähig sind. Wenn daher eine Pflanzung unter 200 Köpfen 75-80 Feldsclaven besitzt, so ist diess schon ein sehr vortheilhafter Staat. Die Feldsclaven haben natürlich bei weitem die schwerere Arbeit, während die Haussclaven, von denen z. B. zwei für die Küche, zwei für die Wäsche, einer zum Nähen, einer und zwei Voeteboys zum Dienste eines einzelnen Mannes angestellt sind, den grössten Theil des Tages unbeschäftigt herumliegen. Ein Jäger, ein Fischer, sowie auf manchen Pflanzungen ein Gärtner, haben mehr Arbeit.
Der Schweine- und Kühehirt, ein Weib, das für die Hühner zu sorgen hat, und ein Wächter des Kostgrundes sind meistens alte Leute, welche zu keiner andern Arbeit mehr gebraucht werden können[ [9].
Die Feldsclaven gehen des Morgens um 6 oder 7 Uhr in die Aecker an ihre Arbeit, und kehren des Abends, oder wenn sie das, was ihnen auf den meisten Pflanzungen vorgeschrieben wird, vollendet haben, nach Hause zurück. Des Sonntags wird nichts gearbeitet, muss es aber geschehen, wie diess häufig auf den Zuckerpflanzungen der Fall ist, so wird den Sclaven ein anderer Tag für den Sonntag gegeben.
Die Negerhäuser sind ganz in der Nähe der Mühle oder der Fabrikgebäude, und bilden, wenn die Pflanzung bedeutend ist, ganze Dörfer. Auf manchen Pflanzungen sind sie von Brettern gebaut und mit Schindeln bedeckt, auf den meisten aber mit den Latten der Pinapalme beschlagen und mit Blättern dieser Palme bedeckt. Um die Häuser, welche regelmässige Strassen bilden, pflanzen die Neger spanischen Pfeffer, Calebasbäume u. s. w.; dabei wimmelt es von Federvieh und Schweinen.
Die Nahrung erhalten die Neger auf allen Pflanzungen, die Holzgründe ausgenommen, vom Effekte selbst. Sie soll nach dem Gesetze in zwei Bündeln Bananen und 3 Pfund gesalzenen Fischen wöchentlich bestehen. Erwachsene Neger erhalten dazu noch Tabak, Pfeifen, und täglich einen Schnaps, Dram; Weiber dagegen Melassin. Bananen werden auf den Pflanzungen jeden Sonntag Morgen ausgetheilt; Fische u. s. w. aber viertel- oder halbjährlich. Es ist aber kaum möglich, ihnen das Stehlen von Bananen in den Kostäckern, von Zucker oder Melassin im Kochhause, von Producten aus den Caffee- oder Cattunlogen dieser Effekte zu verwehren. Das Gestohlene verbrauchen sie entweder selbst oder vertauschen es bei Sclaven anderer Pflanzungen, oder bringen es gelegenheitlich nach Paramaribo, wo sich stets Liebhaber dafür finden[ [10]. Kleidungsstücke und andere Bedürfnisse, als: Töpfe, Cassavo, Platten, Messer, Scheeren u. s. w. werden zu bestimmten Zeiten von den Eigenthümern der Pflanzungen aus Holland gesandt, oder mit deren Genehmigung hier im Lande angekauft, und es werden diese Sachen durch den Director, der für sich selbst eine Menge Küchen-, Tafelgeräthe u. s. w. erhält, familienweise ausgetheilt. Der Werth der Sendung beträgt manchmal bei 4000 fl.