Auf allen wohlgeordneten Pflanzungen ist für die Neger auf eine Weise gesorgt, die dieser Menschenrace die Sclaverei sehr erträglich macht, und ganz verschieden ist von den Vorstellungen, die man in Europa gewöhnlich vom Zustande der Sclaven sich macht.

Ihre Arbeit ist nicht übertrieben und dauert, wenn der Neger fleissig ist, nicht über neun Stunden täglich. Nahrung und Kleidung haben sie hinlänglich, und im Alter werden sie auf den Pflanzungen unterhalten. Wie ganz anders ist das Leben der ärmeren Taglöhner in Europa, die bei beschwerlicherer Arbeit zufrieden sind, wenn sie die Bedürfnisse ihrer Familie befriedigen können, und die bei Krankheit und Unglücksfällen keine andere Zuflucht haben, als den Bettelstab!

Die Religion der Neger, wenn man ein Gemisch von Aberglauben und Unsinn so nennen darf, ist die ihrer ursprünglichen Heimath, der Fetischismus. Jedes einzelne Individuum hat, so zu sagen, seine eigene Gottheit, und verpflichtet sich, dieser zu Ehren, von irgend einer Speise sich zu enthalten. Schnüre, Corallen, geschnitzte Holzstückchen, oder was ihnen gerade einfällt, werden um den Hals, Arm oder die Füsse getragen, und sind Amulette, welche sie beschützen. Man nennt diese Narrheiten Obia's. Beinahe alle Neger verehren den Seidewollenbaum und opfern demselben; schwer verbotene Tänze stehen damit in Beziehung.

Es hat auf allen Pflanzungen sogenannte Bukumann's oder Zauberer, welche die Zukunft vorher wissen, und in der Bereitung von inländischen Arzneien oder als Giftmischer sich auszeichnen. Mancher verhasste Director hat schon durch diese sein Leben eingebüsst, und man hat Beispiele, dass schon auf Pflanzungen eine Menge Sclaven hinwegstarben, die vergiftet wurden, um deren Eigenthümern Schaden zu bringen. Die Gifte sind alle aus Vegetabilien gezogen, und lassen daher wenig Spur zurück.

Die Jugend wächst natürlich auf den Pflanzungen wie das liebe Vieh auf; blos auf zwei oder drei derselben werden die Kinder unterrichtet. Beinahe alle werden von den Herrnhutern[ [11], welche in Paramaribo eine bedeutende Niederlassung haben, von Zeit zu Zeit besucht, und den Sclaven werden alsdann einige Kapitel der Bibel in der neger-englischen Sprache vorgelesen und ausgelegt. Will man aber, dass die Neger die Kirche besuchen sollen, so muss die Arbeit des ganzen Tages nachgelassen werden, was für die Pflanzung ein grosser Schaden ist. Die Predigten der guten Leute mögen aber nicht so fasslich seyn, so dass der Nutzen in moralischer Beziehung nicht sehr gross ist, besonders da blos alle paar Monate solche Vorlesungen gehalten werden, bei welchen meistens die Hälfte gedankenlos zuhört, und so das Gehörte sehr leicht vergisst.

Die Herrnhuter, die in Paramaribo als Schuster, Schneider, Bäcker, Kaufleute u. s. w. sich nähren, verlassen tourweise ihre Arbeit und besuchen in geräumigen Tentfahrzeugen zu obigem Zwecke die Pflanzungen, auf welchen man sie überall mit der grössten Gastfreundschaft aufnimmt und bewirthet, wiewohl die wenigsten Directoren, denen in der Regel die Arbeit mehr am Herzen liegt, als das Seelenheil ihrer Sclaven, sie gerne sehen. Haben sie die ihnen vorgeschriebene Anzahl von Pflanzungen besucht, so fahren sie wieder zur Stadt zurück und versehen ihre Geschäfte.

Die grösste Glückseligkeit nach dem Nichtsthun ist für die Neger der Tanz. Sie haben viele Tänze, die ich nicht namentlich kenne, und von welchen wieder manche in genauem Verbande mit ihrem Fetischismus stehen und von der Regierung strenge verboten sind. Es gibt häufig in den Negerhütten der Pflanzungen Sonntags kleine Tanzparthien, die gewöhnlich noch vor Mitternacht enden, und zu welchen sich blos einige Familien, jedoch nicht ohne Erlaubniss des Directors versammeln. Die Musik besteht dann blos in dem Schall einer Trommel (ein ausgehöhltes rundes Stück Holz, über welches eine Schweins- oder Hirschhaut gespannt ist), und dem Klang aus einigen alten Schaufeln oder dergleichen, auf die mit Eisenstücken taktmässig geschlagen wird.

Mit viel mehr Feierlichkeit werden die Tänze begangen, welche man an gewissen Jahrstagen zum Andenken an Verstorbene hält. Da werden Kuchen gebacken, Schweine und Hühner geschlachtet, und dem Todten wird ebenfalls ein guter Theil auf das Grab gebracht. Dabei kommen alle Kleidungsstücke, die sie sonst nie gebrauchen, zum Vorschein, und man sieht dann besonders unter den Männern groteske Gestalten. Die Haupttänze aber, zu welchen den Sclaven mehrere Tage freigegeben werden, sind am Neujahr, und zwar gewöhnlich im oder am Wohnhause des Directors, wobei die Männer mit Dram, die Weiber aber mit Wein oder schlechtem Liqueur bewirthet werden.

Gewöhnlich hat der Director Gäste bei sich, und es werden da oft Bacchanalien gehalten, dass es einem graust.

In Paramaribo finden um diese Zeit alle Abende solche Tanzparthien statt, die meistens unter Zelten bei guter Beleuchtung abgehalten werden. Die Eigenthümer von Sclaven lassen sich's um diese Zeit nicht wenig kosten, ihren Sclaven Vergnügen zu machen; Backwerk, Wein und Liqueur findet man bei diesen Parthien im Ueberfluss. Die Mädchen sind dabei nicht selten mit den Kleidern und Schmucksachen ihrer Haushälterinnen bekleidet, und es herrscht eine Pracht, dass man sich verwundert. Es haben aber auch die Haussclaven selbst gute Kleidungsstücke, die blos an diesen Tagen gebraucht werden. Es ist in der That ein prächtiger Anblick, diese in allen Farben aufgeputzte, von ächtem und falschem Gold und Juwelen glänzende, singende Masse in immerwährender Bewegung beim Scheine einer Menge Lampen, und beim Lärmen einer abominabeln Musik zu sehen, und man glaubt sich ins Morgenland versetzt. Die Tänze lassen sich freilich nicht mit unsern vergleichen, weil bei den meisten gesungen wird; es sind die Verse, die einige Dutzendmale im Chor wiederholt werden, und wegen ihres satyrischen Inhalts viel Lachen erregen. Der Tänzer oder die Tänzerin, welche solche improvisiren, tanzen um einander in immer kreisförmiger Bewegung, während der Chor sich nur auf den Füssen wiegt und mit dem Oberleibe bewegt, dabei aber nach dem Takte in die Hände klatscht oder mit Castagnetten die Musik begleitet. (Diese Castagnetten sind dreieckige, holzichte Schalen oder Nüsse einer Euphorbiacee). Häufig tanzt aber Alles, indem sich jedes einzelne Individuum kreisförmig durch den ganzen Raum dreht, ohne an den andern anzustossen. Der Anblick dieses Tanzes erregte mir stets Schwindel, und ich konnte es nie lange dabei aushalten.