Ich will nur noch kurz zum Schlusse etwas über die hier herrschenden Krankheiten beifügen, die ich freilich nur als Laie, nicht als Arzt beschreiben kann.

Die häufigsten Krankheiten, denen der Europäer wie der Creole unterworfen ist, und die unter Buschnegern und Indianern gleich stark grassiren, sind Wechselfieber, welche, wenn der Patient nicht gleich in geschickte Hände kommt, Monate und Jahre lang anhalten. Es ist gewöhnlich die erste Krankheit der Neuangekommenen oder das Aklimatisationsfieber. Gallenfieber sind ebenfalls häufig und machen ganz kurzen Prozess. Eine andere häufige Krankheit höchst beschwerlicher Art ist der sogenannte Kuk oder Kuchen, eine Anschwellung der Milz. Man fühlt sich dabei immer ermattet, hat kurzen Athem, unruhigen Schlaf und ist ausserordentlich reizbar. Dieses Unwohlsein dauert manchmal Jahre lang. Meistens befolgt man dagegen den Rath eines inländischen Quacksalbers, der stark abführende Mittel gibt. Die Wassersucht ist ebenfalls nicht selten, zeigt sich aber meist nur bei Individuen, welche dem Trunke ergeben sind.

Die Hauptkrankheit, die fürchterlichste von allen, weil sie zugleich die anstrengendste ist, ist die Lepra. Bei den von ihr Befallenen zeigen sich zuerst weissfarbige Flecken auf der Haut. Die Ohren, Nasen, Augenlieder u. s. w. schwellen auf; es zeigen sich Beulen im Gesichte und am Körper, welche manchmal aufbrechen; Finger, Zehen, Ohren, Nase oder einzelne Glieder fallen ohne Schmerzen ab; das Gesicht verzerrt sich aufs Scheusslichste und verräth nichts Menschliches mehr. Die meisten Kranken sind dabei innerlich gesund, können arbeiten und dabei selbst alt werden, während bei anderen die Krankheit schnellere Fortschritte macht.

Die damit Behafteten, seyen sie Freie oder Sclaven, werden, sobald die Behörde davon unterrichtet ist, nach einem, dem Lande gehörigen und eigens dazu bestimmten Etablissement, Batavia, abgesandt, wo sie, entfernt von der übrigen Welt, auf Kosten des Landes so lange verpflegt werden, bis der Tod sie von ihren Leiden erlöst. Noch nie ist ein Kranker von dieser Qual befreit worden, obgleich man neuerdings in Para in Brasilien Versuche mit dem Safte der Hura crepitans machte, die befriedigend ausgefallen seyn sollen. Leute von Vermögen oder höheren Ranges, welche davon befallen werden, leben einsam in ihren Häusern, oder reisen nach Europa, wo ihnen aber ebenfalls nicht geholfen werden kann.

Das Etablissement Batavia, das am Copenamstrom liegt, ist der Leitung des katholischen Präfecten anvertraut, hat eine hübsche Kirche und einen Priester, der die Kranken tröstet und lehrt, wobei er sich jeglicher Gefahr aussetzt. Die Zahl dieser Unglücklichen beläuft sich dort auf circa 700[ [12].

In Paramaribo befinden sich heimlich viele Leprosen, die von ihren Familien versteckt gehalten werden, wodurch diese entsetzliche Krankheit immer mehr verbreitet wird, was auch in der Nachbar-Colonie Cayenne der Fall ist, wo viel weniger auf Absonderung gesehen wird. Eine andere Krankheit, genau mit dieser verwandt, aber nicht ansteckend, ist die Elephantiasis. Es schwellen dabei die Beine, oder oft nur ein Fuss auf fürchterliche Weise an, und erhalten ganz das Aussehen von Elephantenfüssen. Häufig kommen noch Auswüchse und Knollen dazu, und eine rauhe, chagrinartige Haut überzieht das Ganze. Die Zahl der davon Angesteckten ist sehr gross, und besonders bei der Sclavenbevölkerung, die sich nicht so gut bekleiden kann, ins Auge fallend. Man sieht häufig Kinder von zehn Jahren mit solchen Klumpfüssen, die meistens bis zum Knie eine unförmliche Dicke haben. Auch dagegen hat man kein Mittel.

Ausser den angeführten ist noch eine andere Hautkrankheit nicht selten, die Jaws, eine Art Krätze, bei welcher sich einzelne runde Flecken auf dem Leibe zeigen, die aufbrechen. Auch sie ist eine langwierige, ansteckende Krankheit, zu deren Heilung Monate erfordert werden.

Dritter Abschnitt.
Geschichtliche Bemerkungen im Allgemeinen. Ursache des Verfalles des Wohlstandes der Colonie Surinam. Beschreibung des Landes. Gränzen. Ströme: Marowyne, Comewyne, Cottica, Surinam, Saramacca, Coppename, Correntin.

Für Manchen wird es nun von Interesse seyn, hier eine kurze Geschichte der Colonie Surinam zu finden. Ich hatte zwar im Sinne, dieselbe zu übergehen, weil ich mich nicht mündlicher Ueberlieferungen oder Auszüge aus früheren Schriften bedienen, sondern mich blos auf die Erzählung meiner Erlebnisse beschränken wollte; allein ich halte nun doch für nöthig, eine oberflächliche historische Skizze des Landes zu geben, damit ich in der Folge ohne weitere Erläuterungen bei der Beschreibung meiner ferneren Abentheuer verweilen kann.

Es ist hinlänglich bekannt, dass bei der Entdeckung von America Guyana und die umliegenden Länder von verschiedenen Indianerstämmen bewohnt waren, unter denen sich die Caraïben durch ihre Menge und ihren kühnen Charakter besonders auszeichneten.