Gegen die Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts, nachdem man das Innere des Landes fruchtlos nach Gold durchforscht hatte, setzten sich europäische Pflanzer an dem Küstenlande fest, um diejenigen Produkte anzubauen, die man auf gefährlichem Wege nur allein aus Ostindien hatte beziehen können. Durch die Fruchtbarkeit des Bodens und die leichte Fahrt ermuthigt, zogen viele unternehmende Europäer nach dem neuen Lande, und im Laufe weniger Jahrzehnte bildeten sich französische, englische und holländische Niederlassungen.
Da die Indianer zur Arbeit nicht kräftig genug waren, so entstand der Sclavenhandel, indem von den Regierungen ermächtigte Schiffe bei den kleinen Fürsten in Afrika, die in immerwährenden Zwisten miteinander lebten, für Tauschartikel die gegenseitig gemachten Kriegsgefangenen kauften und dieselben nach Amerika brachten, wo man sie zur Feldarbeit verwendete. Da der Ankauf eines Sklaven nicht viel kostete, und man sich mit dieser Waare immer versehen konnte, so lockte der Gewinn manchen unternehmenden Mann nach dem heissen und feuchten Küstenstriche, und es bildeten sich Vereinigungen (Maatschappye) von beträchtlichem Kapital, um den Unternehmern, die ihr Leben dabei wagten, kräftig beizustehen.
Surinam selbst wurde zuerst von den Engländern in Besitz genommen, die sich am Surinamstrom festsetzten und die Stadt Paramaribo anlegten. Erst im Jahre 1667 wurde die Colonie durch Vertrag an die Holländer abgetreten[ [1].
Bei dem Fleisse dieser Ansiedler und der grossen Fruchtbarkeit des Bodens hätte Surinam gewiss der Maatschappy grosse Vortheile abgeworfen, wenn die noch im Werden begriffene Colonie zweckmässig organisirt und gegen Eingriffe von Aussen beschützt gewesen wäre. Die vielen Kriege der Franzosen und Engländer mit den Generalstaaten, in welchen von ersteren die Colonien der Holländer überfallen, und mit kaum zu erschwingenden Contributionen beschwert wurden, so wie die Wegnahme der mit den Erzeugnissen der Kolonie geladenen Schiffe machte, dass, ungeachtet aller Bemühungen, die Vortheile des Mutterlandes sehr unbedeutend waren. Erst nach beendigten Kriegen erhob sich Surinam; sein Reichthum übertraf den jeder andern Colonie, und unterlag keinem innerlichen Zwiespalt, und keinem Aufruhr rebellischer Sclaven, wie viele Kosten auch die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts geführten Feldzüge gegen jene verursachten. Den empfindlichsten Stoss erhielt der Wohlstand durch das Verbot der Einfuhr von Sclaven im Jahre 1824. Durch die Verminderung der Arbeitskräfte, die von Aussen nicht mehr ersetzt werden können, eilt die Colonie mit raschen Schritten ihrem Untergange entgegen. Viele einst so blühende Pflanzungen sind verlassen; ihre Zucker- und Caffeefelder, einst mit so vieler Mühe bepflanzt und unterhalten, sind jetzt mit baumhohem Gesträuche bedeckt; die schönen Alleen von Königspalmen oder hohen Tamarindenbäumen, die nach den Wohnhäusern der Pflanzungen leiteten, ragen jetzt einsam aus dem Gebüsche wildwachsender Pflanzen hervor, und der Landungsplatz, wo schön gefärbte Barken an- und abfuhren, liegt öde und verlassen.
Der grosse Landstrich, der umschlungen von den zwei grössten Flüssen Amerika's, dem Amazonenfluss und dem Orinoko, vom 0. Grade südlicher bis 9° nördlicher Breite und vom 49. bis 67° westlicher Länge von Greenwich sich ausbreitet, dessen Ost- und Nordküste der atlantische Ocean ist, der im Süden durch Brasilien, im Westen aber durch die Republik Columbia begrenzt wird, und dessen Küstenländer schon seit zwei Jahrhunderten Europa die köstlichen Erzeugnisse ihres milden Bodens zusenden, wird ins englische, holländische, französische und portugiesische Guyana eingetheilt.
Durchschnitten von grossen, schiffbaren Strömen und zahllosen, natürlichen Canälen, die untereinander in Verbindung stehen, macht es seine geographische Lage und ausserordentliche Fruchtbarkeit des Bodens zum wahren Eldorado, das seine Schätze über der Erde und mit weniger Gefahr bietet, als das in seinem Innern geträumte Goldland.
Auf seiner 7000 Quadratmeilen grossen Oberfläche leben sparsam verbreitet die Ueberreste mehrerer indianischer Stämme, die, roh und wild, die Bildung nicht mehr besitzen, die ihre Vorfahren gehabt zu haben scheinen. Viele dieser Stämme, so wie der grösste Theil des Innern, sind uns noch unbekannt, und nur durch Aussagen anderer und befreundeter Indianer, die das Binnenland bereisen, oder der Buschneger, welche mit jenen Stämmen Handelsverbindungen unterhalten, wissen wir, wie ungeräumt auch die Berichte über sie seyn mögen, dass sie existiren.
Wie schwierig und mit wie vielen Gefahren verknüpft Reisen ins Innere eines so wenig bevölkerten Landes auch sein mögen, so bleiben sie doch noch ausführbar, wenn blos Hindernisse zu besiegen sind, die die Natur in den Weg legt; wenn aber hiemit noch die Unwilligkeit und der Widerstand roher Völker sich verbindet, die den wissenschaftlichen Zweck solcher Reisen nicht verstehen, durch abergläubische Vorurtheile sich feindlich zeigen, oder ihre Handelsverbindungen mit den Völkern des Inlandes beeinträchtigt glauben, so kann man begreifen, dass, während die Welt in allen Richtungen durchreist wird, das Innere von Guyana noch grösstentheils eine terra incognita ist. Die bestbebaute, älteste und blühendste seiner Colonien, Surinam, ist in wissenschaftlicher Beziehung noch die unbekannteste. Ob nun dieses dem Materialismus, der blos die Speicher der Amsterdamer Kaufleute füllt, zuzuschreiben, oder in andern Verhältnissen zu suchen sey, wage ich nicht auseinander zu setzen.
Die Colonie Surinam liegt zwischen dem 3. und 6. Grade nördlicher Breite, und 53. bis 56° westlicher Länge von Greenwich. Im Osten grenzt es an das französische Guyana, von dem es durch den Maroni oder Marowyne getrennt ist, im Westen scheidet es der Correntin von der früheren holländischen, jetzt englischen Besitzung Berbice, im Süden, wo dessen Grenze noch nicht einmal richtig bestimmt ist, stösst es an die gebirgigen Savannen, die die Wasserscheide der in den Amazonenstrom fliessenden Flüsse und der nach Norden zu mündenden Gewässer ausmacht. Im Norden bespült der atlantische Ocean seine Küste.
Die Hauptströme sind der Maroni, Surinam, Saramacca, Coppename und Correntin, wiewohl noch eine Menge anderer Flüsse das Land bewässern, und in allen Richtungen durchschneiden.