Alle diese Flüsse stehen durch natürliche Kanäle, hier Kreeks genannt, mit einander in Verbindung, so dass man aus dem Correntin in den, 56 Stunden (in gerader Linie) östlicher gelegenen, Maroni kommen kann, ohne sich den Beschwerlichkeiten einer Seereise aussetzen zu müssen.
Die ganze Küste Surinams ist eben und angeschwemmtes Land, das, bedeckt mit Bäumen und niederem Gesträuche, mit jeder hohen Fluth unter Wasser kommt, und Veränderungen erleidet.
Durch diese niedrige Beschaffenheit des Bodens erstrecken sich die Bänke, die eigentlich blos eine Fortsetzung der Küste bilden, meilenweit in das Meer; sie bestehen aus einem weichen Schlamm, den Alluvionen der Flüsse, und sind also meist vegetabilischen Ursprungs.
Parallel mit der Seeküste ziehen sich Sandritzen oder Muschelbänke, die bisweilen sich bis an das Meer ausdehnen, und auf denen eine manchfaltige und üppige Vegetation, der des Inlandes ähnlich, herrscht. Sie sind höher, als der umliegende sumpfige Boden, von geringer Breite, aber manchmal bedeutender Länge, und scheinen die zurückgewichenen Meeresufer einer früheren Periode gewesen zu seyn. Diese Ritzen sind mit Hochwald bedeckt, in dem der Copalbaum (Hymenaea courbaril), die Weihrauchbäume, die Awara- und Cumu-Palmen und der indianische Pflaumenbaum (Spondias?) vorkommen.
Hinter diesen Ritzen dehnen sich grosse Süsswassersümpfe aus, die in den Regenzeiten beinahe undurchdringlich sind. Stundenlange Wälder der Mauritien-Palme (Mauritia flexuosa) und grosse Flächen des baumartigen Arons (Calladium arbor.) bedecken hier das Land; nur in heissen Sommern trocknen diese Sümpfe aus.
Der Seestrand selbst bietet dem Auge überall eine einförmige, traurige Scene dar: Tausende von abgestorbenen, entwurzelten und angeschwemmten Bäumen liegen in allen Richtungen umher; der Boden, ein weicher Schlamm, in dem man bis an die Kniee einsinkt, ist von Millionen Krabben durchlöchert, und in dem Gebüsche, mit welchem diese traurige Küste bewachsen ist, hausen Schwärme von Mosquittos und anderen stechenden Mücken. Schaaren von Wasservögeln aller Art finden zur Zeit der Ebbe in ungestörter Ruhe hier reichliche Nahrung, während bei der Fluthzeit Hai- und andere Raubfische in den von Wasser bedeckten Gebüschen umherirren. Eben so niedrig sind die Mündungen der Ströme, deren Ufer aber durch Waldungen von Mangrove-Bäumen, welche durch ihre Wurzeln und Schösslinge undurchdringliche Verschanzungen bilden, vor der Gewalt der Brandungen geschützt sind.
Je weiter man sich von der See entfernt, um so mehr verändert sich die Scene. Die Ufer schmücken sich mit anderen Gewächsen; grössere Bäume treten aus dem niedrigern Gebüsche hervor; die schlanke Pinapalme, das sichere Zeichen eines fruchtbaren Bodens, zeigt sich in Menge. Schling- und Schmarotzerpflanzen bedecken die Bäume und winden sich guirlandenartig von Zweig zu Zweig. Das Ufer, bewachsen mit stachlichten Papilionaceen, ist nicht sichtbar vor der Masse von Laubwerk, das bis weithinein ins Wasser hängt. Etwa 8-10 Stunden von der Meeresküste ab, da wo das Flusswasser rein, und nicht mehr vom Salze der See getrübt die schon höheren Ufer bespült, prangt der Grünhart mit seinen gelben Blumen. Die Heliconien entfalten ihre riesenartigen Blätter und die prächtige Maripapalme (Maximiliana regia) ragt aus dem dunkeln Laubgewölbe empor.
Doch ist Alles noch eben; nur selten unterbrechen kleine bewaldete Hügel die Fläche. Ueberall in allen Strömen herrscht dasselbe Bild der üppigsten Vegetation, und das klare, schwarze Wasser spiegelt die Landschaft herrlich zurück. – Nur wo Hügel den Lauf der Flüsse bestimmen, wo Felsen und Klippen diesen einengen, und den Transport von Produkten gefährden würden, ist auch die Grenze der Cultur, und die Pforte zum unbekannten Lande.
Der östliche Grenzstrom der Colonie, die Marowyne, Maroni oder indianisch Marauni, ein grosser, an seiner Mündung eine Stunde breiter Strom, ist durch die Menge von Sandbänken beinahe nicht befahrbar. Es mag diese gefährliche Einfahrt die Ursache davon seyn, dass, obwohl seine Ufer höher und ebenso fruchtbar, ja gesünder als die des Surinam sind, sie gleichwohl noch ganz unbebaut sind, und nur in der Nähe der See von Indianern, und im Innern waldiger Gebirge von den Aucaner-Buschnegern bewohnt werden. Die Mündung desselben hat nicht die einförmigen Mangrovegebüsche, wie die andern Ströme, sondern hohe Sandritzen, auf denen eine überaus üppige Vegetation von Palmen, Cactus, Weihrauch- und Copalbäumen, und Caschu's (Anacardium occidentale L.) sich längs den Ufern der See hinzieht. Ein kleiner Militärposten auf der holländischen Seite liess beim Vorübersegeln von Schiffen die holländische Flagge wehen.
Ohne Bucht oder Krümmung zieht sich der stattliche Strom in gleicher Breite drei Stunden aufwärts, wo er sich bei einer Gruppe von fünf niedrigen, mit Palmen und andern Nutzhölzern dicht bewaldeten Inseln südwestlich wendet.