Das Land auf beiden Seiten des Flusses ist meist über dem Niveau der höchsten Meeresfluth gelegen, und ein mit schwarzer Erde vermischter Sand, der dem Anbau der Maniok-Wurzel (jatropha) besonders günstig ist. Etwa eine Stunde den Fluss aufwärts, vom Posten Prinz Willem Frederik, zieht sich ein Riff von sehr eisenhaltigen Felsen weit in das Flussbett. An der Ecke des sandigen Strandes, die die Mündung des Stromes auf dem rechten Ufer bildet, findet man häufig helle krystallartige, abgerundete Steine, die sehr hart, und geschliffen wasserhell und glänzend sind; man nennt sie Marowyne-Diamanten. Sie sind aber nichts als Topase, und selten wird einer gefunden, der von einigem Werthe wäre.
Von den ersten Inseln, die von Sandbänken umringt und von untiefen Canälen durchschnitten sind, schifft man den Fluss in einer wenigstens zehn Stunden langen Bucht südwestlich hinauf. Eine Menge Inseln, theils niedrig und mit Palmen bewachsen, theils hoch und steinig, und mit Hochwald bedeckt, bilden prächtige Gruppen auf der weiten Wasserfläche. Die Ufer sind höher, an manchen Stellen hügelig und dicht bewaldet, und malerisch erheben sich an steilen Stellen kleine Indianerdörfer, deren Hütten halb versteckt sind unter Bananen und Papaia- (Carica-) Bäumen und Baumwollensträuchern. Grosse Sandbänke ragen mitten aus dem Flusse, es zeigen sich Klippen und kleine Cascaden. Das Wasser ist besonders in den trockenen Jahreszeiten krystallhell, und man kann bei zwölf Fuss Tiefe die Steine des Bodens sehen. Aus der Ferne erblickt man die hohen Gebirge des Inlandes gleich blauen Wolken. So nähert man sich, indem man bei den unmerklichen Krümmungen des Stromes stets eine Fernsicht von drei bis vier Stunden vor sich hat, dem 16 Stunden von der Mündung entfernten Militärposten Armina.
Der Fluss, der plötzlich einen Halbzirkel von Südost nach Nordwest bildet, stürzt über zahllose Cascaden, Klippen und Sandbänke braussend herab. Ungeheure Granitblöcke liegen in seinem Bette; sie sind mit stachlichten Palmen und einer wohlriechenden Guiaba (Psidium aromaticum) bewachsen. Am französischen Ufer, das eine ununterbrochene Hügelkette bildet, ergiesst sich der kleine Fluss Armina, der dem holländischen Posten seinen Namen gab, in den Strom. In den Trockenzeiten steigt die Meeresfluth bis unterhalb der ersten Fälle, wo bei einer Länge von etwa 80 Fuss der Fluss 6 Fuss hoch herabstürzt. Bis unterhalb dieser Fälle kann man mit grossen Booten kommen, doch ist bei den starken Strömungen viel Vorsicht nöthig, um nicht auf die unter dem Wasser verborgenen Klippen zu stossen. Fahren in den Trockenzeiten Buschneger oder Indianer den Fluss hinauf, so laden sie unterhalb der Fälle ihre Canots aus, und tragen ihre sieben Sachen auf dem Kopfe über die Klippen. Die leeren Canots werden mit Tauen heraufgezogen, und oben wieder eingeladen.
In den Regenzeiten aber, wo der Strom durch den ungeheuren Wasserzuwachs aus dem Innern angeschwollen ist, sind beinahe alle Klippen unter Wasser, und die Boote werden aus Leibeskräften gegen die Strömungen gerudert.
Der Unterschied zwischen dem hohen Wasserstande der Regen- und dem niedrigsten der Trockenzeit mag bei Armina wohl 20 Fuss betragen, wird aber, je höher man den Fluss hinaufsteigt, um so beträchtlicher.
Aus beiden Ufern vermehren beträchtliche Kreeken oder kleine Flüsse, die meist aus den Sümpfen des Inlandes entstehen, die Wassermasse des Flusses bedeutend. Auf der französischen Seite findet man nahe an der Mündung die grosse Waragama, oder Seekuhkreek; weiter aufwärts die Maipuribi oder Tapirkreek. Ihnen folgt die Balete; vier Stunden unterhalb Armina fliesst der Siparawinifluss in den Strom. Dieser, den man in den Regenzeiten Tage lang aufwärts fahren kann, kommt aus dem Südosten, und scheint in geringer Entfernung von der Lava zu entspringen. Indianer haben mich versichert, diesen Fluss vier Tagereisen aufwärts gefahren zu seyn, und bei Nacht in südlicher Richtung ganz deutlich den Klang von Negertrommeln und Schiessen gehört zu haben. Man kann daraus abnehmen, dass diese Indianer sich in der Nähe des Aufenthaltes von Boninegern befanden, welche die Ufer der Lava etwa unter dem dritten Breitegrad bewohnen. Auf die Siparawini folgt, unterhalb Armina, die Ruarua und auf diese die Armina. Auf der holländischen Seite sind bis Armina die Kreeken weniger bedeutend, weil das, zwischen der Marowyne und dem Cottica gelegene Land sich nach Westen zu mehr abflacht, wesswegen auch die Waldwasser und Entleerungen der Sümpfe nach Westen zu fliessen.
Drei Stunden von der Mündung der Marowyne ist am holländischen Ufer die kaum bemerkbare Wanekreek, die in einem Sumpfe entspringt, der sein Wasser gleichzeitig nach der Marowyne und dem Courmotibo sendet; da dieser in die Cottica fliesst, und diese wieder in die Comewyne mündet, so kann man in den Regenzeiten, wo die Sümpfe 4-5 Fuss Wasser haben, mit kleineren Fahrzeugen in fünf bis sechs Tagen Paramaribo erreichen. In der Trockenzeit aber sind diese Moräste ausgetrocknet, und es besteht dann keine andere Verbindung als über See. Die weiteren bedeutenderen Kreeken sind die Aramatta, Maturi und Aroarica, die man aber blos einige Stunden aufwärts fahren kann.
Die Marowyne, die durch Hügel eingeengt bei Armina blos ¼ Stunde breit ist, dehnt sich oberhalb dieses Postens bedeutend aus. Ihr Bett, mit Klippen, Sandbänken und Inseln erfüllt, zieht sich mit wenig Buchten beinahe südlich. 4-500 Fuss hohe, stark bewaldete Hügel liegen dicht am Strome. Vier Tagreisen oberhalb Armina, unter 3° 40' nördl. Breite, und etwa 25 Stunden oberhalb dieses Postens theilt sich die Marowyne, nachdem sie mehrere bedeutende Wasserfälle bildete, in zwei Arme, deren einer aus Südosten strömt und Lava heisst, während der andere, aus dem Süden kommende, Tapanahoni genannt wird. Auf der Ecke, welche durch die Vereinigung beider Ströme entsteht, wohnen die Nachkommen der im Jahre 1806 von verschiedenen Militärposten weggelaufenen Guides (Negersoldaten), die, nachdem sie zuvor ihre Officiere ermordet hatten, nach diesem unzugänglichen Felsenneste flüchteten, und mit Mädchen der Boni- und Aucaner-Buschneger sich verbanden. An diesem Platze, der durch seine natürliche Lage geschützt, mit Felsen und Klippen umgeben ist, ist ein bedeutender Wasserfall, Singa De De, und in der Lava das Ende der mehrere Stunden langen Cascaden »Itepuou«. Am Ufer der Lava wohnen die Boni-Neger, ebenfalls Abkömmlinge früher von den Pflanzungen entlaufener Sclaven, die aber mit der Regierung nicht befreundet sind, und nur durch die Aucaner-Buschneger, für welche sie Canots verfertigen, mit Geräthschaften, Tüchern u. s. w. versehen werden. Die Lava, ein breiter, aber nicht sehr tiefer Strom, steht in Verbindung mit dem Camopy, der in den Oyapok mündet, und es kommt also auch hier die merkwürdige Gabeltheilung der Gewässer vor, die sich beim Orinoco und Amazonenstrom in viel bedeutenderem Maase zeigt.
Der Tapanahoni, der viel tiefer ist, und weniger Klippen haben soll, entspringt wahrscheinlich in der Nähe des Aequators, und kann als die eigentliche Marowyne betrachtet werden[ [2].
Die Seeküste westwärts der Marowyne besteht bis zu dem 14 Stunden entfernten Posten Oranje beinahe ganz aus ungeheuren Morästen, die mit der Fluth unter Wasser gesetzt werden, und in denen nur Gesträuche und unbedeutende Bäume wachsen.