Bei dieser Scene waren die Matrosen die Aergsten gewesen, und sie hatten offenbar die Soldaten dazu aufgewiegelt.
Am dritten Tag kam Christian mit seiner Corjaal, um die beiden Passagiere nach Paramaribo zu bringen. Ich setzte durch, dass auch zwei der schlimmsten Matrosen, welchen ich nicht trauen konnte, mitgeschickt wurden. Der Kapitän wollte noch einige Zeit bleiben, um das Schicksal seines Schiffes abzuwarten.
Sonderbar schienen mir die Gesetze der Assecuranz zu seyn, weil er es nicht wagte, etwas von Bord zu holen. Eine grosse Barkasse, mit welcher man in 4-6 Tagen bei anhaltender Thätigkeit die ganze Ladung ausser den Backsteinen, welche als Ballast dienten, leicht hatte retten können, lag unbenützt am Strand, und so war ich genöthigt, ohne die mindeste Hülfeleistung von Seiten des Schiffsvolks, die Sachen nach und nach ans Land zu bringen.
Die Passagiere hatten meinen Rapport an den General-Gouverneur, dem ich ein Inventarium über alle bis jetzt ans Land gebrachten Güter beigelegt hatte, mitgenommen. Einen andern Rapport hatte ich den Tag zuvor dem Kommandanten auf Armina durch Indianer zugeschickt.
Mir war nun nach der Abreise der zwei Passagiere und Matrosen wieder leichter ums Herz, weil ich einerseits mich vor Revolutionen auf meinem Posten gesichert glaubte, anderseits desswegen, weil ich wieder in meiner eigenen Kammer logiren konnte.
Täglich fuhr ich mit Corjaalen an Bord; aber da diese nur klein waren, so war auch das ans Land Gebrachte von geringer Bedeutung.
Da das Schiff auf seiner Sandbank jedem Wellenschlag zu trotzen schien, und selbst nach sechs Tagen noch kein Leck an ihm zu bemerken war, so war ich auch fest davon überzeugt, dass bei eifriger Arbeit Ladung und Schiff hätten gerettet werden können.
Acht Tage nach dem Stranden des Schiffes kam mein Kommandant von Armina in Begleitung des Doctors. Er war sogleich nach Empfang meines Schreibens abgereist; denn die Sache lag ihm sehr am Herzen, und er bedauerte nur, dass ich die armen Schiffbrüchigen nicht genugsam unterstützen konnte. Auch von dem, auf dem Posten herrschenden Wirrwarr und Wohlleben war er durch meinen Brief und den Ueberbringer desselben hinlänglich unterrichtet, und er hatte desswegen ausser einigen Boschen Bananen nicht das Mindeste mitgebracht, das zur Unterstützung der Armen hätte dienen können.
Der Doctor, welcher den Kommandanten begleitete, merkte so gut wie dieser, dass es hier etwas zu verdienen gäbe. Seine Menschenfreundlichkeit war also nicht der geringste Grund, diese Reise zu machen, bei welcher ihn der Kommandant nur mit Widerwillen mitgenommen hatte, und blos desswegen, weil er sich auf keine Weise zurückhalten liess. Ich machte sogleich nach der Ankunft des Kommandanten ihm den pflichtschuldigen Rapport, zeigte ihm das Inventarium, und gab ihm auch das Concept des, an den General-Gouverneur abgesandten Briefes. Letzteren missbilligte er höchlich, weil ich als Korporal nur an ihn zu rapportiren, und durch mein eigenmächtiges Handeln mich eines unverantwortlichen Fehlers gegen die Disciplin schuldig gemacht habe, wesswegen auch ohne Zweifel ein ernstlicher Verweis wegen eines solchen gesetzwidrigen Schritts vom Gouvernement erfolgen werde. Ich machte mir darüber keine Sorgen, weil ich wohl einsah, dass der Unzufriedenheit des Lieutenants über meine Anmasung ganz andere Motive zu Grunde lagen, als die eines Versehens gegen die Dienstordnung.
So unangenehm ihm mein eigenmächtiger Schritt auch war, so beruhigte er sich doch wieder bei der Masse von Gegenständen, welche theils noch an Bord sich befanden und zu bekommen waren, theils seit der Absendung meines Inventariums durch mich wieder abgeholt worden waren.