Das Boot war unterdessen geladen und die Indianer drangen auf die Abreise, weil die Fluth mit Gewalt heraufkam, und es gefährlich war, länger zu verweilen. Nach manchem vergeblichen Versuche, die Frau wieder zur Besinnung zu bringen, rieb ich ihr das Gesicht mit Eau de Cologne, von welchem eine Kiste voll der schlechtesten Sorte sich an Bord befand. Es mochte ihr vielleicht etwas davon in die Nase gekommen seyn, denn sie fing an, schrecklich zu niesen und machte ein Gesicht, das mir so komisch vorkam, als ihr mit Lebkuchen geschmücktes Volk.
Mit Mühe klomm endlich Christian in die Corjaal und empfing sein Weibchen sanft in seinem Schoos. Wir hatten ihr ein Tau um den Leib gemacht und sie wie ein Fass in die Corjaal gelassen.
Die See war unterdessen so ungestüm geworden, dass mir für die Ladung und mein Leben bange war und das Jammern und Streiten der furchtsamen Weiber war gar nicht geeignet, mir Muth einzuflössen. Die Corjaal war übermässig geladen; denn ausser 400 Fässchen Butter, à 14 Pfd., 10 Fässern Madeira im Werthe von 1200 fl., war noch eine Menge Wein und Lebensmittel, Quincaillerie und Federbetten aufgethürmt. Dabei sassen mit Alt und Jung gewiss 40 Personen darin. Endlich waren Alle eingestiegen und schon liess man das Tau los, um abzufahren, als eine Welle das Brett (den Stern), woran an grossen indianischen Corjaalen das Steuerruder befestigt ist, herausschlug und das Wasser wie durch eine geöffnete Schleusse in die Korjaal strömte. Ein Zetergeschrei der Weiber erfüllte die Luft. Schnell aber hatte der Steuermann sich mit seinem Hintern in die Oeffnung gesetzt, um das weitere Eindringen von Wasser zu verhüten, während ein anderer Brett und Steuer wieder befestigte und die Risse mit Stücken seines Camises ausstopfte, wodurch dem Schaden abgeholfen war. Ich dankte Gott, als ich zu Hause ankam.
Hier wurde nun Alles in grösster Eile ausgeladen und am Strand niedergelegt. Die Sorge für Weiterschaffung und Aufbewahrung des Mitgebrachten wurde mir allein überlassen. Mit zwei Kisten Genever fuhr mein Völkchen nach seinem Dörfchen, um sich da recht gütlich zu thun. Meine Soldaten waren wieder in dulci jubilo und konnten sich kaum auf den Füssen halten.
Die Matrosen schliefen, somit war ich genöthigt, Alles selbst zu thun.
Auf Brettern, welche ich in den Sand gelegt hatte, rollte ich die schweren Fässer aufwärts in die Mitte des Platzes. Mit schweren Kisten formte ich ein Carré, in dessen Mitte die kleineren Gegenstände, als Butter-, Weinfässchen, Kisten u. s. w. niedergelegt wurden. Hierauf überdeckte ich Alles mit Brettern, um den Regen und die Sonnenhitze abzuhalten. Es herrschte nun ein Ueberfluss auf dem Posten, bei welchem die Soldaten weder Maas noch Ziel kannten. Was sie nicht von den Matrosen bekommen konnten, suchten sie von meinen mitgebrachten Waaren, über welche ich ein geregeltes Inventarium führte, wegzunehmen. Sie assen und kochten gemeinschaftlich mit den Matrosen, wobei die vielen, vom Schiffe abgeholten Lebensmittel die besten Mahlzeiten gegeben hätten. In Folge des beständigen Trinkens aber verwendete man keine besondere Sorgfalt auf die Küche. So wurde einmal ein ganzes etwa 10 Pfd. schweres Fässchen gesalzener Bratwürste in den Topf gethan; dadurch wurde das Essen so salzig, dass man es nicht mehr geniessen konnte, und man vor Zorn den ganzen Frass zur Thüre hinauswarf, wo die auflauernden Stinkvögel königlich schmausten, und wobei es lustig anzusehen war, wie sie sich um die noch aneinandergereihten Bratwürste herumzerrten.
Den zweiten Tag fuhr ich mit so vielen Corjaalen, als aufzutreiben waren, wieder an Bord, und weil da die grosse Corjaal von den zwei Passagieren, welche den andern Tag nach Paramaribo fahren wollten, gemiethet wurde, so fuhr ich des Abends abermals ans Schiff, um heute noch so viel als möglich abzuholen.
Von jetzt an gebrauchte ich die Vorsicht, alle feineren Weine und theuren Leckerbissen in der Vorkammer meines Hauses niederzulegen und so aus den Klauen der Soldaten und Matrosen zu retten. Mit diesen hatte ich meine liebe Noth; denn sie waren nicht mehr mit Genever und rothem Wein, von welchem ein Fass offen dalag, so dass sie trinken konnten, so viel sie wollten, zufrieden, sondern verlangten Rheinwein und Madeira, wovon ich Fässer und Kisten im Hause aufbewahrte.
Da ich ihnen erklärte, dass ich nicht befugt sey, über diese Güter, welche der Assecuranz gehörten, zu disponiren, und natürlich das Verlangte verweigerte, so beschlossen sie, mich zu zwingen und das Haus zu stürmen. Diess wäre nun gerade kein Hexenwerk gewesen; denn ausser dem alten und kränklichen Kapitän und den zwei Passagieren befanden sich darin nur noch die zwei Steuermänner, welche aber geheime Ursachen dazu hatten, auf Seiten ihres Schiffsvolkes zu bleiben. Sie marschirten nun mit Aexten und Säbeln bewaffnet, heran, und forderten mich noch einmal zur Herausgabe von Rheinwein auf. Statt der Antwort lud ich meine zwei Gewehre und drohte, den ersten, der über meine Schwelle käme, niederzuschiessen. Der Kapitän kramte gegen sein Volk alle seine Beredtsamkeit aus und stellte ihnen vor, welchen Strafen sie verfallen würden.
Sie zogen sich endlich unter allerlei bekannten Einladungen, die sie an mich ergehen liessen, zurück, und tranken nun wieder Schiedams edlen Trank, der ihnen kurz zuvor viel zu schlecht gewesen war.