Es waren vier Neger zurückgeblieben, welche mit mir oder dem Doctor täglich an Bord fuhren. Bei unserer Zurückkunft überraschte uns der Kommandant, der ein Meister in der Kochkunst war, mit den delicatesten Mahlzeiten, welche aus dem Ueberflusse unter seiner Leitung bereitet wurden.
Das Boot kam endlich von Armina an und brachte drei schwarze und einen weissen Soldaten.
Zugleich kam ein Schooner mit einem Gouvernementsbefehl an mich, worin mir das Gouvernement seine besondere Zufriedenheit über die von mir getroffenen Maasregeln bezeugte, und mir zugleich befohlen war, die geretteten Güter mit dem Schooner abzuladen, an dessen Bord sich sechs Kriegsmatrosen befanden, um dem Kapitän, einem alten, schlauen Engländer, dem solche Affairen nichts Neues waren, beizustehen. Jetzt machte sich der Kommandant, nachdem er noch so viel als möglich in seine zwei Boote gepackt hatte, mit dem Doctor davon, über die Unmöglichkeit seufzend, dass man nicht das ganze Schiff nach Armina transportiren könne.
Der Kapitän war nun vor der Hand damit beschäftigt, Schiffsartikel, als Segel, Tauwerk u. s. w., seinem Schooner anzupassen, so dass dieses alte, gichtbrüchige Fahrzeug bald ein gar stattliches Aussehen hatte und alle seine Räume und Ecken für die Zukunft mit brauchbaren Gegenständen ausgefüllt waren.
Die Kriegsmatrosen hatten während dieser Zeit freien Lauf und benützten diese auch auf's Köstlichste. Am Tage ihrer Ankunft war gerade eine indianische Arowackenfamilie bei mir auf Besuch gekommen. Es waren meistens Weiber, welche der Schnaps angelockt hatte. Die Matrosen nahmen nun von meinem Haufen, dessen Gegenstände verzeichnet waren, ein paar Kisten Branntwein, und bald lag das ganze Völkchen besinnungslos auf der Savanne. Es war gerade nicht nöthig, dass die Nacht ihren Schleier über diese Scene warf; denn die Indianer waren so betrunken, wie ihre Weiber, dass sie die Fehltritte derselben nicht bemerken konnten.
Ich hatte mich in mein Haus eingeschlossen und lag schon in tiefem Schlaf, als ein höllisches Geschrei und Gepolter, das aus der Bäckerei zu kommen schien, mich weckte. Mit dem Licht in der Hand lief ich sogleich hin, um dieses Nachtstück zu beleuchten. Dort fanden sich zwei Matrosen mit zwei indianischen Weibern, welche, um sich vor Mosquittosstichen zu schützen, in's Bett des Bäckers gekrochen waren, das er gutmüthig ihnen abgetreten hatte. Dieses, aus Mehlfassdauben zusammengenagelte, wurmstichige Möbel, das schon seit Olim's Zeiten ein Bäcker dem andern überlieferte und blos für einen Mann bestimmt war, brach unter seiner Last und fiel mit derselben auf die, unter ihm liegenden Mehlfässer.
Diese (der Teufel hatte offenbar sein Spiel dabei) waren mit der Schlafmaschine einige Schritte fortgerollt und stiessen an den Backofen an, der, ebenfalls schon lange im schlechten Zustande, einige Risse bekam. Die Matrosen und ihre Schönen waren bei dieser Rutschparthie mit heiler Haut davon gekommen; dem Bäcker aber, der sich im Backtroge gebettet hatte, fiel in Folge der Erschütterung der Deckel desselben auf den Kopf und verursachte ihm einige Beulen.
Ich fand, als ich mit dem Lichte kam, noch Alle voll Bestürzung. Die Indianerinnen schoben ihre Feigenblätter (Kwejus) wieder zurecht, und die Matrosen tranken auf diesen Schrecken mit dem Bäcker einige Gläser Branntwein.
Nach etwa vierzehntägigem Aufenthalt, während welcher Zeit der Kapitän seine legale und nicht legale Arbeit verrichtet hatte, zog auch er mit seinen Matrosen von dannen.
Jetzt hatte ich wenigstens einige Wochen vor Besuchen Ruhe, und wendete diese Zeit zu häufigen Besuchen bei meinen Nachbarn, den Indianern, an, um ihre Sitten und Gebräuche kennen zu lernen.