Sie gehören, wie die meisten der Indianer, zum Stamme der Caraiben; ihr ganzes Dorf mochte etwa 100 Köpfe stark seyn. Das Oberhaupt, ein 55-60 Jahre alter Mann, hiess Christian. Er hatte von verschiedenen Weibern wenigstens 12 Kinder, von welchen die meisten erwachsen und verheirathet waren. Er stand bei allen Indianern als Piaiman, d. h. Doctor oder Zauberer, in grossem Ansehen und wurde, wenn Jemand ernstlich krank war, sogleich gerufen. Ich hatte später Gelegenheit, seine Beschwörungen mit allen Zubereitungen in bester Form zu sehen.
Die Lebensweise der Caraiben ist im Allgemeinen von der der Arowacken nicht sehr verschieden, nur sind diese sanfter von Character. Auch die Gesichtszüge der Arowacken, besonders die der Frauen, sind feiner und gefälliger und haben nicht den derben Ausdruck der Caraiben.
In Beziehung auf die Reinlichkeit ihrer Haushaltungen und ihres Körpers sind die Caraiben viel pünktlicher, und obgleich beide Stämme in Freundschaft mit einander leben, verachtet doch einer den andern. Die Arowacken sind meist gute Jäger; dagegen scheinen die Caraiben den Fischfang besser zu verstehen, auch sind letztere im Bau der Corjaalen und in der Führung derselben bei stürmischem Wetter jenen überlegen.
Die Caraiben sind ein schöner, kräftiger Menschenschlag; die Männer sind selten über 5½' hoch, die Weiber aber bedeutend kleiner. Sie tätowiren sich nicht, bemalen aber zur Zeit ihrer Feste, und besonders, wenn sie von Reisen zurückkommen, den Leib mit dem Safte einer Frucht (Taburiba), der das Eigenthümliche hat, dass er sich durch nichts abwaschen oder ausbeizen lässt, aber täglich blässer wird, und mit dem achten Tage ganz verschwindet. Die Farbe dieses Saftes ist schwarz und wird mit einer Federspule auf den Leib aufgetragen. Das Bemalen aber, dem sich Männer und Weiber unterziehen, ist ein langweiliges Geschäft, das mehrere Stunden dauert, weswegen man auch nur wenige so bemalte Indianer sieht. Die Meisten begnügen sich damit, dass sie den Saft auf den Leib spritzen und denselben mit der Frucht einreiben.
Die Haare werden mit einer Salbe von Rocou (Orlean) und Crapatöl beschmiert, und diese besonders auf der Stirne beinahe fingersdick aufgetragen. Die Füsse werden ebenfalls bis zu den Knieen roth gefärbt. Auf dem Gesichte werden mit einer Farbe, Crawaru, vermischt mit dem angenehm riechenden Harze (Arakasiri), Striche und Punkte angebracht. Federkronen, Colliers von Affen-, Pakir-, oder Caimanzähnen vollenden den Putz.
Ihre Weiber sind von denen der Arowacken besonders leicht zu unterscheiden, denn die Caraibinnen tragen statt des niedlichen Perlenschürzchens, das deren einzige Bedeckung ist, ein langes, dunkelblaues Tuch, das durch einen Gürtel von Affenhaaren (vom Stentor ursinus) befestigt ist, und durch die Beine gezogen, zu demselben Zweck dient. Ihre schönen, schwarzen Haare sind auf der Stirne glatt abgeschnitten, meistens los, aber auch oft in Zöpfe gebunden. Die Unterlippe ist von einer grossen Stecknadel durchbohrt, deren Spitze nach aussen gekehrt ist und als Waffe gegen unerlaubte Freiheit dienen kann.
Manche caraibische Schöne trägt in ihren Ohrläppchen Pröpfe oder Knochen, welche zuweilen daumendick sind. Das Auffallendste aber sind ihre Waden, welche gleich kleinen Fässchen hervorstehen. Die starken baumwollenen, 3" breiten Bänder, mit welchen das kleine Mädchen oberhalb der Knöchel und unterhalb der Kniee gebunden wird, und die nie abgenommen werden, hindern das natürliche Wachsthum und machen, dass die Waden so unförmlich heraustreten.
Die jungen Mädchen sind, diesen Misswachs abgerechnet, niedliche Geschöpfe, werden aber, wenn sie älter werden, übermässig breit, platt wie eine Bratpfanne, und ihre Brüste, an welchen manchmal Kinder, Affen und junge Hunde zugleich saugen, haben besonders in ihren späteren Jahren so ziemliche Aehnlichkeit mit schweinenen Tabaksblasen.
Wie ganz anders ist dagegen eine junge Buschnegerin gestaltet! Welches Ebenmaas, welche Fülle der Glieder! Die schwarze, atlasfeine Haut, die üppigen Verhältnisse der Glieder würden einem Bildhauer das reinste Modell eines schönen Weibes liefern. Nur Schade, dass diese schwarzen Schönheiten einen Geruch um sich verbreiten witch all the perfums of Arabia not can sweeting, eine Eigenschaft, welche die Indianer nicht besitzen.
In ihren häuslichen Verhältnissen findet zwischen den Caraiben und Arowacken wenig Unterschied statt. Die Meisten begnügen sich mit Einem Weibe. Man findet aber auch solche, die zwei, drei oder mehr Weiber haben, von welchen jede eine besondere Hütte für sich und ihre Kinder hat. Kommt nun ein Mann, der einen solchen Harem besitzt, nach Hause, so wird ihm von seinen Weibern sein Essen vorgesetzt, das immer in Cassavebrod und einer, aus zahllosen spanischen Pfeffern gekochten Sauce, nebst Wild und Fischen besteht, wenn er solches mitbrachte. Jede dieser Weiber bringt ihr Essen dem Mann, setzt es vor ihm nieder und entfernt sich sogleich wieder, ohne ein Wort zu sprechen. Man kann desshalb aus der Anzahl der Schüsseln errathen, wie viele Weiber ein Mann hat. Nach dem Essen nimmt jedes Weib wieder ihre Schüssel weg und verzehrt den Ueberrest mit den Kindern in ihrer Hütte.